Interview mit "Star Wars"-Star Alden Ehrenreich: "Ich hoffe, dass die Leute den Film lieben"

Manuel Lorenz

Redaktionsleiter NOIZZ.de
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Der Schauspieler tritt in gigantische Fußstapfen.

"Keine Zeit für Fotos!", sagt die Anstandsdame, obwohl ich beinahe schon abgedrückt habe. Schade, das Interview lief doch so gut! Alden Ehrenreich, der neue Han Solo, machte auf Kumpel, lümmelte sich im Sessel, versuchte die Anspannung abzubauen, die ob des Erbes, das er sich anschickte, anzutreten, entstanden war.

"Keine Zeit für Fotos!" ist natürlich eine Chiffre für "Alden sieht heute nicht vorzeigbar aus, und wir wollen nicht, dass dein liederliches Selfie mit ihm sein öffentliches Bild befleckt". Schade, dabei hat mich Alden zur Begrüßung lange angeschaut - länger als all die anderen Interviewer, als würden wir uns von irgendwoher kennen.

"Hi, Alden, nice to meet you!" – "Hi, Manuel, likewise." Langer Blick. Ist das Hollywood, oder bin das ich?

Er trägt eine runde Brille, wie man sie im Augenblick trägt, und einen kuscheligen Pulli, als sei er gerade dem Hotelzimmer entstiegen. Er ist - wie viele berühmte Schauspieler - im echten Leben überraschend klein.

Die besten Freunde in der gesamten Galaxie: Han und Chewie Foto: ©Disney / Promo

NOIZZ: Alden, seit Donnerstag ist das neue Star-Wars-Spin-off "Solo: A Star Wars Story" in den Kinos. Darin spielst du den Weltraumschmuggler Han Solo - eine Rolle, die bisher Harrison Ford bekleidet hat. Nun gelten Star-Wars-Fans als sehr harte Jury. Wie groß ist deine Angst vor ihrem Urteil?

Alden Ehrenreich: Nun ... Star-Wars-Erfinder George Lucas hat in einer Rede am American Film Institute in Los Angeles etwas Großartiges gesagt: "Was ich sehr früh über Filmbesprechungen gelernt habe: Wenn du sie nicht liest, existieren sie gar nicht!" Ich versuche also, sie zu meiden, und hoffe, dass die Leute den Film lieben.

Du verbringst deine Nächte also nicht damit, Rezensionen auf Star-Wars-Fan-Portalen zu lesen?

Alden: Nein. Ich glaube, das wäre sehr gefährlich. Ich glaube aber auch nicht, dass das Internet die Wirklichkeit adäquat widerspiegelt. Die Meinungen, die dort herumschwirren, decken sich nicht unbedingt mit der allgemeinen Befindlichkeit. Oft findet man dort einfach nur Leute, die mitteilungsbedürftiger sind als andere oder nach Aufmerksamkeit lechzen.

Mal abgesehen vom Internet: Wer sind deine schärfsten Kritiker?

Alden: Oh, äh, keine Ahnung!

Bist du eingefleischten Star-Wars-Fans denn schon mal in echt begegnet?

Alden: Ja, auf der "Star Wars Celebration" vor zwei Jahren - dem größten Fan-Treffen der Welt! Dort habe ich erfahren, wie tief ihre Liebe für diese Filme ist. Es geht ihnen um mehr als um bloßen Zeitvertreib. Und Teil dessen zu sein, dazu etwas beitragen zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Überhaupt: Teil eines solch großen Films zu sein, eines Films, der gewissermaßen DER Film überhaupt ist. Ich fühle mich sehr geehrt.

[Mehr dazu: Interview mit Mark Hamill: "Mein Haus steckt nicht voller 'Star Wars'-Kram"]

Wann bist du selber Star-Wars-Fan geworden? Schon als Kind oder erst als Erwachsener?

Alden: Ich habe die Filme als kleines Kind gesehen - ich muss fünf Jahre alt gewesen sein - und hatte alle Spielzeuge und all den Kram. Ich hatte ein Lichtschwert und spielte die Filmcharaktere nach und erinnere immer noch, was ich fühlte, als Han am Ende von "Krieg der Sterne" zurückkehrt und Luke bei der Schlacht von Yavin rettet: Wuh-wuuuh!

Was war deine Lieblingsfigur?

Alden: Als Kind war das definitiv Han Solo. Aber Luke Skywalker gefiel mir auch - immerhin hatte ich sein Lichtschwert. Und heute mag ich auch noch Yoda.

Ein Kindheitstraum wird wahr.

Alden: Ja, klar.

Wie schwer ist es, auf einem Star-Wars-Filmset zu sein und das Kind in dir drinnen zu lassen?

Alden: Sehr! Weil du dir die ganze Zeit denkst: Oh, mein Gott, das ist so unglaublich! Aber da dich dauernd irgendjemand versucht, umzubringen, ist das Ganze ein Balanceakt. Abgesehen davon ist es das Größte. Jeden Tag auf einem neuen riesigen Set mit vielen Aliens, zig Fabelwesen und Spezialeffekten. Jeden Tag so was wie die ultimative Disney-Land-Erfahrung.

Hast du Requisiten mitgehen lassen?

Alden: J… Nein.

Warst du jemals versucht, vom Set zu instagrammen?

Alden: Ich hab gar keinen Instagram-Account …

Du hast sehr viel Zeit mit Chewbacca verbracht - im Film seid ihr beste Freunde. Wie stehst du allgemein zu Fell? Magst du Hunde?

Alden: Ich liebe Hunde! Aber Chewie ist wie … na ja … er ist ein Wookiee. Das ist etwas Unvergleichliches. Was mich bei Joonas Suotamo, der Chewbacca spielt, sehr beeindruckt hat, ist, wie viel er unter der Maske macht, wie ausdrucksstark er mit so wenigen Mitteln ist. Ich hatte immer das Gefühl, einem Schauspieler gegenüberzustehen.

Wir haben eine ganz besondere Beziehung zueinander entwickelt. Wenn du eine Szene mit einem Wookiee spielst, glaubst du, wirklich in einem Star-Wars-Film zu sein!

Apropos Freundschaft: Auf einem Plakat zum Film steht, dass es darin um "die größte Freundschaft in der ganzen Galaxie" ginge. Wie schwer ist es für dich als Filmstar, enge Freundschaften zu pflegen?

Alden: Gar nicht. Erstens bin ich erst vor Kurzem ein kleines bisschen berühmter geworden - aber ich kann immer noch problemlos auf die Straße gehen. Zweitens wohne ich immer noch in meiner Heimatstadt. Viele meiner engsten Freundschaften datieren auf Jahre zurück. Ein Großteil meiner Clique besteht also aus Leuten, die ich schon seit Ewigkeiten kenne. Und das gilt eigentlich für all meine Freunde.

Außerdem entwickelst du einen Radar dafür, ob Leute sich wirklich für dich interessieren. Du fühlst es. Ich hoffe - ich denke -, ich fühl’s.

Wie bereitest du dich auf den Ruhm vor, der jetzt, mit dem Film, bestimmt kommen wird?

Alden: Ich mache jeden Tag vor dem Spiegel diese Übung: Ich setze die Sonnenbrille auf, nehme sie ab und mache … äh … hahaha … Ich weiß nicht. Da gibt es keinen Goldenen Weg. Das übersteigt unsere Vorstellungskraft.

Ich glaube, ich habe keine Ahnung, wie sich das anfühlt, bis es dann eintritt. Und ich hab mit Leuten Zeit verbracht, die nicht mehr vors Restaurant treten können. Harrison Ford hat mir davon erzählt und den Verlust seiner Anonymität lautstark beklagt. Aber selbst Daisy Ridley, mit der ich befreundet bin, bewegt sich noch in der Öffentlichkeit und scheint damit kein allzu großes Problem zu haben.

Woody Allen, Francis Ford Coppola, die Coen-Brüder und jetzt Ron Howard. Wenn man sich deine Filme anschaut, hat man das Gefühl, du sammelst große Regisseure. Zufall?

Alden: Keineswegs! Das ist für mich das wichtigste Kriterium. Zuerst bin ich immer erst mal nur begeistert: Oh, mein Gott! Die Coen-Brüder! Dann, am Ende - und das ist für mich eigentlich das Befriedigendste -, verbringst du drei Monate Seite an Seite mit ihnen und erschaffst etwas Neues und verstehst, warum die beiden sind, wer sie sind, wie sie bestimmte Dinge anpacken und dass Lernen, dass Bildung eine der großen Freuden meiner Arbeit ist.

Bei einem so großen Film wie "Solo: A Star Wars Story" mit einem so großen Regisseur wie Ron Howard: Verspürst du bei all dem Großen keinen Druck?

Alden: Doch, klar, von Anfang an. Den größten verspürst du im Augenblick der Entscheidung. Bei etwas so Großem sagst du Ja zum gesamten Paket, zum gesamten Deal, zur gesamten Herausforderung. Es geht nicht nur darum, ein paar Monate lang einen Film zu drehen - und das war’s. Du unterschreibst für eine viel umfangreichere Erfahrung.

Deshalb hab ich mir beim Vorsprechen auch so viel Zeit gelassen: Ich wollte sichergehen, dass ich das Ganze mache, weil ich es tatsächlich will und nicht, weil jeder Mensch um mich herum mir sagt, ich wäre verrückt, wenn ich’s nicht täte. Ich wollte mir sicher sein, dass ich mittendrinnen zurückschauen und sagen können würde: Ja, das hier ist’s wirklich, was ich wollte. The Good, the Bad, the Ugly.

Jetzt, nach dieser Riesenproduktion: Kannst du dir vorstellen, in Zukunft auch mal wieder kleinere Sachen zu machen - so was wie damals "Beautiful Creatures"?

Alden: Wie gesagt: Es geht mir mehr um den Regisseur und die Rolle, die ich spielen soll. Und das kann viele Gestalten annehmen. Manchmal ist es ein großer Film wie der hier, in dem ich mit großen Regisseuren zusammenarbeiten darf und die Hauptrolle spiele; manchmal ist es ein kleinerer, persönlicherer Film.

Persönlich ist gut! Ein paar Fragen zu dir! Dein Nachname - Ehrenreich - klingt zwar deutsch, kommt aber wohl aus Österreich.

Alden: Das ist auch mein Erkenntnisstand.

Hast du jemals herausgefunden, wo genau deine Wurzeln sind?

Alden: Leider nein.

Interessiert es dich denn?

Alden: Ja, schon! Ich würde dafür gern mal nach Österreich gehen. In Deutschland war ich bereits ein paar Mal. Und manche Deutsche sehen Angehörigen meiner Familie durchaus sehr ähnlich ...

Kannst du denn ein bisschen Deutsch?

Alden: Nein. Nur "Gudn Dag", "Uilgommen", "Dongschen".

Haben Leute manchmal Probleme damit, deinen Namen richtig auszusprechen?

Alden: Niemand hat ihn jemals richtig aussprechen können. Jemals. Die meisten sagen "Einrick". Aber ich habe schon sehr, sehr viele komische Varianten gehört …

Wie spricht man ihn denn richtig aus?

Alden: "Erenreick" ist richtig. Wie würdest du’s im Deutschen aussprechen?

"Ehrenreich".

Alden: "Ihrenreich"? So in etwa muss es wohl mal geklungen haben. Ist ja ein österreichischer Name.

Reich an Ehre.

Alden: Reich DER Ehre, der Herrlichkeit. So hab ich’s immer verstanden.

Zum Schluss noch mal eine Frage zum Film. Hast du Harrison Ford, den alten Han Solo, vor dem Dreh um Rat gebeten?

Wir haben zusammen zu Mittag gegessen und über seine Karriere gesprochen. Er war sehr wohlwollend und hat mir sein Vertrauen ausgesprochen. Über die Rolle selbst haben wir kaum geredet. Aber er sagte: Falls irgendwer fragt, sag ihm, ich hätte dir alles gesagt, was du wissen musst, und dass du kein Wort weitersagen darfst.

Haben Harrison und du mal darüber nachgedacht, einen gemeinsamen Film zu drehen - vielleicht eine Vater-Sohn-Geschichte?

Alden: Super Idee! Die solltest du ihm pitchen!

Eine letzte, etwas alberne Harrison-Ford-Frage: Wirst du der nächste Indiana Jones?

Alden: Keine Ahnung. Frag Steven Spielberg.

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