MontanaBlack ist der größte Twitch-Streamer Deutschlands. Natürlich nimmt er seine Fans auch mit in den Urlaub, zum Beispiel nach Malta. Dort läuft der 32-Jährige durch die Straßen und filmt ungefragt Urlauberinnen, macht dabei primitive Sex-Geräusche und erklärt, wie geil er die Frauen findet. Doch Sympathie scheint ihn immer wieder davor zu schützen, für sexistisches Verhalten kritisiert und gecancelt zu werden.

Deutschland liebt MontanaBlack. Der 32-Jährige aus dem 40.000-Seelen-Kaff Buxtehude ist Multimillionär in Jogginghose und Adiletten und dabei so sympathisch und bodenständig, dass man es kaum glauben kann.

Während er mit immer neuen Streaming-Rekorden und YouTube-Content Geldberge scheffelt, kümmert er sich rührend um seine Großeltern, chillt mit seinem Neffen, isst am liebsten Nudelsalat mit Ketchup und wirkt wie ein normaler, familienverbundener Dorfjunge von nebenan – nur eben mit giftgrünen Lamborghini, Facetattoos und Roli am Arm.

Tja, und dann sind da noch die Sexismus-Skandale, von denen die ungefragten Aufnahmen der Urlauberinnen auf Malta, Montes primitiven Sex-Geräusche, die "zeig mal 'n bisschen Titte"-Kommentare nur die Spitze des Eisbergs sind.

Wie der sexistische MontanaBlack durch seine sympathische Art immer wieder davon kommt, wenn er Dinge sagt und tut, für die andere kompromisslos gecancelt werden würden.

Montana Black über Freundschaft mit Frauen

MontanaBlacks Sexismus ist kein Ausrutscher

Solche diskriminierenden Ausrutscher können "Kleinigkeiten" sein, wie Montanas Einschätzung über Freundschaften mit Frauen vom Sommer 2020: "Wenn die ultra ugly ist oder 300 Kilo wiegt, ja. Aber, ey, das ist nur meine Meinung. Viele machen es anders und es funktioniert."

Frauen, das sind für Monte Menschen, die man ficken will – es sei denn, sie sind dick oder hässlich.

Nicht nur das auf ihre Fickbarkeit reduzierte Frauenbild ist daran problematisch, auch seine Maßstäbe, mit denen er zum Entschluss gelangt: hübsch und schlank – ficken; weniger hübsch und füllig – nein, danke. Eine durch und durch diskriminierende Aussage, die dann aber von "ist nur meine Meinung, kann jeder machen, wie er will" den Monte-Ritterschlag erhält, der das Ganze in Sympathie kleidet und einen irgendwie irritiert zurücklässt: War das jetzt doch nicht so schlimm und ist es vielleicht okay, solange es nur seine Meinung ist und er andere machen lässt, wie sie wollen?

Nein, ist es nicht. Aber genau das ist das Problem: Montes Aura der Liebenswürdigkeit gibt ihm bei Fans und der Community einen Bonus, mit dem er sich Nummern leisten kann, die absolut nicht klar gehen.

Wie zum Beispiel, als er letztes Jahr Frauen mit Hunden vergleichen hat.

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MontanaBlack vergleicht Frauen mit Hunden, denen man(n) einfach nur eine lockere Leine lassen muss

Im Stream kam er mit der These um die Ecke, Frauen seien wie Hunde und man müsse ihre Leine bloß locker genug halten, damit sie Auslauf haben und gerne wiederkommen.

Wenige Wochen später kräht kein Hahn mehr nach der Nummer.

Sexistisch, aber Sympathieträger und deshalb immer wieder aufs Neue mit Darfschein durchgewunken. Damit ist er in Deutschland kein Einzelfall.

Sexismus deutscher, männlicher Stars: eine heimliche Liebe?

An wen erinnert uns das? Zum Beispiel an Rapper Gzuz von der 187 Straßenbande. Der hat seit seinem Strafprozess wegen vermuteter häuslicher Gewalt zwar deutlich härtere Geschütze als Monte verzapft, aber das Phänomen ist das gleiche.

Woher es auch rühren mag, wir Deutschen haben ein Herz für asoziale Sympathisanten und sind bereit, ein ums andere Mal wegzusehen, wenn unsere Lieblingsprolls Grenzen überschreiten, die nicht überschritten werden dürften.

So wie diese hier auf Malta, die Monte ganz frisch einen Shitstorm beschert hat.

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MontanaBlacks sexistisches Entertainment aus Malta

Mit Live-Cam latscht Monte durch die Tourimassen und fängt ungefragt Frauen ein, die er mit einer Collage aus kehligem Stöhnen kommentiert, die einen glatt in die Steinzeit beamt. Über 90 Sekunden geht das. Und das ist noch nicht alles.

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An einem anderen Tag sitzt er auf seinem Balkon, sieht plötzlich eine Frau im Pool – und hält prompt die Kamera drauf: "Oah, Wallah, da oben ist eine. Ohhh, schau ma' hin, zeig ma' 'n bisschen Titte. Uh? Oah, die ist geil, Digger." Man glaubt es nicht, bis man es nicht selbst gesehen hat. Danach erklärt er seinen Fans noch schnell, wie "gesegnet" er gerade ist.

"Seht ihr das, da oben ist der Infinity Pool. Und sie hier, die macht da gerade richtig schöne Fotos. Ja, guck doch mal hier her, komm doch mal auf mein Zimmer, ich hab hier noch ein Bettchen frei. Komma runter! Ficki ficki!" – willkommen im Spätsommer 2020, beim Lifestream des größten deutschen Streamers, dem 32-jährigen MontanaBlack.

Für die Nummer hat er nun einen Bann von Twitch für 33 Tage erhalten sowie einen satten Shitstorm auf verschiedenen Medien. Und wie sehen das die Fans?

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MontanaBlack und Rapper Gzuz auf einem Bild – Gleiches zu Gleichem?

Unter seinen Tweets, mit denen er sich für die Videos auf Malta entschuldigt, schreiben etliche Fans, wie übertrieben die Kritik sei und dass er gar nichts falsch gemacht hätte. Aber es ist nicht nur die eigene Community. Monte ist im Angelcamp zu Besuch bei Sido und Knossi, Monte macht Mainstream-TV auf Moderator Kai Pflaumes Kanal "Ehrenpflaume".

Sexismus? Ach was, das ist doch Monte. Der meint das nicht so. Wir lieben Monte einfach, wie er ist.

Darf man Monte trotzdem lieben? Klar. Was tust du, wenn dein eigenes Kind straffällig wird? Du liebst es trotzdem. Aber einen Menschen zu mögen oder zu lieben bedeutet nicht, dass man ihn nicht auch kritisieren oder sich wegen bestimmter Werte und Verhaltensweisen von ihm distanzieren darf – oder auch sollte.

Wer MontanaBlack in Schutz nimmt, macht sich mitschuldig

An dieser Stelle noch zu behaupten, Monte sei kein lupenreiner Sexist, entbehrt jeder Grundlage. Der Typ latzt sich alle paar Monate Dinger, die weniger charismatische Sympathieträger längst aus sämtlichen Kanälen gefegt hätten.

Deshalb an dieser Stelle der Appell an alle, die Monte-Fans sind: Hört auf, ihm wegen seiner liebevollen Schoßhund-Art sexistische Haltungen durchgehen zu lassen. Wer das tut, macht sich mitschuldig.

Ja, er ist superlieb und authentisch, aber das darf keine Entschuldigung sein, ignoranten Sexismus-Contet durchzuwinken. Außerdem schützt Unwissenheit vor Strafe nicht.

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Der weiß es einfach nicht besser? Kann sein. Dann erklärt es ihm. In seinem Umgang mit Kritik zeigt sich Monte immer wieder schuldbewusst wie auch in den Tweets zur Malta-Affäre. Vielleicht braucht er einfach mal einen kleinen Crashkurs. Aber hört auf mit dieser Heuchelei. Sexismus ist Sexismus, egal, ob aus dem Mund des alten weißen Manns Dieter Nuhr, Kollegahs – oder eures Lieblings-Streamers.

  • Quelle:
  • Noizz.de