Der legendäre Fahrraddiebstahl, das "perfekte erste Date" und der riskante Flug im Heißluftballon – viel besprochene TV-Beiträge von den Entertainern Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben sich als Fake herausgestellt. "ProSieben" reagierte nicht gerade einsichtig.

"Fake bei Joko und Klaas – Schauspieler in Einspielfilmen eingesetzt" – so verkündete der NDR neue Recherche-Ergebnisse, die nun das deutsche Fernsehpublikum empören. Das NDR-Format “STRG_F“ hatte intensiv zu ProSieben-Unterhaltungsprogrammen recherchiert und in Shows mit den Entertainern Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf Ungereimtheiten aufgedeckt.

Der Recherche zufolge konnte anhand mehrerer Beispiele der Einsatz gecasteter Laiendarsteller nachgewiesen werden und einige dargestellte Ereignisse seien grob verkürzt oder sogar gescripted worden.

Ist sogar die Polizei auf den Fake hereingefallen?

Beispiel gefällig? Der angebliche Fahrraddiebstahl in Heufer-Umlaufs Show “Late Night Berlin“, bei dem ein Unbekannter auf frischer Tat ertappt worden sein soll: Der gezeigte Dieb stellte sich in Wahrheit als Laiendarsteller heraus. Die Szene sei mindestens zweimal gedreht worden, wie Zeugenaussagen und privates Videomaterial der Szene ergeben hätten. In der Sendung ordnete Heufer-Umlauf das Geschehen noch mit folgenden Worten ein: "Ich möchte Fahrraddiebe auf frischer Tat ertappen". Auch die Verpixelung des Täters – üblicher Schutz bei Beschuldigten, die im Fernsehen abgebildet werden – sollte offenbar Authentizität suggerieren. Die angeblichen Ereignisse seien laut NDR so überzeugend dargestellt worden, dass die Polizei Berlin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf schweren Diebstahl eines Fahrrads eingeleitet hätte. Hier ist die Szene:

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Riskante Heißluftballon-Fahrt? Von wegen.

In einem weiteren Fall gab die Sendung “Duell um die Welt“ vor, dass der Schauspieler Edin Hasanovic einen Heißluftballon ganz alleine fliegt und landet. Seine Begleiter waren zuvor abgesprungen und haben ihn angeblich alleine im Ballon hinterlassen. Das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt gab laut den Reportern jedoch an, dass der Schauspieler zu keiner Zeit alleine im Ballon gewesen sei. Ein Pilot sei immer anwesend gewesen, dies sei auch die gesetzliche Vorgabe. Der Pilot habe dies gegenüber der Behörde auch bestätigt."Es war Fake", so Urs Holderegger von der Behörde.

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Tinder-Date gescriptet

Im Fall eines angeblich authentischen Tinder-Dates bei "Late Night Berlin" war die junge Frau, die von verschiedenen Ereignisse überrascht worden war, tatsächlich Schauspielerin. Sie hatte die Episode sogar in ihrer Schauspiel-Vita aufgeführt. Auch hier: Keine Einordnung seitens Klaas Heufer-Umlauf. Er führte den Film mit der Begründung ein, dass er dem jungen Mann helfen wolle, "den besten ersten Eindruck zu hinterlassen, in der Geschichte von Dates."

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In der Vergangenheit waren bereits anhand eines Einspielfilms mit Sophia Thomalla Schummelvorwürfe laut geworden. Auch hier konnte die Redaktion von "STRG_F" weitere Unstimmigkeiten nachweisen. So liegen ihr Belege vor, dass eine angebliche Autofahrt von Nizza nach Budapest nie stattgefunden hat. Die beiden Termine lagen Wochen auseinander und waren nicht, wie im Film nahegelegt, zusammenhängend.

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Stellungnahme von ProSieben

ProSieben hat bereits Stellung zu den Vorwürfen bezogen. So schreibt der Sender, dass für die Einspielfilme neben spontanen Passanten ab und an auch ganz offen und öffentlich Teilnehmer gesucht würden, um sicherzustellen, dass ausreichend Protagonisten zur Verfügung stehen. Diese wüssten aber nicht, was redaktionell für sie vorbereitet würde.

Zum Fake-Vorwurf bezüglich der Heißluftballon-Szene schreibt ProSieben: "Wir arbeiten bei allen Filmen mit den höchsten Sicherheitsstandards, um das Leben unserer Protagonisten nicht zu gefährden. Dies ändert nichts an der subjektiven Wahrnehmung und Bereitschaft unserer Protagonisten: Wo einst Joko einen sehr besonderen Bungee-Jump aus Angst ablehnte, ließ sich Charlotte Roche später Haken in ihren Rücken rammen. Und sprang." Ein klares Eingeständnis? Schon wieder Fehlanzeige.

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Zum gefakten Fahrrad-Diebstahl heißt es: "Ziel des Beitrages war die humoristische Sensibilisierung für das Thema “Fahrraddiebstahl". Dies kann als erfolgreich bezeichnet werden und ist unserer Kenntnis nach im Sinne der Polizei Berlin geschehen. Nach erfolgreichem Abschluss eines Drehs mit versteckter Kamera werden aus produktionstechnischen Gründen häufig entweder mit Einverständnis des Protagonisten oder einem Ersatzprotagonisten, sogenannte Schnittbilder nachgedreht. Selbstkritisch möchten wir anfügen, dass in diesem Fall der satirische Ansatz des Filmes womöglich deutlicher gemacht hätte werden müssen. Die Redaktion und die Produktion waren jedoch davon ausgegangen, dass ein Feuerschlucker, eine zirka vier Meter große Frau und ein Kirchenchor ausreichend Hinweis darauf liefern würden."

Beschuldigt ProSieben also die Zuschauer*innen, die der Szene Glauben schenkten, dass diese es hätten besser wissen müssen? Ein schwieriger Ansatz, wenn man diese nach einer solchen Fake-Panne weiterhin zu seinem Publikum zählen möchte. Joko und Klaas sind schließlich auch aufgrund ihrer Authentizität so beliebt. Wie viel davon noch übrig geblieben ist, wird sich wohl in den kommenden Tagen herausstellen.

[Zusammen mit: dpa]

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  • Quelle:
  • Noizz.de