Tausende Menschen, dicht an dich gedrängt, halb nackt – in einem riesigen Pool. Kein Mindestabstand, keine Masken. Absolut verantwortungslos, denkst du dir? Warum diese Megaparty trotzdem in Wuhan stattfinden konnte – der Stadt, in der das Coronavirus Anfang des Jahres aufkam – erklären wir dir hier.

Fotos und Videos eines Open Airs in Wuhan machen aktuell die Runde im Netz. Zu sehen sind Tausende Menschen, die zu hämmerndem Drum'n'Base feiern als gäbe es keinen Morgen. Um einen Riesen-Pool gescharrt, tanzen sie in Bikini und Badehose einer DJane auf der Bühne entgegen – vor ihr: Tänzer*innen in neonfarbenen Seemanns-Tütüts, die die Crowd anheizen. Andere Fotos zeigen den Pool voller Menschen.

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Keine Mundschutzmasken in Sicht – das HOHA Water Electrical Musical Festival in Wuhan

Rückblende, Januar 2020: In der 11-Millionen-Menschen-Stadt wird der erste Fall des Coronavirus in einem Krankenhaus festgestellt. Danach geht alles ganz schnell. Das Virus verbreitet sich über die nächsten Wochen auf der ganzen Welt. Wuhan muss als erstes Gebiet weltweit mit der neuen Krankheit und sterbenden Menschen umgehen. In Windeseile werden Krankenhäuser aus dem Boden gestampft – einer der striktesten Lockdowns der Welt verhängt. Nur wenige Wochen später hat die Stadt das Virus unter Kontrolle. Seit Mitte Mai gab es in Wuhan keinen neuen Corona-Fall.

Wuhan ist uns in der Pandemie einige Monate voraus

Bei uns in Deutschland, wo die Infektionen gerade wieder ansteigen – die Politik vor einer zweiten Welle warnt, neue Maßnahmen besprochen werden – scheint eine solche Megaparty völlig absurd. Fakt ist aber: Wuhan ist uns in der Pandemie einige Monate voraus. Der Lockdown wurde mittlerweile wieder aufgehoben, es wird weiter getestet. Wuhan ist zur Normalität zurückgekehrt. Sicherheitsmaßnahmen gibt es bei solchen Großveranstaltungen natürlich trotzdem. Laut "NBC News" mussten die Besucher des Events ihre Tickets im Voraus kaufen und beim Einlass einen sogenannten Health Code vorweisen, der ihnen via einer Corona-App ausgewiesen wird – und bestätigt, dass sie keine Symptome ausweisen.

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Experten machen sich angesichts solche Mega-Partys trotzdem Sorgen

Man gönnt sich ja sonst nichts – die Party in Wuhan war spektakulär

Keine Infektionen seit Mitte Mai und strikte Sicherheitsmaßnahmen – angesichts der Party-Videos aus Wuhan hagelte es trotzdem Kritik im Netz. Und auch Expert*innen machen sich Sorgen, wenn es um Großveranstaltungen in diesem Ausmaß angeht. "Das Problem ist, dass wir COVID-19 noch nicht ausgerottet haben", sagt Sanjaya Senanayake dem "BBC". Laut dem Professor für Infektionskrankheiten an der Australian National University bedeute das immer noch ein großes Risiko. Er gibt zu bedenken: Obwohl Wuhan den Großteil seiner Bewohner*innen testet, kann das Virus weiterhin von außerhalb eingeschleppt werden.

lsk

  • Quelle:
  • Noizz.de