Wie magisch ist der Nachfolger wirklich?

Zwei Minuten lang stehe ich auf derselben Stelle an einer Kreuzung mitten in Berlin und versuche, einem Troll ein Megafon abzunehmen. Auch nach drei Versuchen schaffe ich es nicht, den Zauberspruch gut genug mit meinen Fingern auf dem Display nachzuzeichnen, damit es klappt.

Nein, das sind keine Halluzinationen. Ich spiele das neue Game "Harry Potter – Wizards Unite". Am 22. Juni 2019 ist der Nachfolger von "Pokémon Go" in Deutschland rausgekommen. Beide Spiele sind von der Entwicklungsfirma Niantic hergestellt worden.

Das Augmented-Reality-Spiel funktioniert so: Du nimmst die Rolle eines Zauberers oder einer Hexe ein und versuchst, magische Gegenstände zu finden, zu befreien und zurück an ihren Ort zu bringen. Um von Ort zu Ort zu kommen, musst du dich im richtigen Leben bewegen.

Ich bin ehrlich: Als "Pokémon GO" vor ein paar Jahren von jedem gehyped wurde, habe ich mir nicht mal die App heruntergeladen. Nicht, weil ich cool und alternativ wirken wollte, sondern weil Pokémon mich schlichtweg nicht interessiert hat, als Kind nicht und Jahre später erst recht nicht. Während also alle mit ihrem Smartphone durch die Gegend gerannt sind, bin ich lustlos nebenher gelaufen und war vor allem eins: genervt.

Mit "Harry Potter" kann ich aber etwas anfangen, obwohl ich anfänglich ein verzweifeltes "Nicht schon wieder" im Kopf hatte. Als sämtliche Timelines mit Freundescodes und "OMG, wie geil!!"-Kommentaren geflutet wurden, habe ich der ganzen Sache mal eine Chance gegeben und mir die App runtergeladen.

So funktioniert "Harry Potter – Wizards Unite"

Am Anfang des Spiels kannst du dir alles Notwendige für das richtige Harry-Potter-Feeling einstellen: Dein richtiges Haus und deinen eigenen Zauberstab. Ein Foto kannst du ebenfalls aufnehmen (oder einfach ein vorhandenes auswählen). Wie aus Zauberhand hat man dann plötzlich einen eigenen Ministeriums-Ausweis.

So sieht der Ministerium-ID aus.

Dann geht es auch schon los und man ist bereit, auf einer virtuellen Karte – die tatsächlich die reale Welt darstellt – magische Gegenstände zu finden und gefangene Schüler zu befreien. Dafür tippt man auf die Symbole, die auf der Karte erscheinen.

Die Karte und die Symbole.

Sobald das Symbol angeklickt ist, ist man bereit zum Zaubern. Zum Zaubern muss man mit dem Finger das Zeichen auf dem Display nachziehen. Je besser die Linien getroffen werden, umso wirkungsvoller ist der Zauberspruch. Manchmal muss man den Zauberspruch auch wiederholen, weil er zu schwach war.

Der Prozess beim Zaubern.

In Festungen kann man Herausforderungen gemeinsam mit seinen Freunden meistern. Wie oft hat Harry Potter etwas ohne Ron und Hermine hinbekommen? Eben.

Dort kämpft man gegen verschiedene Bösewichte, wie Kobolde, Riesen und Spinnen, indem man Gegenangriffe abwehrt und Zielscheiben trifft. Bei Erfolg wird man jedes Mal mit Bonus-Gegenständen und Zauber-Energie belohnt.

Goldbarren, die Währung im Spiel, sind da manchmal auch als Belohnung bei. Sollte das Gold-Geld einmal knapp werden, kann über In-App-Käufe aufstocken: Angebote von 1,09 Euro bis 109,99 Euro sind verfügbar.

Fazit? Leider umständlich und langweilig

In der Wohnung (mit funktionierendem WLAN) klappt das Spiel recht gut, auch wenn man durch die fehlende Bewegung nicht viel machen kann. Die einzige Error-Mitteilung, die ab und zu angezeigt wird: Die App denkt, dass ich mich in einem Auto befinde. Ganz schön komisch, wenn man bedenkt, dass ich in diesem Augenblick sitze. Allgemein ist es natürlich sinnvoll, dass es diese Meldung gibt.

Ich muss gestehen, dass ich die Existenz der App jedes Mal vergesse, wenn ich draußen bin und das Spiel deshalb erst einmal beim Laufen gespielt habe. Bei dem einen Versuch, es ohne WLAN und mit tatsächlicher Bewegung zu spielen, hat sich die App relativ oft aufgehangen. Entweder hat sich meine Figur nicht auf der Karte bewegt, oder die AR-Funktion klappte nicht und brach den Vorgang ab. Am Datenvolumen kann es nicht gelegen haben. Nach gut 30 Minuten hatte ich außerdem bereits 20 Prozent Akku verloren und mein iPhone war gefühlt kochend heiß.

Dass die meisten Versuche, etwas einzufangen, mehrere Minuten dauern, ist ganz schön lästig. Mal eben fix auf dem Weg zum Bus spielen, ist also doof, wenn man nicht drei Busse verpassen will. Der Reiz verschwindet nach zehn Versuchen ebenfalls. Muss also nicht sein.

Allerdings sind die Details der App echt süß und lassen bestimmt jedes Fan-Herz höher schlagen – ganz gleich, ob Muggel oder nicht. Außerdem sind die Fehlermeldungen und Abstürze der App bestimmt bald mit kommenden Updates behoben. Wahre Potterheads und auch "Pokemon GO"-Fans finden locker gefallen an dem Spiel!

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  • Quelle:
  • Noizz.de