Das erotische Drama "365 Days" zieht seit Erscheinen Kontroverse auf sich. Nun wurde eine erfolgreiche Petition gegen Netflix und die Ausstrahlung gestartet. Sängerin Duffy meldete sich ebenfalls zu Wort – mit deutlicher Kritik.

Der Plot von "365 Days" ist schnell erzählt: Mafia-Spross Massimo kidnappet Laura und hält sie in seiner sizilianischen Villa fest. Er gibt ihr 365 Tage, um sich in ihn zu verlieben. Damit das auch klappt, müssen sich die beiden ordentlich über die Leinwand vögeln.

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Die kinky Sexszenen an sich sind hier nicht so sehr das Problem, sondern die Art und Weise, wie die Beziehung zwischen den Hauptdarsteller*innen gezeichnet wird: Massimo ist gewalttätiges Alpha-Männchen, es gibt durch seine Geiselnahme an sich schon mal ein ziemliches Machtgefälle und auch sonst ist der Mafia-Boy eher der Typ, der sich ungefragt und notfalls mit Gewalt nimmt, was er will.

Die beiden Hauptfiguren von "365 DNI"

Duffy kritisiert Netflix für "365 Days"

Musikerin Duffy erklärte in einem offenen Brief, dass sie den Netflix-Film für höchst fragwürdig halte. Sie selbst outete sich vor Kurzem als Vergewaltigungs-Opfer und findet, dass "365 Days" Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt verharmlose und sogar glorifiziere.

Eine Petition setzt sich nun ebenfalls dafür ein, dass der Film, der auf dem polnischen Bestseller "365 Dni" basiert, von der Streaming-Platform genommen wird. Auf "Change.org" schreiben die Aktivist*innen etwa, dass eine von vier Frauen häuslicher Gewalt zum Opfer fällt – und Netflix offenbar auf der Seite der Täter steht. Schließlich werde hier eindeutig gezeigt, wie eine Frau von einem Mann gegen ihren Willen festgehalten und zum Sex gezwungen wird – nur dass dieser kriminelle Akt in dem Film romantisiert und verharmlost wird. Die Petition hat mittlerweile aussagekräftige 75.000 Unterschriften sammeln können.

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Netflix übernimmt keine Verantwortung

Ein Sprecher von Netflix hat sich mittlerweile auf den offenen Brief Duffys zu Wort gemeldet und die Vorwürfe abgetan. Er sagte, dass die Zuschauer*innen selbst entscheiden könnten, was sie sehen wollen und was nicht. Er wies außerdem darauf hin, dass der Film selbst keine Netflix-Eigenproduktion sei.

Da der Streifen auf einer Roman-Trilogie der Autorin Blanka Lipinska beruht und nicht nur im Heimatland Polen einschlug wie eine Bombe, dürften demnächst sogar Fortsetzungen von "365 Tage" auf Netflix starten. Der Film gilt als polnische Antwort auf "50 Shades of Grey" und transportiert neben der ganzen Gewalt vor allem auch eingerostete und vollkommen überholte Gender-Stereotype. Bedenklich ist also auch, warum genau solche Geschichten immer noch so erfolgreich sind.

Quelle: Noizz.de