Sie muss ihren Titel abgeben, weil sie geschiedene Mutter ist.

Hier weiß man gar nicht, worüber man sich am meisten wundern soll: Schönheitswettbewerbe generell? Veraltete Regeln von Selbigen? Eine lügende Teilnehmerin, die dachte, ihr vierjähriger Sohn würde nicht auffallen?

Krönchen dank Lüge

Aber ganz von vorne: Die 23-jährige Veronika Didusenko freute sich letzte Woche noch über den Sieg zur "Miss Ukraine". Nur wenige Tage später wurde aufgrund spitzfindiger Journalisten bekannt, dass die Teilnehmerin bereits verheiratet war und einen vierjährigen Sohn hat. Nun könnte man sagen: "So what?!" Tut ja eigentlich wenig zur Sache, ob nun eine geschiedene Mutter den Wettbewerb gewinnt, oder nicht. Könnte man – es sei denn, man gehört ins Komitee eines Schönheitswettbewerbs. Entsprechend wird Didusenko nun die Krone wieder aberkannt.

Ist das jetzt Mütter-Diskriminierung oder Sexismus?

Die Regeln eines Schönheitswettbewerbs – übrigens nicht nur in der Ukraine – sehen vor, dass ihre Teilnehmerinnen nicht verheiratet und schon gar nicht geschieden sind. Kinder sind ebenfalls ein No-Go. Diese Regeln finden sich auf den Homepages weltweiter Schönheitswettbewerbe – etwa bei "Miss Universe". Warum diese Voraussetzungen bestehen, wird allerdings nicht erklärt. Vermutlich passen zur Fleischbeschau eines Schönheitswettbewerbs nur möglichst "unbefleckte" junge Frauen. Oder soll suggeriert werden, dass jede der Teilnehmerinnen für einen möglichen Partner offen wäre? Jedenfalls können wir uns keinen Reim daraus machen, warum die Schönheit einer verheirateten Frau oder Mutter weniger Relevanz besitzt, als die einer ledigen Nicht-Mutter. Natürlich gelten diese Regeln nicht, wenn man sich als Mann für Schönheitswettbewerbe anmeldet.

Wir können uns an dieser Stelle tatsächlich nicht entscheiden: Ist das das Krönchen auf einer sowieso schon vor Sexismus triefenden Veranstaltung? Oder werden hier einfach nur stumpf Mütter und geschiedene Frauen diskriminiert? Klar, diese Regeln sind nicht neu. Aber nur weil etwas schon lange Bestand hat, ist es nicht gut. Man könnte Regeln ändern – und damit wenigstens ein bisschen dafür sorgen, im 21. Jahrhundert anzukommen.

"Miss Ukraine" will ihre Krone behalten

Didusenko fühlt sich mittlerweile übrigens auch diskriminiert. Das lässt sie zumindest via Instagram verlauten und möchte nun sogar eine Kampagne starten, die sich gegen die Diskriminierung von Müttern einsetzt. Grundsätzlich eine gute Sache. Aber wo genau waren ihre Haltung zum Muttersein vorher? Damals, als sie bei ihrer Bewerbung angab, kinderlos zu sein? Wollte sie das System unterwandern? Ist die entweihte Miss Ukraine etwa eine Aktivistin, die für das Recht der Mutter kämpft? Oder hätte die junge Frau bei einem Wettbewerb, der offensichtlich sexistisch, diskriminierend und vorgestrig ist, gar nicht erst mitmachen sollen?

Wir können uns wiederum nicht so recht entscheiden, haben aber große Lust, eine eigene Kampagne zum Thema zu starten: Wir fordern den Verbot von Veranstaltungen, auf denen Menschen über subjektive Tatsachen wie die Schönheit eines Menschen entscheiden. Mitmachen dürfen alle – auch geschiedene Mütter. Ach ja: Und Weltfrieden wünschen wir uns selbstverständlich auch.

Quelle: Noizz.de