Harvey Weinstein ist mittlerweile überführter Vergewaltiger und sitzt als Aushängeschild der #MeToo-Skandale für mindestens 23 Jahre hinter Gittern. In einem seiner noch laufenden Fälle wurde nun ein Deal arrangiert, die Anklage gegen 19 Millionen US-Dollar Schadensersatz fallen zu lassen. Staatsanwältin Letita James feiert einen großen Triumph der betroffenen Frauen – deren Anwälte sehen aber eher Weinstein als Gewinner.

Es war einer der großen Fälle der #MeToo-Skandale, bei denen hunderte Frauen als Opfer von sexueller Gewalt in US-amerikanischen Hollywoodkreisen Anzeige erstatteten und auf Missbrauchsfälle aufmerksam machten: Harvey Weinstein hat über Jahrzehnte Frauen sexuell missbraucht und seine Machtposition als einer der größten Filmproduzenten der Welt schamlos ausgenutzt. Im März 2020 wurde der 68-Jährige deshalb wegen Vergewaltigung zu 23 Jahren Haft verurteilt. Nun wurde ein weiterer Schritt der Rechtssprechung erreicht: 19 Millionen US-Dollar Schadensersatz als Deal für eine noch laufende Sammelklage etlicher Frauen.

Wie Staatsanwältin Letita James auf Twitter verkündete, erhalten besagte Klägerinnen von Weinstein nun je zwischen 7.500 und 750.000 US-Dollar als Entschädigung. Aus James' Sicht ein voller Triumph: "Nach all der Belästigung, Bedrohung und Diskriminierung, erhalten die Frauen endlich eine Art von Gerechtigkeit. Ich danke ihnen für ihren Mut, die Geschichten zu teilen."

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Harvey Weinstein: Die Liste von berühmten Schauspielerinnen, die Anklage wegen sexueller Belästigung und sexuellen Missbrauchs gegen den Filmmogul erhoben haben, ist endlos.

Das ist aber noch nicht alles. Denn mit dem offiziellen Schadensersatz, seien Opfer auch von eventuellen Vereinbarungen der Vergangenheit entbunden: "Frauen, die dazu gebracht wurden, Geheimhaltungsverträge einzugehen, sind dadurch endlich davon befreit und können wieder frei sprechen", ergänzt James in einem Tweet.

19 Millionen – Erfolg oder Niederlage?

Aktuell müssen die exakt 18,8 Millionen US-Dollar noch richterlich abgesegnet werden. Es gibt allerdings auch Stimmen, die mit der Lösung nicht zufrieden sind. Wie der "Spiegel" mitteilte, sehen sechs Anwälte betroffener Frauen den Deal als Freifahrtschein Weinsteins, der dadurch weder eine echte Strafe für sein Verhalten erfahre, noch in die eigene Tasche greifen muss.

Da der 68-Jährige nach aktuellem Stand bis über sein 90. Lebensjahr hinter Gittern bleibt und sich bereits heute nicht in bester gesundheitlicher Verfassung befindet, ist fraglich, wie stark ihn zusätzliche Jahre im Gefängnis treffen würden.

Früher Star der Familien-Soap "The Cosby Show", heute überführter Sexualstraftäter: Bill Cosby.

#MeToo: Das sind weitere prominente Täter, die überführt wurden:

Neben Harvey Weinstein gerieten auch Schauspieler Kevin Spacey, Milliardär Jeffrey Epstein sowie Schauspieler Bill Cosby in Kritik. Spacey lebt heute zurückgezogen und musste seine Karriere beenden, die Prozesse konnte er trotzdem gewinnen. Cosby sitzt seit 2018 in Haft, Epstein nahm sich 2019 im Gefängnis sein Leben. Weinstein ist mittlerweile überführt, muss sich trotzdem weiter gegen noch laufende Fälle verteidigen, unter anderem wegen mutmaßlicher Vergewaltigung.

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  • Quelle:
  • Noizz.de