Das soll also helfen, damit sich alle endlich einen Helm auf die Birne setzen.

Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) möchte für mehr Sicherheit unter RadfahrerInnen sorgen und hat deshalb eine Kampagne gestartet, die Radhelmtragen cool machen soll. Dafür haben sie mit der Sendung Germanys Next Topmodel kooperiert und Kandidatin Alicija abgelichet – in Dessous.

Die Kampagne ging heute Online und wir wissen nicht, worüber wir uns hierbei eigentlich am meisten aufregen sollen. Den Sexismus? Die Ignoranz? Die steuerlich unterstützte Rückgewandheit?! Deshalb unser erstes, ratloses Statement: Was ist das denn bitte für ein epic fail?!

Zeig Titten für Motoröl, Bitch!

Sex sells – ein Motto, nach dem mehr oder weniger kreative Werber gerne ihre Kampagnen fahren, um Produkte zu verticken. Motoröl, Würstchen oder Spachtelmasse scheinen sich am besten zu verkaufen, wenn irgendwo eine (halb-)nackte Frau im Bild ist – unabhängig davon, ob diese irgendwas mit dem Produkt zu tun hat. Das Problem daran: Frauenkörper werden dadurch objektiviert und zu Deko degradiert. Die Organisation Pinkstinks macht auf solche Fälle regelmäßig aufmerksam und hat das Problem wie folgt sehr schön zusammengefasst:

Sexy oder Sexismus? Foto: Pinkstinks / Pinkstinks

Ausziehen: Klar. Geht ja nicht darum, dass alle bitte die ganze Zeit verhüllt rumlaufen. Nur halt nicht komplett außerhalb des Kontexts.

Genau diesen sehr sinnvollen – und einfachen – Grundsatz hat das BMVI zusammen mit ihrer GNTM-Kampagne ignoriert: Es soll um mehr Sicherheit auf dem Fahrrad gehen – was wir aber sehen, ist hauptsächlich eine leicht bekleidete Frau. Wir wissen ja nicht, wie die Mitarbeitenden beim Verkehrsministerium so auf dem Rad unterwegs sind, wir haben aber meistens ein bisschen mehr an, als den knappen Schlüpper.

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Hauptsache, es schaut sich wer die Hupen an

„Ungewöhnlich für ‚Runter vom Gas‘. Klar. Aber es geht darum, Aufmerksamkeit zu wecken“, erklärt Bundesminister Andreas Scheuer die Kampagne auf der Homepage des BMVI. Alles für die Klicks, oder was?! Übrigens: Dick-Pics erregen auch Aufmerksamkeit. Dennoch ist bisher niemand auf die Idee gekommen, denen einen Radhelm auf die Eichel zu setzen, um für mehr Sicherheit im Verkehr (höhö....) zu sorgen.

Nur, weil man also auf eine vermeintlich gute Sache hinweisen will, ist nicht alles ok. Wir fragen uns, wieviele weiße, alte Männer diese Kampagne eigentlich abgesegnet haben, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, dass es sich hier um lupenreinen Sexismus handelt.

Wir finden es ja grundlegend klasse, dass sich das BMVI um Sicherheit sorgt. Statistisch gesehen tragen nämlich nur acht Prozent in der Altersklasse zwischen 17-30 Jahren einen Helm. Der Grund: Helme haben ein uncooles Image. Aber genau, wie im Artikel von Nils Pickert auf Pinkstinks angemerkt wurde, könnte man sich um die Sexyness von Radhelmen auch anders kümmern. Überhaupt stimmen wir Pinkstinks zu bei der Frage: Warum wird eigentlich ausgerechnet Heidi Klum mit ihrer sexistischen Unsinns-Show durch Steuergelder unterstützt?

Was Heidi und ihre Määäääädels anrichten

Pickert merkt in seinem Text an: „Verfährt die Koalition jetzt nach dem Prinzip Dr. Jekyll und Mr. Hyde? Während das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ, SPD-geführt) Geld ausgibt, um über Aktionen wie „Not Heidis Girl GNTM zu kritisieren, gibt das BMVI (CSU-geführt) Geld dafür aus, GNTM zu promoten. “ Zum Hintergrund: Das BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) hat die Organisation bei der Produktion und Kampagne gegen Heidi Klum und ihre Show unterstützt.

Das BMVI nun wiederum genau das Gegenteil unterstützt ist echt bigott. Wäre vielleicht mal eine Idee sich abzusprechen. Oder aber – liebstes BMVI – sich richtig zu informieren: Laut einer Studie macht GNTM krank, indem es falsche Körperideale propagiert. Heidi und ihre Pappenheimer stehen in ihrer Sendung für die Diffarmierung von Personen, dafür dass Aussehen vor Persönlichkeit und Willen geht – z.B., wenn es mal wieder heißt: „Schrei doch mal!“

Leute mit Helm sehen scheiße aus!

Der Slogan der ganzen Kampagne lautet übrigens „Looks like shit. But saves my life.“ Im Klartext bedeutet das eine ganz eindeutige Message vom BMVI an alle, die bereits brav ihren Helm tragen: Ihr seht scheiße aus!

Aber hey – wenn ihr das mit ein paar Dessous kombiniert, schaut euch sowieso keiner mehr auf den Kopf oder ins Gesicht, sondern auf den nackten Körper. Und das ist ja offensichtlich sowieso die Hauptsache.

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Quelle: Noizz.de