Von Instagram ins iranische Gefängnis ...

Die Influencerin Sahar Tabar, die als "Zombie Angelina Jolie" bekannt geworden ist, wurde Anfang des Monats in ihrem Heimatland Iran verhaftet und unter anderem der Gotteslästerung beschuldigt. Wegen ihres Instagram-Accounts, auf dem sich die 22-Jährige mithilfe von Make-up und Photoshop in dem für sie typischen, gespenstischen Look zeigte, waren laut der "Tasnim News Agency" bei der Staatsanwaltschaft Teheran zahlreiche Beschwerden aus der Öffentlichkeit eingegangen.

Seitdem war es ruhig geworden um die Influencerin. Nun hat der iranische TV-Sender "IRTV2" ein Interview mit der 22-Jährigen veröffentlich. Der TV-Sender stellt Tabar als Beispiel dafür vor, wie "der Irrsinn, in Sozialen Medien berühmt zu werden, ein echtes Leben ruiniert hat". Ihr Gesicht ist während des gesamten Interviews unkenntlich gemacht. Einige sehen in dem Interview ein erzwungenes Geständnis und Tabar als Opfer, das als Exempel herhalten muss für die angeblich schlechten westlichen Werte.

Sahar wie sie sich auf Instagram zeigte Foto: Instagram / @sahartabar_officialx

Im Interview, das öffentlich im iranischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, wird das Privatleben des Mädchens schonungslos durchleuchtet, es wird thematisiert, dass Tabar Einzelkind von geschiedenen Eltern ist. Gegenüber des TV-Senders räumt Tabar ein, in Wirklichkeit nicht auszusehen, wie auf den mit Photoshop bearbeiteten Bildern. Entgegen der Behauptungen westlicher Medien habe sie auch nie wie Angelina Jolie aussehen wollen, stattdessen war der Hauptcharakter in Tim Burtons "Corpse Bride" ihre Inspiration.

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Seit ihrer Kindheit habe sie berühmt werden wollen, so die 22-Jährige. Auf Nachfrage des Senders behauptet Tabar außerdem, sie bereue, sich so stark verändert zu haben: "Meine Mutter sagte mir, ich soll aufhören, aber ich hörte nicht zu. Manchmal können die Worte eines Fremden oder eines Freundes wichtiger sein als die eines Elternteils."

"Behauptet jetzt noch einmal, dass wir im Iran frei sind"

Die Reaktionen auf das Video fallen unterschiedlich aus. Viele sehen das Interview als eine Art Geständnis an und machen ihrem Unverständnis online Luft: "Was sollte Sahar Tabar gestehen müssen? Gibt es überhaupt noch prinzipientreue Leute im Parlament, die der Übertragung von schmutzigen und unmoralischen Geständnissen im Fernsehen ein Ende setzen können?", so ein Kommentar online. "Sie im Fernsehen zu zeigen ist beschämend und schmutzig. Sie ist krank. Sie zu einem Geständnis zu zwingen ist erbärmlich", ein anderer.

Der Iran ist eine islamische Republik, in der die Scharia gilt. Instagram ist die einzige große Social-Media-Platform, die dort nicht verboten ist: "Sie haben Sahar Tabar wegen ihres Make-ups und ihrer Tattoos im Fernsehen gezeigt, weil sie ein Scheidungskind ist und mit ihrer Instagram-Seite Geld verdient. Behauptet jetzt noch einmal, dass wir im Iran frei sind."

Tabar vergleichsweise ungeschminkt mit Pflaster auf der Nase Foto: Instagram/@sahartabar.before

Es ist nicht das erste Mal, dass im Iran junge Menschen, insbesondere Frauen, aufgrund ihrer Online-Aktivität verhaftet werden. Alleine in diesem Jahr wurden Duzende Influencer verhaftet. Der Großteil konnte gegen Kaution wieder freikommen, wird seitdem aber vom Staat kontrolliert. Sollte Sahar Tabar tatsächlich wegen Blasphemie verurteilt werden, drohen drastische Strafen bis hin zur Hinrichtung.

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Quelle: Noizz.de