Am Dienstag erscheinen die neuen Folgen von "The Terror". Drei gute Gründe für die Serie - und einer dagegen

„The Terror“, der Name der neuen Amazon-Prime-Serie, klingt erstmal nicht nach einem entspannten Fernsehabend. Oder, wie eine Kollegin sagte: „Dieser Name hält mich schon davon ab, die Serie zu gucken.“

Aber der Name täuscht, denn es geht nicht etwa um den 11. September oder die Anschläge des Boston-Marathon. Sondern um die Schiffe „Terror“ und „Erebus“ der britischen Royal Navy, die 1847 aufbrachen, um die Nordwestpassage zu entdecken. Die Suche nach dem Seeweg, der Atlantik und Pazifik verbindet, führt die Crew der beiden Schiffe mitten durch das Polarmeer.

Die ersten Folgen dieser Reise können seit Ende März mit Amazon Prime angeschaut werden, seit Dienstag gibt es die restlichen fünf Episoden. Lohnt es sich, die Serie noch anzufangen? Wir zeigen drei gute Gründe dafür – und einen dagegen.

Wer keine klassischen Horrorfilme schauen kann, aber auf den Kitzel eines guten Thrillers steht, ist bei „The Terror“ richtig. Klar, es wird auch mal ein Brustkorb vom Schiffsarzt aufgesägt. Aber das wirkliche Gruseln bekommt der Zuschauer dann, wenn eigentlich nichts passiert.

Das Grauen, dass sich über die Serie entfaltet, hat kein Gesicht. Es ist das Gefühl der Crew, einem übermächtigen Gegner ausgeliefert zu sein: Der Natur. Und der eigenen, düsteren Fantasie, der eigenen Paranoia. Denn durch eine Fehlentscheidung der Kapitäne frieren die „Terror“ und „Erebus“ im Packeis fest.

Sie sind zwar für mehrere Jahre mit Proviant versorgt. Doch das Gefühl, hunderte Kilometer entfernt von jeglicher Hilfe festzusitzen, an einem Ort, der bis dahin auf keiner Karte eingezeichnet ist, zerrt an den Nerven der Crew.

Die Isolation in eisiger Kälte, unerklärliche Todesfälle und die Gerüchte über eine menschenfressende Bestie tun ihr Übriges – bei der Besatzung und bei den Zuschauern. Thriller, Fantasy, Mystery, Horror, Historienserie – eine Mischung, die selten so gut gelingt wie bei „The Terror“.

"The Terror" auf Amazon Prime

Spoiler sind unserer Meinung nach in diesem Artikel okay – denn die Antwort, wie die Serie ausgeht, findet sich nicht nur in der Romanvorlage von Dan Simmons, sondern auch in Geschichtsbüchern. Denn „The Terror“ beruht auf wahren Begebenheiten.

Die so genannte Franklin-Expedition der „Terror“ und der „Erebus“ gab es wirklich. Ihr Ende ist bis heute so tragisch wie faszinierend (letzte Chance für einen Textausstieg vor Spoilern!): Alle Crewmitglieder starben an Hunger, Kälte und Erschöpfung, irgendwo mitten im Polareis. Das Wrack der HMS Terror wurde erst vor wenigen Jahren auf dem Meeresgrund von einer Suchmission gefunden.

Die Amazon-Serie entführt durch starke Bilder in eine vollkommen andere Zeit. Während es heutzutage Livestreams von der internationalen Raumstation ISS gibt, starben damals alle Besatzungsmitglieder hauptsächlich deshalb, weil niemand wusste, wo sie waren. Es ist nicht nur eine Reise in eine andere Zeit – sondern auch in eine andere Welt.

Und das Gefühl, der Crew zuzusehen, wie sie versuchen, ihre Schiffe frei zu hacken oder sich mit Dynamit einen Weg durch das Eis freizusprengen, ist so beklemmend wie herzzerreißend – es macht das Ganze vielleicht noch mehr zu einer Horrorserie, dass man weiß, wie das Ganze ausgehen wird.

Die Frage, wie sich Menschen in Krisensituationen verhalten, gehört zu den Lieblings-Charakterstudien von Filmemachern. In „The Terror“ gelingt das den prominenten Machern: Die Serie wurde von Ridley Scott (Blade Runner 2049), David W. Zucker (The Man in the High Castle) und Guymon Cassady (Game of Thrones) produziert.

In den Hauptrollen spielen Ciarán Hinds (Game of Thrones) als Captain John Franklin, Tobias Menzies (Game of Thrones, Outlander) und Jared Harris (The Crown, Mad Men). Die Charaktere bekommen Zeit, sich zu entwickeln und durch Rückblenden in ihre Vergangenheit auch die nötige Tiefe. Die Frage, ob sie eine Rettungsmission starten sollen oder auf Tauwetter warten, quält die Crew und die Kapitäne der Schiffe Tag und Nacht – und das zeigen die Darsteller auch.

Bei einigen Details hätten sich die Macher mehr reinhängen müssen. So bemängeln viele Zuschauer in den Kommentaren, dass in der Serie zwar angesprochen wird, dass minus 20 und manchmal sogar minus 50 Grad herrschen – aber die Darsteller sich etwas zu sehr verhalten, als seien sie im muckelig-warmen Studio, statt auf meterdicken Eis.

So sind die Charaktere mal in fingerlosen Handschuhen unterwegs und fassen dabei munter metallische Gegenstände an und kein Atemwölkchen ist in der angeblichen Polarluft zu sehen. So kauft man der Serie die große Kälte nicht vollkommen ab. Schade, denn gerade Kenner des Buches kritisieren, dass die Kälte in der Romanvorlage ein größerer Antagonist ist, als das mysteriöse, mordende Eisbär-Wesen – in der Serie wirkt es andersrum.

Auch andere Abweichungen vom Roman bemängeln die Fans. Wer also Wert auf Details legt und auf strenge Befolgung von Romanvorlagen steht, wird mit „The Terror“ wahrscheinlich nicht glücklich. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das in den neuen fünf Folgen noch.

  • Quelle:
  • Noizz.de