True Crime in all seiner Tiefe! Dieser YouTube-Kanal zeigt, wie strategisch US-Polizist*innen in Vernehmungen vorgehen – und welche psychologischen Tricks und Methoden sie anwenden, um dem*der Verdächtigen ein Geständnis zu entlocken. Außerdem hoch spannend: Bei "JCS – Criminal Psychology" wird beleuchtet, welche Verhaltensmuster sofort entlarven, ob jemand lügt oder nicht.

Aus Sicht eines Rechtsanwalts ist die Lage glasklar: Wenn dich die Polizei vernimmt, hältst du verdammt noch mal die Klappe. Außer der Vorfall spielt sich im Bußgeldbereich ab. Da ist der mögliche Schaden für dich als Person relativ gering. Geht es aber um eine Straftat, sieht das Ganze definitiv anders aus. Rechtsanwalt Alexander Bredereck rät auf seinem YouTube-Kanal, bis auf Namen und Anschrift nichts weiter preiszugeben. Deine Devise in so einer Situation: Halt den Rand und warte auf deinen Anwalt. Schließlich gilt im Rechtssystem: "Nur" weil du scheiße gebaut hast, bedeutet das noch lange nicht, dass du dafür – im schlimmsten Fall – hinter Gitter musst.

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Katz- und Mausspiel der Anklage und Verteidigung

Ein Strafprozess ist ein Katz- und Mausspiel zwischen Anklage und Verteidigung, das durch Beweise, Gesetzgebung, Zeugen, deine Aussage und Timing sehr unterschiedlich ausfallen kann. Auf besonders komplexe Weise illustrierte das der Jahrhundert-Prozess um Sportlegende OJ Simpson, der trotz belastender Beweise im Jahr 1995 zur Überraschung vieler freigesprochen wurde.

Der ehemalige amerikanische Football-Star O.J. Simpson

Bredereck erklärt auch, warum trotzdem so viele Menschen in einer polizeilichen Vernehmung plaudern, obwohl den meisten klar sein dürfte, dass man mit der Polizei besser nicht über eine Straftat reden sollte. Er sagt: "Von Kindheit an werden wir in ein System von 'Schuld und nicht Schuld haben wollen' eingebunden." Wir würden unser ganzes Leben lang begehren, nicht schuld zu sein. Von der Familie bis hin in die Politik, niemand möchte den Finger auf sich gezeigt bekommen. Weil dieses Verlangen so tief in uns verankert ist, wollen wir immer so schnell wie möglich signalisieren, dass wir nicht schuldig sind. "Wenn kein anderer da ist, als die Polizei, wollen wir denen das sagen – dass wir nicht schuld sind", so Bredereck. Außerdem komme eine weitere Befürchtung hinzu: "Wenn ich jetzt nichts sage, wirke ich schuldig."

So viele Informationen sammeln wie möglich, bevor der*die Anwält*in kommt

So sieht's also aus: Stehen wir unter Verdacht, etwas Schlimmes getan zu haben, dann brodelt in uns der Wunsch, schnellstmöglich das Gegenteil zu beweisen. Besonders viel Druck entsteht, wenn die vernommene Person tatsächlich schuldig ist. Hat die Polizei bereits einen kritischen Verdacht oder sogar Beweise, wird in eben diese Wunde fein säuberlich Salz gestreut, damit asap ein Geständnis auf dem Tisch liegt. Das Ziel der Beamt*innen: So viele Informationen wie möglich aus dem*der Verdächtigen herausholen – bevor er*sie auf die Idee kommt, sich einen Rechtsbeistand an die Seite zu holen.

Chris Watts bei seiner Urteilsverkündung. Er muss sein Leben lang ins Gefängnis – weil er seine schwangere Frau und die beiden gemeinsamen Töchter umbrachte

Vernehmungstechniken, um den psychischen Druck zu erhöhen

Es gibt etliche Vernehmungstechniken – die sich von Land zu Land unterscheiden und vor psychologischen Tricks triefen – um den*die Verdächtige*n zu knacken, ihm*ihr ein Geständnis über die Lippen zu bringen. Welche Methoden die US-amerikanische Polizei nutzt, um Straftäter*innen dingfest zu machen, zeigt der YouTube-Kanal "JCS – Criminal Psychology" in aller Ausführlichkeit. Es werden etliche Fälle – darunter einige der Bekanntesten der Landesgeschichte – unter die Lupe genommen. Von Casey Anthony, die als "Americas most hated mom" ("Amerikas meist gehasste Mutter") in die Kriminalgeschichte einging, bis hin zu Chris Watts. Der Familienvater tötete seine Ehefrau und Kinder – und wurde in stundenlangen Befragungen durch geschickte Methodik der Polizei von einer "strafrechtlich relativ entspannten Ausgangslage" zu einem Teilgeständnis gebracht.

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Bei "JCS – Criminal Psychology" geht es aber auch um das Verhalten der Verdächtigen selbst. Es werden detaillierte Analysen dazu gefahren, welche Reaktionen, Gesten und Mimik dafür sprechen, dass die Person schuldig ist.

Was ist die Futility Technique und warum ist sie so effetkiv?

Der Ansatz der sogenannten Futility Technique ist es zum Beispiel, die Quelle glauben zu lassen, es sei sinnlos, Widerstand zu leisten. Im Prinzip wird der*die Betroffene in diesem Szenario überredet, mit dem*der Vernehmer*in zusammenzuarbeiten. Die Methode bietet sich vor allem dann an, wenn der*die Beamte auf Zweifeln aufbauen kann, die bei dem*der Verdächtigen vorliegen. Im Falle von Stephen McDaniel, der 2011 seine Nachbarin kaltblütig ermordete, erklärte der vernehmende Polizist nach circa 20 Minuten Gespräch, dass er "die Wahrheit ohnehin zu bereits kenne". Demnach ergeben weitere Lügen keinen Sinn. Ein wohl ziemlich effektiver Ansatz in einer Situation, in der so akuter Stress herrscht.

Die Futility Technique im Fall McDaniel kannst du dir hier ab Minute 25 ansehen:

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lsk

  • Quelle:
  • NOIZZ-Redaktion