Wirklich nicht ...

Ich liebe Trash-TV. Es gibt Tage, da zieh ich mir alles rein. Und nein: Ich bin nicht arbeitslos, und ja, ich habe einen Universitätsabschluss (sogar zwei).

Trotzdem: Bachelor, Bachelorette, Dschungelcamp, Frauentausch – ich schaue das. In erster Linie nicht als sozio-kulturelles Experiment, sondern eher, weil es mich entertaint und in andere Welten führt.

Da ich meistens noch arbeite in der Sendestunde zwischen 18 und 19 Uhr, bleibt mir ein Genre des Trash-TVs verwehrt. Feierabend-Formate. RTL hat „Explosiv“, Pro7 hat „taff“ – und jetzt hat Sat1 dieses Genre ein Level höher gebracht: „Endlich Feierabend!" kommt jeden Tag von 18 bis 19 Uhr. Ich habe gestern zufällig reinegzappt. Und der Trash hat mich in seinen Bann gezogen und wieder ausgekotzt.

Sat1 selber beschreibt das Format wie folgt: „Das Moderatoren-Duo Annett Möller und Daniel Boschmann leitet den langersehnten Moment nach acht Stunden harter Arbeit ein.“ Ergh, was für eine Klischee-Welt.

Die Beiträge der Sendung die ich gesehen habe, hatten den Titel: „Ein Leben im Schatten“, „Gefährliche Hitze-Falle Kinderwagen“ und Gäste waren Angelo Kelly und sein Sohn Gabriel. Alles, was das deutsche Mainstream-Herz begehrt. Das fühlt sich an, als liegen vor uns nochmal acht Stunden harter Arbeit. Um diese Inhalte zu verdauen.

Nach fünf Minuten Sendung wird mir klar: „Endlich Feierabend!“ ist eins zu eins wie das Sat1-Frühstücksfernsehen. Nur noch kurzweiliger, weil die Sendung kürzer ist und später am Tag. Eine Mischung aus offensichtlichen Service-Themen, ein bisschen zu sehr aufgebauschten Boulevardthemen und „unglaublichen, das müsst ihr gesehen haben!“-Geschichten. Sogar das Moderatoren-Duo ist dem Zuschauer bekannt vom Sat1-Frühstücksfernsehen.

Gut, die beiden können jetzt länger ausschlafen. Aber: Braucht so eine Sendung die deutsche TV-Landschaft wirklich? Nein, nein, nein! Die Zuschauer sehen das anscheinend ähnlich. Gerade einmal 5,3 Prozent Marktanteil in der Kernzielgruppe der 14- bis 49-Jährigen.

Aber auch nicht wirklich verwunderlich. Zwei aufgedrehte Moderatoren, die ein Bobby-Car-Rennen austragen? Angelo Kelly der ein Personality-Quiz mit seinem Sohn macht und danach Thai-Boxen mit dem Moderator?

Diese Sendung fühlt sich wie ein Best-of der Fernsehideen von 2005 an. HILFE! Das „Highlight“ der Sendung: Der hilflose Versuch eine WhatsApp-Videokonferenz mit mehreren Teilnehmern zu starten. Klappt nicht. Weil das W-Lan kaputt sei. Das ist eine Live-Show. Ha ha.

Die erste Welle Aufmerksamkeit hat „Endlich Feierabend“ alerdings schon bekommen, dank Boris Becker. Der hat auf dem schönen bequemen Sofa nämlich ziemlich medienwirksam das erste Mal über seine Trennung von Lily gesprochen. Hach, kann es bessere PR geben? Aber auch das braucht eine Fernsesendung im Jahr 2018 doch nicht. Boris hat andere Plattformen für seinen Rosenkrieg. Eigentlich.

Liebes Sat1, könnt ihr nicht mal bei den Kollegen von Rocket Beans TV reinschauen? Da seht ihr wie zeitgemäßes Vorabend-Entertainment in einer Mischung aus News-, Service- und – ja auch inhaltslosen– Beiträgen funktioniert.

Quelle: Noizz.de