Ist es Kinder-Shopping oder hilft sie nur? Ich bin hin- und hergerissen ...

Madonna ist die Queen of Pop. Sie ist politisch engagiert. Und sie war immer kontrovers. Das trifft es auch jetzt ganz gut: kontrovers.

Umstritten ist diesmal, dass die 58-Jährige Zwillinge aus Malawi namens Esther und Stella adoptieren darf. Das Gericht in dem südostafrikanischen Land erlaubte es ihr gestern. Komisch, dass Madonna noch im Januar gegenüber dem „People Magazine“ meinte: „Gerüchte über ein Adoptionsverfahren sind unwahr.“

Malawi liegt in Südostafrika – ein kleiner Staat, viele Menschen dort leben in Armut. Foto: Bildschirmfoto / Google Maps

Die beiden Mädchen sind 4 1/2 Jahre alt, ihre Mutter starb kurz nach der Geburt – leider keine Seltenheit in dem Dritte-Welt-Land. Die Müttersterblichkeit nach der Geburt lag im Jahr 2015 bei 63,4 Prozent.

Die Lebenserwartung in Malawi liegt zwischen 47 und 54 Jahren. 11,9 Prozent der Bevölkerung sind HIV-positiv. Die US-Sängerin hat eine enge Verbindung zu dem Entwicklungsland. Ihre Stiftung „Raising Malawi” steckt Millionen Dollar in die Betreuung von Waisenkindern und Bildungsprogramme.

Madonna hat bereits im Jahr 2006 David aus dem selben Waisenhaus in Mchinji, einem Ort in Malawi, adoptiert. Drei Jahre später holte sie Mercy, ebenfalls aus Malawi, zu sich in ihre Familie. Also eigentlich doch eine gute Sache, dass Madonna den beiden Mädchen ein neues Zuhause gibt?

Na ja ...

Ganz so einfach ist das nicht. Obwohl sie sich so sehr für Malawi einsetzt, wurde sie vor vier Jahren von der malawischen Regierung harsch kritisiert. Die damalige Präsidentin Joyce Banda warf der Popdiva vor, sie inszeniere sich zu sehr als Wohltäterin.

Ich habe wegen zwei Aspekten einen inneren Konflikt mit mir, ob ich Madonnas Adoption gut finden soll oder nicht:

1. Madonna ist schon 58 Jahre alt

Wenn Esther und Stella volljährig sind, ist ihre Adoptivmutter 72. Ich hoffe natürlich für Madonna, dass sie noch lange topfit ist. Aber man weiß ja nie.

2. Kinderhandel und sogenanntes „Tourist-Shopping“ sind ein echtes Problem in vielen afrikanischen Ländern

Westliche Ehepaare, oft ziemlich gut betucht, besuchen Waisenhäuser in Ländern wie Malawi und suchen sich dann das Kind aus, dass sie gerne haben wollen.

Um den ganzen Prozess zu beschleunigen oder um die Bürokratie gar ganz zu umgehen, bezahlen sie für ein Kind. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Kind wird zur Ware für ein paar hundert Dollar.

Auch Madonna musste sich diesen Vorwurf bei ihren früheren Adoptionen anhören. „Harpers Bazar“ sagte sie dazu 2013: „ Ich hätte nie gedacht, dass ein Kind zu adoptieren mir einen neuen Shitstorm einbringt. Ich wurde des Kinderhandels beschuldigt: dass ich kidnappe, meine Popularität ausnutze und Offizielle bestechen würde – sogar der Hexerei wurde ich bezichtigt!“

Nachdem ich den gesamten Harper’s Bazar-Beitrag von ihr las, war ich noch weniger schlüssig. Ich war eher kritisch, aber – gute Promoberater hin oder her – Madonnas Herzblut steckt in ihrer Stiftungs-Arbeit.

Wenn sie Kinder aus Malawi zu sich holt, dann bestimmt nicht nur, um sich selbst zu inszenieren. Sie möchte ihnen wohl eine echte, neue Chance geben, ein besseres Leben. Trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Quelle: Noizz.de