Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Ian Reid. Kultregisseur Charlie Kaufman hat daraus einen Psycho-Thriller gemacht, der die Abgründe einer noch frischen Liebe zeigt. Mit dabei Toni Colette, Jessie Buckley und Jesse Plemons. Wir verraten dir, wieso der Film auf deine Watch-List gehört.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Der Sommer verabschiedet sich so langsam. Die ideale Zeit also, sich in eine Decke auf dem Sofa einzukuscheln und sich einen richtig guten Film zu geben. Du weißt nicht welchen? Wie wäre es mit "I'm Thinking of Endlng Things"? Der Film, eine bizarre Mischung aus Psycho-Thriller und Horror, ist seit Anfang September auf Netflix verfügbar und hat schon viele in seinen Bann gezogen.

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Hier die eigentlich recht simple Story: Cindy (Jessie Buckley) ist erst seit Kurzem mit ihrem Freund Jake (Jesse Plemons) zusammen – und spielt trotzdem schon mit dem Gedanken, mit ihm Schluss zu machen. Dennoch fährt sie mit Jake seine Eltern (Toni Colette und David Thewlis) besuchen, gerade als ein fetter Schneesturm beginnt. Gemeinsam kommen sie auf der abgelegenen Farm von Jakes Eltern an, die ziemlich merkwürdig sind. Schnell merkt Cindy, dass etwas nicht stimmt: Jakes Eltern wechseln mehrmals das Alter und es passieren weitere übernatürliche Dinge. Alles fühlt sich unbehaglich an und so beginnt Cindy alles infrage zu stellen, was sie über ihren Freund, sich selbst und die Welt zu wissen glaubt.

Hier gibt's den Trailer zu "I'm Thinking of Ending Things"

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Na, neugierig geworden? Wir haben mal zehn Gründe zusammengesucht – neben mindestens genauso vielen weiteren –, wieso du dir den neuen Streifen von Charlie Kaufman auf jeden Fall anschauen solltest. Verwirrung hin oder her – und glaube mir, du wirst verwirrt sein, trotz der simplen Handlung.

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Grund Nummer 1: Nach fünf Jahren endlich ein neuer Kaufman-Film

Immer wieder meckern wir, dass Hollywood ständig nur die gleichen Geschichten erzähle. Nicht aber Charlie Kaufman. Der Drehbuchautor und Regisseur hat kein Lieblingsthema, keiner seiner Filme gleicht dem anderen. Für das Drehbuch zu "Vergiss mein nicht!" mit Jim Carrey und Kate Winslet in der Hauptrolle, hat er 2005 den Oscar bekommen. 2015 kam der Animationsfilm "Anomalisa" in die Kinos, der ebenfalls für den Oscar als bester animierter Spielfilm nominiert war. Seitdem mussten Kaufman-Fans auf einen neuen Streifen warten.

Mit "I'm Thinking of Ending Things" meldet sich Kaufman also zurück – mit einer gehörigen Portion Mindfuck.

Grund Nummer 2: Du kannst Buch und Film miteinander vergleichen

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Der Film basiert, wie bereits erwähnt auf den 2016 erschienenen Debütroman mit dem gleichen Titel des Autors Ian Reid und erregte damals viel Aufsehen. Zwei Jahre nachdem der Roman erschienen war, gab Kaufman bekannt, dass er daraus einen Film machen würde. Das lädt geradezu zu einem Vergleich ein.

Solltest du das Buch kennen, werden dir sicherlich einige Unterschiede auffallen. Alleine die Tatsache, wie all die unterschiedlichen, eigenartigen Ereignisse aneinandergereiht werden, unterscheiden sich zum Teil in winzigen Details, die in der gesamten Konsequenz der Handlung für einen völlig unterschiedlichen Ausgang sorgen. Aber wir wollen nicht spoilern. Besser als jedes Wimmelbild!

Grund Nummer 3: Der Cast ist einfach unglaublich

Der Cast in einer Szene von "I'm Thinking of Ending Things"

Jesse Plemons, der Jake spielt, kennen die meisten wohl aus "Fargo" oder als Neonazi Todd in "Breaking Bad" und auch Cindy-Darstellerin Jessie Buckley dürfte Serienfans aus dem HBO-Hit "Chernobyl" bekannt sein – beide laufen in "I'm Thinking of Ending Things" zur Hochform auf – sie spielen scharfsinnig, nihilistisch, manchmal geistesabwesend und im anderen Moment wieder genau im Hier und Jetzt. Das ist bisweilen verwirrend, gleichzeitig aber auch faszinierend.

Perfekt ergänzt werden die beiden Hauptdarsteller*innen von einer brillant borderlinigen Toni Colette ("The Sixth Sense", "Knives Out"), die Jakes Mutter spielt, als sei sie nie jemand anders gewesen. David Thewlis hat zwar schon als Professor Quirrell in den "Harry Potter"-Filmen eine gute Figur abgegeben, ist aber als Vaterfigur von Jake mindestens genauso gut.

Grund Nummer 4: "I'm Thinking of Ending Things" ist der perfekte Film, um den Sommer endgültig ausklingen zu lassen

Eisige Kälte in "I'm Thinking of Ending Things"

Jake und Cindy reisen in eine eisige, gefühlskalte Welt, was Cindys Zweifel an der Beziehung mit Jake nur noch verstärkt. Unterstrichen wird das durch den Schneesturm, der durch die Zeit, den Moment und die Entscheidungen wütet. Da kann man glatt vergessen, dass es vor ein paar Wochen noch 30 Grad warm war.

Grund Nummer 5: Du willst etwas mit Tiefgang? Voilá!

Falls du dich zu oft beschwerst, dass viele Filme auf Netflix und Co. viel zu oberflächlich sind, hier erlebst du das genaue Gegenteil. Kaufmans Film kann man nicht mal eben so nebenbei schauen, du musst ständig mitdenken. Alles hat miteinander zu tun. Und trotzdem hinterlässt "I'm Thinking of Ending Things" uns ratlos. Die vielen Anspielungen und Hinweise auf das drohende Ende fügen sich zu einem Puzzle zusammen, bei dem trotzdem das letzte Teil fehlt.

Grund Nummer 6: Das Ende! (Kein Spoiler-Alert)

Ein bisschen fühlt sich dieser horroreske Film an wie ein Tagtraum. So realistisch und zugleich irgendwie unwahr. Genauso trifft einen auch das Ende des Films. Wir werden es hier nicht verraten, aber das Ende ist der Grund, wieso der Film so lange nachwirkt. Und ein Werk, das das "Ende" bereits im Titel trägt, sollte auch ein gewaltiges Ende haben oder nicht? Ein klitzekleiner Spoiler: Es gibt ein sprechendes Schwein.

Grund Nummer 7: Weil wir insgeheim alle diesen Horror des ersten Besuchs bei den Eltern eines neuen Partners, einer neuen Partnerin kennen

Die Ausgangssituation des Films kennt jeder: die erste Begegnung mit den Eltern deines neuen Partners oder deiner neuen Partnerin. Meistens eine eher nicht so angenehme Situation. In Cindys Fall wird sie noch um einiges unangenehmer, denn eigentlich überlegt sie ja mit Jake wieder Schluss zu machen.

Dass dieses Unbehagen nicht ganz unbegründet ist, führt Kaufman auf krasse Art und Weise vor. Aber der Horror dieser ersten Begegnung ist nur der Beginn von etwas viel Größerem, das kunstvoll verflochten wird – und regt uns selbst zum Nachdenken an. Über das eigene Leben, was man von einer Partnerschaft wirklich will.

Grund Nummer 8: Der Film könnte ein heißer Oscar-Kandidat werden

Szene aus "I'm Thinking of Ending Things"

Im Coronajahr 2020 mussten die Kinos mehrere Monate geschlossen bleiben. Der Start einiger Produktionen, die im Vorfeld bereits als Anwärter auf den nächsten Oscar gezählt wurden, wie etwa Wes Andersons "The French Dispatch", wurden auf 2021 verschoben. Bisher hat am ehesten noch "Tenet" von Christopher Nolan für Oscar-Feeling gesorgt.

"I'm Thinking of Ending Things" steht dem in nichts nach. Der Film erfüllt auch alle rein formalen Anforderungen, um für die Oscars in Betracht zu kommen. Der Film läuft seit dem 28. August 2020 in einigen ausgewählten Kinos, seit dem 4. September kann jeder ihn streamen. Die gleiche Strategie hat auch schon bei "Marriage Story" im vergangenen Jahr geklappt. Zur Belohnung gab es den Oscar für die beste Nebendarstellerin.

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Grund Nummer 9: Noch nie hast du einen Horror-Streifen in so schönen Bildern gesehen

Ein Eisladen im Schneesturm

Okay, um das klar zu stellen: Krassen Grusel á la "Paranormal Activity" wirst du hier nicht erleben – aber schon ein gruseliges Unbehagen, etwas, dass dir schon Angst einjagt. Und das wird so schön inszeniert, wie ich es zumindest noch nie gesehen habe.

Grund Nummer 10: Du kannst ihn mehrmals schauen und wirst immer neue Details entdecken

Es gibt Filme, die guckt man sich einmal an und denkt sich: "Ja, nett, okay." Du schaust sie dir vielleicht noch einmal an, aber im Grunde bleibt es der gleiche Film. Ich habe "I'm Thinking of Ending Things" bisher zwar erst einmal gesehen, aber die Fülle an Episoden und Szenen ist so überwältigend detailreich, dass ich jetzt schon weiß, ich werde beim nächsten Mal noch mehr Details entdecken und den Film in einem ganz anderen Licht sehen.

Ob es nun ein guter oder schlechter Film ist, kann ich nicht mal sagen. Er ist auf jeden Fall eins: verdammt faszinierend.

"I'm Thinking of Ending Things" kannst du ab sofort auf Netflix streamen.

Quelle: Noizz.de