Jennifer Aniston hat ihre Rolle gefunden: eine Parodie ihrer selbst.

Vor zwei Wochen veröffentlichte Netflix den Film "Murder Mystery" mit Jennifer Aniston und Adam Sandler. Der Film brach sofort Rekorde und wurde nach nur drei Tagen von fast 31 Millionen Accounts weltweit angeschaut – kein anderer Netflix-Film hat eine erfolgreichere Premiere feiern können.

Ich sträubte mich lange, den Film anzusehen, doch als ich mir gestern Abend nicht das 40. Mal "500 Days of Summer" geben wollte, entschied ich dann doch, dem Aniston-Film eine Chance zu geben. Wiederwartend zog er mich in seinen Bann – erst jetzt verstehe ich, warum.

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Der Film handelt von einem unglücklichen Ehepaar, das zu seinem Hochzeitsjubiläum eine kurzerhand geplante Reise nach Europa macht. Im Flieger nach Frankreich treffen sie einen mysteriösen, reichen Mann, der die beiden zu der Hochzeit seines noch reicheren Onkels auf eine Jacht einlädt. Auf der Jacht wird der Onkel umgebracht, und das Ehepaar wird des Mordes beschuldigt. Die Pechvögel werden von Jennifer Aniston und Adam Sandler gespielt.

Den letzten Jennifer-Aniston-Film, an den ich mich herantraute, war "Trennung mit Hindernissen" aus dem Jahr 2006. Den habe ich mir in einem verzweifelten Moment auf Netflix reingezogen, als ich Bock hatte, mein Gehirn auszuschalten. Nach 100 Minuten qualvoller Erwartung des Film-Endes fühlte ich mich desillusioniert: Jennifer Aniston hat es wohl einfach doch nicht drauf, dachte ich mir.

Aus irgendeinem Grund fand ich die ehemalige "Friends"-Schauspielerin früher richtig cool. Sie war für mich der Inbegriff von Schönheit, Witz und Professionalität in einem. Doch wenn ich mir die Situation heute mal vor Augen führe, muss ich leider zugeben: Jennifer Aniston ist schon ein bisschen eine Trash-Schauspielerin. Nicht ein bisschen, ganz doll eigentlich.

Sie spielt in jeder Liebeskomödie mit, und zwar immer in genau derselben Rolle: Die hübsche, leicht anspruchsvolle, dramatische Frau, die enttäuscht von ihrem jeweiligen Partner ist. Genau diese Rolle spielt sie auch in der Netflix-Produktion "Murder Mystery". Und DANN auch noch zusammen mit dem dauernd überdrehtem Adam Sandler (wie auch bei "Meine Erfundene Frau").

Ein Paar aus der Comedy-Hölle.

Nach fünf Minuten frage ich mich, was ich mir dabei gedacht hatte, mich erneut mit einem Film des Jennifer-Aniston-Erbes zu quälen. Aber bald ertappe ich mich dabei, wie ich darüber lachen musste, wie absurd das Ganze eigentlich ist: Jennifer Aniston hat über die letzten 25 Jahre das absolute Klischee von einer Frau erschaffen. Und das spielt sie mittlerweile so überspitzt, dass es praktisch Satire ist. Darüber kann ich mich nur amüsieren.

Schnell merke ich aber, dass es in diesem Film genauso beabsichtigt sein muss: Niemand nimmt sich hier ernst. Vorne weg Adam Sandler, der mit einem peinlichen Schnauzer den ständig an Essen- und Sex-denkenden Macho-Mann spielt.

"Murder Mystery" hat sich jeden Stereotypen eines Mord-Dramas zu Herzen genommen, um ein paar Nuancen verstärkt, und mit den Klischee-beladensten Schauspielern besetzt, die sich Netflix leisten konnte.

Genau deswegen ist der Film richtig genial

Die gekonnte Selbst-Ironie macht die Schauspieler sympathisch. Man lacht mit ihnen über sie. Die richtige Balance zwischen Parodie und peinlich zu finden, hat schon so mancher Film ("Trennung mit Hindernissen") verkackt. Anstatt zu verkacken, reiht sich "Murder Mystery" allerdings neben anderen stereotypischen Filmen wie "Love, Actually" ein, die ihr Genre zum Zentrum ihres Humors machen, ohne dabei fremdschämend albern zu werden.

Das i-Tüpfelchen ist, dass die Krimi-Story auch noch wirklich spannend ist. Ein bisschen, wie ein "Drei ???"-Hörspiel auf einer Autobahnfahrt nach Italien – der perfekte Begleiter für anbahnende Langeweile.

Um es kurz zu fassen: Leute, guckt euch einfach "Murder Mystery" auf Netflix an und genießt, dass Selbst-Ironie existiert und bei den richtigen Menschen zu genau der richtigen Zeit zum Vorschein kommt. 

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Quelle: Noizz.de