Wir haben sie gefragt, warum.

Kylie Jenner ist so Einiges. Die jüngste Schwester von Selfie-Königin Kim Kardashian, Reality-TV-Show-Star, Social-Media-Gigant mit einer Followerschaft von 120 Millionen Instagram-Fans, Kosmetikunternehmerin, zukünftig jüngste Self-Made-Milliardärin der Geschichte, Freundin von Rapper Travis Scott und Mutter einer neun Monate alten Tochter.

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Aber Vorbild für Poesie? Für Gedichte? Nein, das dürfte vielen nicht in die Tüte kommen. Was wohl mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung als absoluten Trash, die Spitze der Konsumverherrlichung und Oberflächlichkeit in Reinform bezeichnen würden, ist für eine Kunststudentin aus Großbritannien Vorlage für Prosagedichte.

Grace studiert Poesie an der Manchester Writing School und macht aus den Instagram-Selfies von Kylie Jenner genau das: poetische Texte. Ihre lyrische Kunst postet sie fortlaufend auf ihrem Instagram-Account „Portraits from Kylie“. Die Form: besonders minimalistisch. Jedes Gedicht ist in Blocksatz in schwarzer Schrift auf weißem Grund abgebildet. Das beschriebene Selfie zeigt Grace nicht, das Ratespiel überlässt sie ihren Followern – dafür stehen unter jedem Text die Likes, die das Foto erreicht hat.

Hinter „Portraits from Kylie“ steckt mehr als nur eine Obsession mit dem US-Star oder das Interesse an Pop-Kultur. Wir haben uns die Absicht hinter Gedichten erklären lassen:

NOIZZ.de: Wie bist du darauf gekommen, aus Kylie Jenners Selfies lyrische Kunst zu machen?

Grace: In meinen Arbeiten schaue mir gerne die Beziehung zwischen Wörtern und bildender Kunst an und obwohl diese Verbindung schon seit Ewigkeiten betrachtet und untersucht wird, denke ich, dass es in dieser Generation besonders interessant ist. Es gibt einen Artikel von John Naughton, der die Zunahme von visueller gegenüber geschriebener sowie verbaler Kommunikation durch Apps wie Snapchat untersucht. Und ich denke, es stimmt, dass Social Media den visuellen Diskurs gestärkt hat.

Also startete ich „Portraits From Kylie“ als Experiment zu dieser Theorie: Was passiert, wenn man den Diskurs umkehrt und etwas rein Visuelles zu einem Text macht? Was wird damit gesagt? Was kommt ans Licht, was sich sonst hinter visuellen Ablenkungen verbirgt?

Was reizt dich an dem Projekt?

Ich versuche, im Alltag so authentisch wie möglich zu sein. Ich schreibe Gedichte übers Fernsehen, soziale Medien, Werbung, Essen, Beziehungen, meine Mutter und alles, was in meiner unmittelbaren Umfeld ist. Ich versuche, die Dinge so nachempfindbar wie möglich zu machen, aber ich bin auch daran interessiert, aufzudröseln, was wirklich in unserem Alltag vor sich geht.

Wie gehst du an deine Gedichte heran? Wie entstehen sie?

Normalerweise denke ich eine Weile über eine Idee nach, bevor ich sie aufs Papier bringe. Wenn es darum geht zu schreiben, versuche ich mich an meinen Instinkt zu halten und schreibe ziemlich schnell. Was die Jenner-Gedichte angeht, suche ich mir Bilder auf ihrem Instagram aus, die mich ästhetisch ansprechen. Dann lese ich ab, was ich sehe und wenn ich mag, wie es sich anhört, schreibe ich es auf.

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Warum zeigst du die Bilder nicht?

Ich habe das Gefühl, wenn ich die Bilder einbeziehen würde, dass die Wörter dann an das Bild gebunden werden – und dann letztendlich im Visuellen verloren gehen. Ziel ist es zu sehen, ob aus dem Bild etwas Neues entstehen kann, indem es nur als Text dargestellt wird. Ich will, dass Leute über die Spannung zwischen Bild und Wort reden.

Warum Kylie?

Jenners plötzliche Popularität interessiert mich. Sie war mal eine der am wenigsten bekannten Schwestern und plötzlich wurde sie zur Höchstverdienerin und über die am meisten geredet wird. Die Gründe für ihren plötzlichen Ruhm sind ein tiefer Einblick in das, was die Millionen, die ihr folgen an Berühmtheit und in sich selbst schätzen.

Ich interessiere mich im Allgemeinen für Popkultur und wenn man über Instagram oder die sozialen Medien schreibt, kann man die Kardashians beziehungsweise die Jenners nicht ignoriert.

Würdest du dich selbst als Fan oder eher als von der Popkultur faszinierter Künstler bezeichnen?

Ein Freund erzählte mir von den Kardashians. Ich war sofort fasziniert davon, was ihre Popularität über unsere Gesellschaft aussagt. Was als eine Art „theoretisches“ Interesse begann, wurde schnell zu einer allgemeinen Obsession, wie es die meisten Menschen mit den Kardashians erfahren. Sie sind unterhaltsam. Und hinzu kommt, dass die Familie eine unglaublich bizarre Hintergrundgeschichte hat.

Quelle: Noizz.de