Eine ganze Lasterladung Karotten – mitten im Hof der Universität: Was auf den ersten Blick wie ein Abi-Streich aussieht, ist in Wahrheit echte Kunst! Aber was genau will der Künstler damit sagen?

Stell dir vor, du willst gerade in die Vorlesung, und plötzlich kippt da ein Laster eine volle Ladung Karotten in den Uni-Hof! Stell dir vor: Genau das ist am Dienstag auf dem Campus der namhaften Goldsmith University in England passiert.

Einen Tag später fragte sich das halbe Internet: Was zur Möhre sollte das?!

Was will der Künstler uns damit sagen?

Manche kamen zum Schluss, es handelte sich dabei um einen Akt gegen die "Zuckerbrot und Peitsche"-Taktik der Regierung im Umgang mit Corona. Im Englischen spricht man bei solch einem Vorgehen nämlich von "Karotte und Knüppel" ("carrot and stick"). Andere dachten dabei an einen Appell für mehr Durchblick. Tatsächlich handelte es aber erst einmal "nur" um eine Master-Arbeit im Fachbereich Kunst.

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Das Werk trägt den Titel "Grounding" und stammt von Rafael Pérez Evans. Inspiriert ist es von einer Protestform spanischer und französischer Bauern, dem so genannten "Abladen". Der Künstler ist selbst auf dem spanischen Land geboren und ergriff für seine Abschlussarbeit die Chance, selbst tief in das Thema einzusteigen. Gegenüber "Dazed" sagte er: "Ich habe mich gleichsam selbst abgeladen."

Bei Pérez Evans geht es allerdings nicht um Protest, sondern ums Erden. Er will sich wieder mit dem Erdboden, mit der Erde verbinden. Das macht er manchmal, indem er den nackten Fuß in Erde steckt und so gegen die Entfremdung angeht, die er fühlt, seitdem er mitten in einer Stadt lebt. Die Karotten-Aktion ist eine – so Pérez Evans – "monumentalere" Version dessen.

Sein Anliegen ist aber natürlich auch, eine Diskussion darüber loszutreten, wo unser Essen herkommt. Pérez Evans findet, dass wir das oft nicht mehr wissen oder es uns zumindest nicht bewusst ist. Er spricht von einer Art "Land-Blindheit und Essens-Blindheit und Erdboden-Blindheit". Der Künstler will darüber sprechen, was für eine Beziehung wir zur Stadt, zum Land, zu den Bauern und ihrem Ertrag haben.

Ist die Karotten-Kunst Lebensmittel-Verschwendung?

Auf Social Media haben sich bereits viele User*innen zu dem Kunstwerk geäußert. Manche interpretieren das Kunstwerk als Essensverschwendung und finden, man hätte die Karotten lieber an Bedürftige verteilen sollen. Pérez Evans kontert dies mit dem Hinweis, dass das Gemüse eh als "nicht für menschlichen Konsum geeignet" etikettiert worden waren und es nach der Aktion nächste Woche als Tierfutter verwendet werden würde. Solche Reaktionen seien aber laut Künstler gewollt.

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Gegenüber "Dazed" sagte er: "Meine Familie in Spanien sind Bauern. Ich bin einer derjenigen, der dies hinter sich gelassen hat. Als queerer Mensch bin ich gegangen, weil ich immer gedacht habe, dass ich Freiheit nur außerhalb dessen finden würde." Jetzt würde er aber hinterfragen, was verloren gegangen sei, als er den ländlichen Bereich verlassen hatte, um ein Kosmopolit zu werden.

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Mit seinem Kunstwerk "Grounding" will er darüber sprechen, wie er queere Kultur mit einer Rückkehr zu dieser Lebensart vereinbaren kann. "Was passiert, wenn ich, der ich jetzt eine Art queerer Kosmopolit bin, dorthin zurückkehre und bestimmte Arten von Leben, Austausch und Grundstimmung von jenem Ort befreie?"

Wir sind gespannt auf seine Antwort, die er uns hoffentlich so schnell wie möglich mitteilen wird.

ml

  • Quelle:
  • Noizz.de