Ein zu Unrecht zum Tode Verurteilter und ein ambitionierter Anwalt, der sich führ ihn einsetzt. Das hat man so schon häufig gesehen – sehenswert ist das Drama "Just Mercy" aus anderen Gründen. Die Star-besetze Verfilmung zeigt den strukturellen Rassismus der US-amerikanischen Justiz.

Im Jahr 2001 veröffentlichte das Justizministerium in den USA eine bedrückende Statistik: Einer von drei schwarzen Männern landet demnach im Lauf seines Lebens irgendwann einmal im Gefängnis. 150 Jahre liegt die Abschaffung der Sklaverei zurück, aber der Umgang mit Afro-Amerikanern und Rassismus in Polizei und Justiz bleiben ein wichtiges Bürgerrechtsthema. Obwohl seit 2001 die Inhaftierungsraten gesunken sind, ändert sich insgesamt wenig an der strukturellen härteren Verfolgung von Schwarzen. Ein heimlicher Held, der seit Jahrzehnten beeindruckend für mehr Gerechtigkeit kämpft, ist der Jurist Bryan Stevenson.

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Anwalt Stevenson musste überredet werden, seine Geschichte aufzuschreiben

Seine Erinnerungen "Just Mercy" (deutscher Titel "Ohne Gnade") stehen seit über fünf Jahren ohne Unterbrechung auf der US-Bestsellerliste, inzwischen wird eine einfacher formulierte Version des Buches sogar an Schulen gelehrt. Dass Stevenson ursprünglich erst überredet werden musste, dieses Buch zu schreiben, zeugt von seinem Charakter. "Ich war nicht überzeugt, dass es eine gute Verwendung für meine Zeit wäre", sagte er laut "New York Times" einmal. Er ließ sich aber umstimmen – für Leser und nun auch für Kinozuschauer ist das ein großes Glück. Jetzt startet "Just Mercy", ein Drama über die Anfänge seiner Karriere, in deutschen Kinos.

Von links nach rechts: Bryan Stevenson, Michael B. Jordan, Lord Michael Hastings of Scarisbrick, Jamie Foxx und Dayo Okewale bei einem Event für den Film im House of Lords in London

Die packende Geschichte von "Just Mercy"

Zu sehen ist Stevenson (Michael B. Jordan), wie er Ende der 80er Jahre sein Jura-Studium an der Elite-Universität Harvard beendet hat. Ihm stünden alle Türen offen, doch er entscheidet sich nach Alabama zu ziehen, um dort an Fällen mit Todesstrafe zu arbeiten. Er will erreichen, dass zu Unrecht Verurteilte nicht auf dem hier nur lapidar "Gelbe Mama" genannten Elektrischen Stuhl landen.

Sein erster großer Fall wird Walter McMillian (Jamie Foxx), ein schwarzer Holzhändler, dem trotz ausreichender Beweise für seine Unschuld der Tod droht. Er soll ein weißes, 18-jähriges Mädchen umgebracht haben, aber der einzige Zeuge ist ein Krimineller mit vielen Gründen zu lügen. Stevenson und Anwältin Eva Ansley (Brie Larson) beginnen trotz einer übermächtigen Justiz einen jahrelangen Kampf gegen das Todesurteil.

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Die Schauspielleistung im Film überzeugt

Klingt, als ob man das schon einige Male gesehen hat und subtil ist er wirklich nicht, dieser Film. Da gibt es die üblichen Szenen eines David-gegen-Goliath-Justizdramas, Wühlen in alten Dokumenten und ein beeindruckendes Plädoyer im Gerichtssaal inklusive. Das große Glück des Dramas ist es aber, dass die drei Hauptdarsteller mit ihren sehr zurückhaltenden Leistungen der überdeutlichen Moral von Regie, Drehbuch und Kamera etwas entgegensetzen.

Michael B. Jordan erinnert nach seinen sehr physischen Rollen in "Black Panther" und "Creed" daran, dass er ursprünglich mit Indie-Filmen wie "Fruitvale Station" und der feinen Football-Serie "Friday Night Lights" berühmt wurde. Auch Jamie Foxx zeigt hier nichts von seiner manchmal etwas dominanten Überdrehtheit.

Schaut euch hier den deutschen Trailer an:

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Möglicherweise erreicht die überdeutliche Moral dieses Films trotzdem vor allem Zuschauer, die ohnehin von den strukturellen Ungerechtigkeiten der US-amerikanischen Justiz überzeugt sind. Die reale Geschichte von Bryan Stevenson ist aber beeindruckend genug, dass die Zuschauer innehalten dürften und mehr über ihn und ein zutiefst verdorbenes System erfahren wollen.

[Text: Zusammen mit Christian Fahrenbach, dpa]

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  • Quelle:
  • Noizz.de