Konsum, Penislänge und Prügeleien: Ein Interview mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz

Jana Kolbe

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Im Film "100 Dinge" verzichten Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz 100 Tage auf Konsum Foto: Jana Kolbe / noizz

Ab dem 6. Dezember läuft ihr neuer Film „100 Dinge“ im Kino.

17.10 Uhr: Ich sitze in einem Fünft-Sterne-Hotel in Berlin und warte. Gleich treffe ich mich zum Interview mit Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer, um mit ihnen über ihren Film „100 Dinge“ zu sprechen, der am 6. Dezember in den Kinos anläuft.

Sie lassen auf sich warten – aber das ist okay, sie haben schon zwei Tage Pressemarathon hinter sich. Um 10 nach sitze ich immer noch allein in jenem Raum mit dem Marmortisch, auf dem eine Pressemappe liegt.

Florian David Fitz spielt nicht nur eine der Hauptrollen, sondern hat das Drehbuch geschrieben und die Regie gemacht. Auch Matthias tritt in doppelter Funktion auf: Er spielt eine Hauptrolle und diente auch als Produzent. Dass die Beiden vor der Kamera gut funktionieren, haben sie 2016 schon in ihrem gemeinsamen Debüt „Der geilste Tag“ gezeigt. Ob sie auch hinter der Kamera ein Dreamteam sind, wird sich gleich zeigen.

Darum geht’s im Film

Bevor es losgeht, gehe ich noch mal meine Fragen durch. In dem Film geht es um die beiden Start-Up-Typen Paul und Toni: Paul (gespielt von Florian David Fitz) ist der kreative Kopf – er hat eine App entwickelt. Kurz gesagt: Siri oder Alexa mit Emotionen. Die Computer-Frau „Nana“ reagiert auf die eigene Stimme und kann die Gefühlslage erkennen, um dann so zu antworten wie ein Mensch. Pauls Intention: einsame Menschen glücklich machen.

Sein bester Freund Toni (gespielt von Matthias Schweighöfer) geht an die Sache etwas wirtschaftlicher heran: Bei einem Pitch taktiert er und verspricht dem Käufer ein perfektes Datenprofil der Nutzer. Zuschlag! Verkauft für eine Mille! Party!

Die endet allerdings mit einem kleinen Haken. Vor der gesamten Belegschaft machen Paul und Tony eine Wette aus: 100 Tage ohne all die Dinge, die beide besitzen! Und das sind außergewöhnlich viele: Hunderte Sneaker, Designerklamotten, unzähliger Technikkram befindet sich in den Lofts der beiden – bei deren Anblick jeder, der die Berliner Mietpreise kennt, vor Neid erblasst–- Miete locker 2k!

Glücklicherweise bauen sie im besoffenen Kopf noch eine Bedingung ein: Jeden Tag bekommen sie eine Sache zurück. Wer verliert, gibt seinen Anteil des Verkaufspreises an die Belegschaft ab.

Schnitt.

Wie beschissen ihre Idee war, merken sie am nächsten Tag, als sie nackt in einer leergeräumten Wohnung aufwachen. Es beginnt ein Kampf gegen Gewohnheiten und Langeweile, die Suche nach dem persönlichen Glück und natürlich auch eine kleine Liebesgeschichte.

18.15 Uhr: Das Interview geht los!

Ich werde einen Gang entlanggeführt und in ein Hotelzimmer gebracht. Erst kommt Matthias, dann Florian. Gut, dann wollen wir mal …

NOIZZ: Im Film spielt ihr zwei Star-up-Typen, die eine App verkaufen. Wenn ihr eine entwickeln könntet: Welche wäre es?

Florian David Fitz: Na, ich hab ja lange überlegt, wie die App im Film aussehen könnte: dass jeder seine eigene personalisierte Siri hat, mit eigener Stimme und deinem Humor. Die Idee ist gefährlich gut, und ich glaube auch, es wird schon dran gearbeitet, dass das wahr wird.

Matthias Schweighöfer: Ich würde Minecraft entwickeln ...

Florian: Du musst eine neue entwickeln ...

Ja, oder willst du die gleiche noch mal rausbringen?

Matthias: Eine neue? Hmm … Minecraft Ad-on!

Der Film startet mit einem Filmriss: Wann hattet ihr euren letzten und mit wem?

Florian: Mit 13 .. Nee, mit 15! Bei meinem ersten Filmriss gab es eine ganze Flasche Tequila aus Wassergläsern – also richtig schlimm! Ich habe nicht gekotzt und lag dann drei Tage mit Fieber im Bett. Meine Eltern dachten, ich hab Grippe. Kann ich niemandem empfehlen.

Matthias: Das ist gar nicht so lange her. Aber mit Filmriss ... Puh, das weiß ich wirklich nicht mehr.

Die beiden Hauptcharaktere verzichten 100 Tage auf all die Dinge, die sie besitzen, weil sie eine Wette eingegangen sind. Was war eure letzte Wette?

Florian: Ich finde Wetten ein bisschen bescheuert, Wettbewerbswetten kann man schon machen. Die letzte Wette, die ich gemacht habe, war bei „Vincent will Meer“: Dass ich gegen den Verleih gewettet habe, wenn wir auf über 400.000 Zuschauer kommen, gehe ich bei 10 Grad in den Eisbach. Sonst glaube ich: Wetten tun nur die Deppen.

Matthias: Sorry, ich kann dir leider keine coole Story liefern. Ich wette auch nicht. Es gibt nichts, wo ich sagen würde, ich wette.

Ich durfte den Film schon vorab gucken und mir ist aufgefallen: Ihr seid im Film entweder nackt oder ihr prügelt euch: Was ist schwerer zu spielen?

Florian: Also erst mal lasse ich das nicht so stehen, weil das so nicht stimmt. Wir sind genau einen Tag nackt. Die Wette geht nämlich darum, dass wir alle Sachen wegtun. Das heißt: Tag null haben wir nichts, Tag eins haben wir schon etwas an. Und zweitens prügeln wir uns im Film ja nicht. Wir haben uns sehr viel gewatscht, aber da wir beide schon sehr viele Filme gedreht haben und man wahrscheinlich in jedem zweiten Film eine in die Fresse bekommt ... sind wir da sehr geübt.

Habt ihr euch denn schon mal in echt geprügelt?

Florian: Spinnst du? Dann würden wir ja heute …

Matthias: … hier nicht sitzen.

Aber woher kommt das dann, dass ihr die Konflikte im Film so löst, wenn da keine persönliche Erfahrung hinter steckt?

Florian: Wenn ich jetzt nur mein Leben verfilmen könnte, dann könnte ich immer nur denselben Film machen. Ich suche mir ein Thema, das mich interessiert und schau, was ich davon verstehe. Es gibt einfach auch Sachen, die ich irgendwo beobachte und die mich beschäftigen oder berühren oder belustigen. Insofern muss nicht alles mir persönlich passieren, was in dem Film zu sehen ist.

Aber habt ihr euch denn schon mal im Real Life mit jemandem geprügelt?

Matthias: Früher!

Florian: Richtig mit der Faust ins Gesicht ...

Matthias: ... Nee!

Konsum ist das Kernthema des Films – alles dreht sich darum, wie schwer es einem fällt, auf seinen Besitz zu verzichten. Bis deutlich wird, dass man sich mit weniger Dingen auch freier fühlt. Welche materielle Sache hat die größte Bedeutung für euch?

Matthias: Mein Auto! Ich kann da Musik hören, ich komme damit weite Strecken und ich kann damit meine Kinder transportieren.

Florian: Meine Wohnung!

Mit allem drin?

Florian: (lacht) Ja, genau, ich bin einfach sehr raffiniert. Meine Wohnung mit allem drin – mit all meinen Freunden. Nein, aber die Wohnung hat auch den größten immateriellen Wert: Das ist mein Zuhause, und ich würde lieber da schlafen als im Auto.

Apropos Zuhause: Wann habt ihr das letzte Mal ausgemistet?

Matthias: Vor anderthalb Jahren. Ich hab‘ alles weggeworfen, was unnötig war. Und vor zwei Wochen den Schrank meines Sohnes. Da waren super viele Sachen drin, die ihm zu klein geworden sind, und die habe ich ausgemistet und ersetzt mit Klamotten, die ihm passen.

Florian: Einmal im Halbjahr miste ich Klamotten aus. Und das nächste Mal, wenn ich noch mal umziehe. Dann wird groß ausgemistet und der ganze Keller mal ausgeräumt.

Paul und Toni fahren beide total auf Sneaker, Designerklamotten und Technikkram ab. Die Wohnungen sind bis oben hin vollgestopft. Im Film wird deutlich, dass sie damit nur versuchen, ein seelisches Loch zu füllen. Hast du auch ein seelisches Loch, Florian?

Florian: Ich glaube, dass diese Sehnsucht wahr ist – in dem Film heißt es ja, wir alle haben ein Loch in unserer Seele. Wir alle sind unfertig, und es ist wahrscheinlich ein Gerücht, dass man jemals irgendwie fertig sein wird – und das ist vielleicht auch okay? Die Frage ist halt, versuche ich ständig, das Loch mit irgendwas zu stopfen. Das kann alles Mögliche sein: Können Sachen sein, kann Alkohol sein, können Leute sein, kann Aufmerksamkeit sein ...

Und womit würdest du dieses Loch am ehesten füllen?

Florian: Ich glaube ... Arbeit. Und da gut zu funktionieren. Und dafür über den Kopf gestreichelt zu werden und zu hören: Das haste gut gemacht.

Matthias?

Matthias: Meinste mit dem Loch?

Mmh, seelische Löcher stopfen!

Florian: Zuneigung, glaube ich, Matthias.

Matthias: Nee, ich würde glaube ich noch ein bisschen weiter gehen. Anerkennung.

Da war ja noch was …

Der Timer auf meinem Handy zeigt, dass schon zehn der 15 kostbaren Interview-Minuten um sind. Dabei habe ich doch noch ein Entweder–Oder vorbereitet! Und DAS solltet ihr euch definitiv nicht entgehen lassen:

Wie viele Eigenschaften ihr von Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer im Film wiedererkennt? Das müsst ihr wohl selbst herausfinden. Ab dem 6. Dezember läuft „100 Dinge“ im Kino.

Quelle: Noizz.de