Oh, honey, honey …

Es ist ja in Hollywood ein längst bewährtes Rezept: Man bedient sich am vielseitigen – und zumeist auch spannenderen, weil außergewöhnlicheren – europäischen Kinomarkt und dreht kurzerhand einfach eine US-Version. Das funktionierte zum Beispiel prächtig bei der französischen Teenie-Rom-Com “LOL“ aus dem Jahr 2008. Der wurde vier Jahre später unter gleichem Titel mit Miley Cyrus und Demi Moore neuverfilmt. Gleiche Story, anderes Setting und ein bisschen amerikanisiert. Et voilá, fertig ist der kostengünstige Kinohit.

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Gleiches sollte mit Til Schweigers Kinohit “Honig im Kopf“ passieren. Beziehungsweise, es ist bereits passiert. Während hierzulande die Tragikomödie mit Dieter Hallervorden und Emma Schweiger in den Hauptrollen mehr als 7,9 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte, bleiben die Säle in den USA eher leer. Gerade einmal mickrige 155 Zuschauer sahen am zweiten Wochenende “Head Full Of Honey“.

Das hatte sich Til Schwieger wohl anders vorgestellt. Seit den 21. März läuft die einen Ticken tragischer inszenierte Filmkomödie in gewohnter Schwelger-Retro-Optik in den Kinos – es gibt sogar eine deutschsynchronisierte Version. Wieso? Das weiß keiner, denn außer das niemand geringeres als Nick Nolte die Rolle des Demenz-kranken Großvaters übernimmt hat sich ziemlich wenig geändert. Sogar das amerikanische Emma-Schweiger-Double muss in den selben bescheuerten Klamotten rumlaufen.

Das bisherige Einspielergebnis ist entsprechend mau: Insgesamt verbuchte der Film (international, wohlgemerkt) 6.388 Zuschauer was sich an den Kinokassen bemerkbar machte und gerade einmal umgerechnet rund 57.774 Euro einspielte. In den USA sogar nur knapp 11.00 Euro. Kein Wunder, denn im Vorfeld wurde der Film von diversen Kritikern in den US-Medien regelrecht verrissen.

So schrieb die renommierte New York Times etwa:

Betrachtet man die bizarre Handlung und die schrillen Darbietungen der Schauspieler, scheint der Film in einem Gemüsemixer entstanden zu sein.

Immerhin auch Til Schweiger feiert “Honig im Kopf“ nicht wirklich. Mittlerweile bezeichnet er es selbst als Tiefpunkt seines künstlerischen Schaffens. Die amerikanischen Filmstudios dachten sich wohl die rührselige Alzheimergeschichte mit Opa-Enkelin-Story kommt gut bei der konservativen, amerikanischen Zielgruppe an. War wohl eine klare Fehleinschätzung.

Übrigens, es gibt doch einen Grund, wieso der Film auch in den deutschen Kinos läuft und wir uns das Grauen von “Honig im Kopf“ noch einmal geben müssen. Die US-Version erhielt 4,6 Millionen Fördergelder aus Deutschland. Um die zu erhalten, muss man nicht nur in Deutschland zum Teil drehen, sondern auch den Film in die deutschen Kinos bringen. Okayyyy.

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Quelle: Noizz.de