Ein Gespräch über die Schönheit der Krise mit dem Schauspieler.

Lars Eidinger wählt seine Rollen nach Lustigkeitsfaktor aus – könnte man salopp sagen. "Ich gehe danach, ob ich Lust dazu habe einen Charakter zu spielen," erklärt er. Dadurch ist das Figuren-Repertoire Eidingers gemischt wie eine bunte Wundertüte charakterlicher Grenzgänger: Mal demonstriert er richtig gutes Zeug mit Oktopus-Armen im Mund wie im Deichkind-Video, mal ist er der tragische Hamlet auf der Berliner Schaubühne oder, wie im neusten Kinofilm "All My Loving", der Mittvierziger in der Midlife-Crisis.

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"Ich hab mir gedacht, dass es Spaß machen würde, jemanden zu spielen, der sich seine Piloten-Uniform anzieht und in eine Bar setzt, um Frauen abzuschleppen obwohl er gar nicht mehr fliegen darf," führt Eidinger aus.

Stefan hört nicht mehr gut, sein Arzt rät ihm zu einer Umschulung, er darf nicht mehr als Pilot arbeiten. Er hat zwei Geschwister, mit denen Stefan oberflächlich spricht. In "All My Loving" treffen sich die drei nur für einen kurzen Moment, von dem der Film aus startet. Danach wird je eine Episode aus dem Leben von Stefan, Tobias (Hans Löw) und Julia (Nele Mueller-Stöfen) erzählt, nacheinander, nicht verwoben, bis sie sich am Ende noch einmal wiedersehen. Sie sind die ganze Zeit in Relation zueinander, wie das bei Geschwistern so ist, kämpfen tun sie allerdings alleine.

Sie alle haben einen Konflikt – keinen weltbewegenden

Der Film dreht sich eher darum, was einem halt passieren kann, wenn man in das Alter kommt, in dem die Eltern langsam Abschied von einem nehmen, wenn Verlust eine Beziehung belastet oder wenn der eigene Körper nicht mehr so will, wie man ihn bräuchte – wie bei Stefan. Das Spannende an dem Film ist gar nicht so sehr, was erzählt wird, sondern wie. Regisseur Edward Berger verfolgt mit der Kamera hauptsächlich den Protagonisten der jeweiligen Sequenz, seine Spezialität ist Timing: Manchmal hält Berger das Gesicht Eidingers so lange in aller Stille fest, dass es ein bisschen wehtut – eigentlich hätte man längst weggeschaut. In diesen Momenten spielt Eidinger nur mit seinem Gesicht und seinem Ausdruck und macht das wahnsinnig gut. Er selbst nennt das "die Kamera aushalten." 

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Das mit der Midlife-Crisis, das kennt Eidinger selber – die Themen die verhandelt werden, mit denen muss sich allerdings jeder früher oder später auseinandersetzen. Altern ist in unserer jugendbetonten Welt, in der wir alle gleichzeitig aber auch immer älter werden, kein einfaches Thema. "Im Prinzip schaut man sich doch ab seinem 30sten Lebensjahr beim Welken zu. Das hat gar nichts mit Eitelkeit zu tun – aber zeigt mir mal jemanden für den es total ok ist, wenn die Falten immer mehr werden und der Körper sich verändert." Eidinger beschreibt die 30 als Peek – bis dahin schaut man immer noch in die Zukunft, arbeitet auf etwas hin – danach zieht man irgendwann Bilanz und muss schauen, ob man eigentlich da ist, wo man immer hin wollte.

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Kein Wunder, dass die Zeit des Coming-Of-Age und die der Midlife-Crisis so gerne im Film beleuchtet werden: Einmal ins Leben kommen und einmal im Prinzip wieder aus ihm heraus geschossen werden. Es sind nun mal die Phasen, in denen emotional und körperlich viel passiert – und man manchmal einfach heillos überfordert ist. Eidinger findet das total spannend: "Eine Krise bietet ja auch die Chance auf eine neue Form der Bewusstmachung." Wenn mal alles schief läuft, muss man zumindest aktiv werden, damit eine Krise überwunden wird.

Eidinger wirkt nie, als bräuchte er mehr Bewusstsein sich selbst gegenüber. Alleine schon beim Schauspielern und bei all seinen Projekten ist er vollkommen anwesend und nimmt seinen Raum ein. Sollte das allerdings mal nicht der Fall sein, hat er dafür ein Geheimrezept – zumindest bei seinem DJ-Projekt "Autistic Disco": "Ich spiele ‘In My Mind‘ von Gigi D'Agostino – da katapultiere ich mich in die absolute Euphorie. Das ist für mich derzeit die perfekte Interpretation eines zeitgenössischen Popsongs!“

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"All My Loving" erscheint am 23. Mai im Kino.

  • Quelle:
  • Noizz.de