Ein Interview über Berufswechsel, Theater und die Küche seiner Kindheit.

In der Agentur von Jimi Blue Ochsenknechts Manager muss jeder die Schuhe ausziehen. Das Büro befindet sich im Wohnbereich eines Apartments in Berlin. Jimi Blue sitzt in einem schwarzen Sweater am Esstisch, vor ihm steht eine Tasse Erkältungstee. Eine flauschige, graue Katze hat auf dem Stuhl gegenüber Platz genommen.

„Ich habe extra noch vegane Donuts gekauft“, sagt Jimi Blue mit heiserer Stimme. Er selbst sei kein Veganer, erklärt er auf Nachfrage. „Aber das Kochbuch enthält auch vegetarische Alternativen für die Rezepte“, sagt sein Manager Binh Nguyen.

Überhaupt enthält „Kochen ist easy“ so viele verschiedene Gerichte, dass für viele Geschmäcker etwas dabei ist. Die professionellen Abbildungen machen Lust, die Rezepte nachzukochen. Das Buch ist also nicht nur für Fans geeignet. Aufgrund der vielen Fotos von Jimi Blue und der persönlichen Begleittexte dürften aber auch sie auf ihre Kosten kommen.

Zwar überrascht es, dass der 26-Jährige, der von Filmschauspiel und neuerdings Theater, über Musik, Modedesign und Modeln schon einiges ausprobiert hat, nun ein Kochbuch veröffentlicht. Dass er tatsächlich kochen kann, hat Jimi Blue aber schon 2015 gezeigt. In der Sendung „Grill den Henssler“ erhielt er mehr Jurypunkte als der Fernsehkoch.

Im Interview mit NOIZZ erklärt er, was es mit „Kochen ist easy“ auf sich hat, warum er so häufig die Branche wechselt und dass er auch nicht vor hat, damit aufzuhören.

NOIZZ: Was bedeutet kochen für dich und wer hat es dir beigebracht?

Jimi Blue Ochsenknecht: In meiner Kindheit war das ein wichtiges Thema, meine Eltern haben immer frisch gekocht. Da war festgesetzt: Um 19 Uhr gibt es Abendessen. Oft haben wir auch zusammen gekocht,  manchmal nur ich für die Familie. Und habe ein immer stärkeres Interesse entwickelt. Dann bin ich ausgezogen, ich glaube mit 17 ungefähr, musste immer für mich selbst kochen. Habe aber ab und zu auch Freunde eingeladen und auch weiterhin für die Familie gekocht, zum Beispiel mal die Weihnachtsgans.

Wie kamst du auf die Idee, ein Kochbuch zu schreiben?

Jimi Blue: Meine Mutter hat mir ab und zu Kochbücher geschenkt. Einmal stand da drauf „Für meinen angehenden Sterne-Koch“. Das war 2011. Irgendwann sagte sie: „Warum machst du nicht einfach mal ein Kochbuch für junge Leute?“ Ohne diese fachlichen Kenntnisse und Begriffe, das wollen ja die jungen Leute nicht hören. Und die Idee fand ich ganz cool, habe dann aber auch nicht mehr wirklich darüber nachgedacht. Vor zwei oder drei Jahren haben Binh und ich uns dann hingesetzt und drüber gequatscht. Und durch Zufall habe ich vergangenes Jahr einen Verlag aus München kennengelernt, der an der Idee interessiert war.

Was war dein Lieblingsgericht als Kind?

Jimi Blue: Schnitzel mit Hollandaise, Spargel und Kartoffeln. Das Rezept steht auch im Buch. Es sind viele Familienrezepte drin, es sind Rezepte drin aus meinen Lieblingsrestaurants, die ich gerne gegessen habe. Manche Gerichte habe ich selbst entwickelt. Von Chicken Wings bis Fisch in Salzkruste ist eigentlich alles drin.

Was hättest du damals, so vor 20 Jahren, auf die Frage geantwortet, was du mal werden möchtest?

Jimi Blue: Vor 20 Jahren. Da war ich sechs.

Ja, bevor das mit den „Wilden Kerlen“ anfing …

Jimi Blue: Da wollte ich Polizist werden. Polizist fand ich immer ganz cool. Aber wir waren auch von Anfang an bei unserem Dad mit am Set, wenn er mal im Ausland gedreht hat, in Südafrika oder Amerika, das fanden wir damals schon interessant. Wir durften als Komparsen ab und zu durchs Bild laufen, wurden aber meist rausgeschnitten, weil wir lachen mussten. Aber Schauspiel war bei uns schon immer irgendwie drin. Fanden wir immer super.

Inzwischen machst du viele Dinge in verschiedenen Branchen, wie erklärst du diese häufigen Richtungswechsel?

Jimi Blue: Keine Ahnung. Ich versuche mich immer ein bisschen neu zu erfinden und meine Hobbys zum Beruf zu machen. Das ist eben das Schönste, was man machen kann. So macht das Hobby umso mehr Spaß, wenn man damit auch ein bisschen Geld verdient oder es als Job bezeichnen kann. Es gibt natürlich auch Sachen, die vielleicht mal nicht geklappt haben, aber ich versuche, es einfach auszuprobieren. Wenn's klappt, freue ich mich natürlich sehr. Und wenn nicht, dann mach ich’s halt nur als Hobby.

Hast du Hemmungen, so häufig die Branche zu wechseln?

Jimi Blue: Nee, ich versuche, keine Angst davor zu haben, sondern einfach mein Ding durchzuziehen. Als ich verschiedenen Leuten und Redakteuren erzählt habe, dass ich ein Kochbuch mache, haben viele gesagt: „Du machst doch schon so viel, was willst du denn noch alles machen?“ und „Kannst du überhaupt kochen?“ und „Du und ein Kochbuch, das passt ja gar nicht“. Aber dann denke ich mir so: Ja, aber ich mache das halt gerne und möchte es einfach mal ausprobieren. Es macht halt einfach auch Spaß, sich neu zu erfinden und neue Sachen zu machen. Klar, ist es ganz natürlich, auch ein bisschen Angst zu haben. Aber ich finde, man muss es einfach versuchen.

Welche Rolle spielt das Thema Scheitern? Die Website von Racks & Rookies zum Beispiel ist gerade offline.

Jimi Blue: Racks & Rookies pausiert jetzt grade, weil mein Kumpel, mit dem ich das mache, und ich gerade einfach keine Zeit haben. Kann sein, dass wir das nächstes Jahr auch wieder online stellen, wieder aktiv werden, 'ne neue Kollektion machen. Aber das war auch nie so unser Hauptthema, über das wir gesagt haben, wir wollen jetzt alles andere vergessen und Racks & Rockies ganz groß machen. Sondern wollten einfach auch mal in der Mode tätig sein. Und das werden wir auch weiterhin machen. Aber jetzt grade…

Und was ist deine Hauptsache?

Jimi Blue: Die Schauspielerei auf jeden Fall. Ich habe ja dieses Jahr beim Theater mitgespielt. Jetzt ist gerade das Buch aktiv. Das variiert halt immer. Dann wollte ich eigentlich auch Musik machen dieses Jahr. Aber dann kamen „Let’s Dance“ und die Festspiele dazwischen. Eventuell kommt dann nächstes Jahr wieder Musik. Aber da gibt es noch ein, zwei andere Projekte, deshalb kann es sein, dass das mit der Musik doch noch ein bisschen dauert…

Sind diese Projekte nochmal etwas ganz Neues oder geht es um Bereiche, in denen du schon tätig warst?

Jimi Blue: Nochmal ein bisschen was Neues. (lacht)

Kannst du uns schon etwas darüber verraten?

Jimi Blue: Leider noch nicht …

Suchst du grade noch nach einer Branche, in der du dann bleibst, oder möchtest du das gerne beibehalten, wie es im Moment ist?

Jimi Blue: Schauspiel möchte ich immer beibehalten. Musik auch. Aber Kochen ist halt auch einfach ein Bestandteil meines Lebens, schon immer gewesen. Dass das jetzt zum Beruf wurde, war zwar schon irgendwie ein Wunsch, aber irgendwie auch Zufall. Und da bin ich auch sehr glücklich drüber. Vielleicht kommen ja auch noch andere Sachen dazu, die ich auch ausprobieren will. Zum Beispiel die eine Sache, über die ich noch nicht so richtig reden kann. Aber es hat ein bisschen was mit dem Kochbuch zu tun beziehungsweise mit dem Thema Lebensmittel.

Wie erklärst du dir, dass in der jüngeren Generation so viele Menschen merken, dass ihr Traumberuf sie doch nicht so richtig erfüllt und dann wechseln, ein Start-up gründen, mit Mitte 30 doch nochmal studieren?

Jimi Blue: Ich glaube, manche haben einfach andere Vorstellungen von dem Beruf, den sie zuerst machen wollten. Und wenn sie dann im Berufsleben sind, merken sie erst, wie es wirklich ist. Das ist bei mir ja nicht anders. Ich versuche natürlich auch verschiedene Sachen und bei ein paar Dingen denke ich mir dann: Okay, ist jetzt vielleicht doch nicht so ganz was für mich.

Was zum Beispiel?

Jimi Blue: Gute Frage. Das ist schon ein bisschen länger her. Also das grade, was ich mache, damit bin ich sehr zufrieden und das möchte ich auch weiterhin machen. Jeder Mensch entwickelt sich ja weiter. Und ich finde, jeder sollte, wenn es geht, das machen, was ihn glücklich macht. Unglücklich sein im Beruf ist ja mit das Schlimmste.

Aber gibt es denn ein konkretes Projekt, mit dem du unglücklich warst, das du bereust?

Jimi Blue: Nee, ist ja auch im Endeffekt nicht so schlimm, aus so etwas lernt man ja. Wenn man sagt: „Okay, das ist jetzt doch nicht ganz so meins, aber ich bin froh, dass ich das halt gemacht hab, wenigstens weiß ich es jetzt.“ Manchmal ist es ja auch so, dass man sagt: „‚Okay, ich arbeite jetzt bei der Produktion“ und dann merkt man: „Das ist doch nichts für mich, ich möchte doch lieber in die Schauspielerei“. Damit muss man ja erst vorher in Berührung gekommen sein.

Wie helfen dir frühere Tätigkeiten bei neuen Projekten?

Jimi Blue: Ich versuche, sehr viel in die eigene Hand zu nehmen, meine eigenen Ideen umzusetzen. Lieber keine anderen Leute über mir zu haben, sondern meine Entscheidungen selbst zu treffen. Das mit der Musik, da habe ich jetzt angefangen die Sachen selbst mitzuproduzieren und mitzuschreiben. Früher ging das zwar thematisch auch in die Richtung, die ich machen und haben wollte. Aber heute entscheide ich viel mehr selbst. Und das hat sich dann auch erst entwickelt. Man wird natürlich reifer, erwachsen und will sein eigener Chef sein. Aber eigentlich ist ja Binh mein Chef, oder, Binh? (lacht; Binh ist Jimi Blues Manager; Anm. d. Red.)

Wie war es, am Theater zu spielen, nachdem du vorher immer nur im Bereich Film gearbeitet hast?

BJimi Blue: eim Theater fand ich sehr cool, dass man die Resonanz der Zuschauer live mitbekommen hat. Die haben zum Glück nach jeder Vorstellung applaudiert und waren sehr glücklich darüber. Und das ist einfach ein schönes Gefühl. Wenn man einen Film dreht, dann liest man vielleicht die Resonanzen, oder Leute auf der Straße sprechen einen an, wenn es ein guter Film war. Aber live applaudiert zu bekommen, das war schon cool, das war wie auf einem Konzert. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

Es war aber schon ein bisschen anders als beim Film. Man muss da alles ein bisschen größer spielen, lauter sprechen und da hatte ich Hemmungen, weil ich bei der Schauspielerei alles ein bisschen kleiner, minimalistischer mache. Ich musste also ein bisschen mehr aus mir heraus kommen. Aber ich hatte super Kollegen, die mir das ein bisschen gezeigt haben, mit denen ich mich offen und ehrlich austauschen konnte.

Würdest du nochmal ans Theater gehen oder bleibst du nun lieber wieder beim Film?

Jimi Blue: Es war 'ne super Erfahrung. Ich weiß nicht, ich glaube, eine Festeinstellung beim Theater wäre aber nichts für mich, das wäre mir glaube ich ein bisschen zu langweilig, länger dasselbe zu spielen. Jetzt 16 Tage dasselbe zu spielen war eine gute Erfahrung, das hat mir Spaß gemacht. Aber ich möchte gern halt immer wieder was Neues machen, ehrlich gesagt. Ich habe dann immer schnell Langeweile. Deswegen mache ich ja auch so viele Sachen gleichzeitig, weil ich dann ein bisschen Abwechslung habe, zwischen den anderen Berufen. Und das erfüllt mich einfach. Dieses Gebundene, das ist nicht so meins. Ich will lieber ein bisschen freier sein.

Quelle: Noizz.de