Elche und Schneemänner, die singen? Ein Milliardengeschäft. "Frozen" ist der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten. Die Eiskönigin und ihre Gang erwärmen das Herz von Millionen Menschen – nur meins lassen sie eiskalt. Bin ich unverfroren, weil ich "Frozen" hasse?

Kaum betritt man den Supermarkt, wird man von Olaf angestarrt. Olaf ist ein Schneemann mit drei Stöckchen im Haar und einem einzigen Vorderzahn. Er ist eine der beliebtesten Figuren aus Disneys "Frozen" – und auf allen Produkten abgebildet, die auf Fließbändern zu den Kasse rollen: Schlüppies, Tassen und Gesichtsmasken. Ist Olaf nicht zu sehen, dann einer seiner Crew-Mitglieder: Prinzessinnen, Elche oder Naturburschen – sie alle haben Augen so groß wie Äpfel und Haare, die glänzen wie ein frisch geputztes Fenster. Die animierten Figuren von "Frozen" haben aber mehr gemeinsam als ihr perfektes Aussehen. Sie nerven, alle.

>> Frozen 2 knackt unfassbaren Rekord am ersten Wochenende

Filme vor 20 Jahren waren schon moderner

Warum, fragen sich nun Millionen von Menschen, warum kann jemand die zuckersüßen Figuren aus dem beliebtesten Animationsfilm aller Zeiten nicht leiden? Wie Elsa, die im Film ihre magischen Superkräfte nicht unter Kontrolle hat. Die Eisprinzessin verwandelt alles in Eis. Nicht nur im Film, auch im echten Leben. Kleine Mädchen schlüpfen in blaue Kleidchen und tragen blond-geflochtene Perücken. Sie haben eine Brotbox, im Schneemann-Rucksack, auf dem der Bachelor-ähnliche Kristoff zu sehen ist. "Frozen" ist überall – und überall zu viel. Zu weiß. Zu perfekt. Zu viel "Let it goooooo".

Falls du – oh, du bist mir jetzt schon sympathisch – "Frozen" nicht kennen solltest: In dem Film geht es um die Schwestern Anna und Elsa. Letztere ist Thronerbin, hat aber ein Problem. Alles, was sie berührt oder anstarrt, gefriert. Die Superkräfte von Elsa werden von Jahr zu Jahr stärker, bis sie diese kaum noch kontrollieren kann. Doch Anna, Schneemann Olaf, Naturbursche Kristoff und sein Elch Sven helfen der Eiskönigin mit ihren magischen Kräften. Bedingungslose Geschwisterliebe und Zusammenhalt stehen im Mittelpunkt des Films. Nichts Neues. Filme, die 20 Jahre her sind, waren schon moderner.

Schaut sich ein Mädchen im Elsa-Kostüm an, wird sie enttäuscht sein

Bereits 1935 war Disney ein millionenschweres Unternehmen. Märchen wie Schneewitchen (1937) und Cinderella (1950) wurden verfilmt und verzaubern mit ihrem Charme noch heute. Knapp hundert Jahre später kann man von einem Hollywood-Riesen mehr erwarten als junge Mädchen, die von Prinzen wachgeküsst werden. Mulan zeigt 1998, dass Frauen mehr können, als beim Teetrinken hübsch auszusehen. Sie sind die wahren Kämpferinnen und Heldinnen, so die Message. Lilo und ihre Schwester Nani beweisen mit Stitch, dass eine Familie nicht immer groß und hübsch sein muss, um perfekt zu sein. 2009 folgt mit "Küss den Frosch" die erste schwarze Prinzessin – viel zu spät. Die Charaktere, die Disney erschafft, sind nicht nur animierte Zeichentrick-Figuren. Sie sind Vorbilder für Milliarden von Kindern. Sie wollen reden, aussehen und sein wie sie.

Schaut sich ein kleines Mädchen mit einem Elsa-Kostüm im Spiegel an, wird es wohl enttäuscht sein. Elsa sieht anders aus. Das blaue Kleid schmiegt sich an ihre elfenhafte Taille. Keine junge Frau, sollte und kann so aussehen wie sie. Das ist alles nur Fiktion? Erklärt das einem kleinen Kind. In einer Welt, in der Uhren tanzen, Elefanten fliegen und Hunde gemeinsam am Tisch Spaghetti essen, sollte alles möglich sein. Auch Moral und Vorbildfunktion. Besonders nach so vielen Jahren im Filmgeschäft.

Ist Elsa die erste lesbische Disney-Figur?

Lange Zeit wurde gerätselt, ob Elsa lesbisch sein könnte. Damit hätte Disney endlich eine Heldin für Homosexuelle geschaffen. Eindeutig scheint das aber nicht zu sein. Fans begründen ihre Vermutung nur allein damit, dass ihre Schwester sich immer wieder in einen anderen Typen verknallt – und Elsa nicht. Ist man lesbisch, nur weil man sich nicht direkt in jeden Mann verliebt? Nein! "Frozen"-Star Josh Gad, der Schneemann Olaf seine Stimme leiht, meint: "Die Filmemacher wollten eine Geschichte erzählen, in der es nicht darum geht, dass Elsa Liebe sucht oder findet", sagte er "BuzzFeed". Ob Elsa die erste lesbische Disney-Ikone sein wird, bleibt offen. Bis dahin hat "Frozen" für Minderheiten nur wenig übrig.

>> "Frozen 2": Ist Disney-Heldin Elsa nun lesbisch oder nicht?

Elsa ist eine mutige Heldin und eine Frau. Das ist super. Genauso die Beziehung zwischen den Schwestern. Das Problem: Wie bei den Merch-Artikeln gilt auch hier: Bei "Frozen" ist alles zu viel. Elsa ist das Non-Plus-Ultra. Eine Mischung aus Daenerys Targaryen, Kate Middleton und Heidi Klum. Stark, elegant und wunderschön. Wer versucht, das Beste aus allen Dreien zu sein, kann nur scheitern. Dabei sind die drei Frauen nicht weniger toll als deine Mutter, oder die Nachbarin von nebenan. Wer eine Vorbildfunktion hat, sollte mit seinem Perfektionismus nicht einschüchtern. Keiner ist perfekt. Nur bei Elsa und ihrer Schwester wird dieses Bild konzipiert. Verzeiht. Elsas hat einen Fehler: zu starke Superkräfte.

Abgesehen von der Vorbildfunktion – wo bleibt der Zauber, der mich umhauen soll?

Ob Disney-Figuren gute Vorbilder sein können, sei dahingestellt. Angenommen, "Frozen" ist nur auf Kommerz aus und setzt gezielt weiße, hübsche Puppen ein, um bei der Mehrheit zu punkten. Dann müsste der Film, wenn nicht mit Moral, zumindest mit kindlichem Zauber überzeugen. Sieht alles hübsch aus, diese Eiswelt. Aber habt ihr schon mal Narnia gesehen? Der Schneemann ist herzig – aber was ist mit Stitch, Susi und Strolch, dem Drachen Mushu, Timo und Pumba? Tut mir leid, Olaf. Du bist dagegen nur ein eierköpfiges Etwas mit einer Möhre im Gesicht. Die Liebe zum Detail war bei anderen Disney-Filmen schon mal größer. Was fehlt, ist die Faszination, wie erwachsene Menschen Figuren auf Papier zeichnen als seien sie mit Kinder-Fantasie erschaffen worden.

Das Sing-Sang von Disney war auch schon besser. Wenn Anna fünf Mal hintereinander "Willst du mit mir einen Schneemann bauen" singt, dann frage ich mich, ob die rothaarige Schönheit taub ist. Anna, Elsa kommt nicht. Baue deinen Schneemann allein! Dann wäre da noch der Soundtrack "Let it go". Ohrwurm-Garantie, klar. Aber wie häufig wird in dem Film eigentlich gesungen?! Und sind der Soundtrack und die Story so viel besser als all die anderen Disney-Filme? Nein. Ich verstehe den Hype um die Eiskönigin nicht. Nennt mich spießig, herzlos – meinetwegen. Ich bin zuckersüß und kritzle sogar Herzchen auf Notizzettel. Ich habe beide Filme gesehen. Aber Elsa lässt mich eiskalt.

"Frozen"-Merch-Überfluss und Prinzessinnen-Sing-Sang? LET IT GO, VERDAMMT!

>> "Frozen 2" nutzt Slogan von Krebs-Organisation – Klage!

>> "Frozen 2": Ist Disney-Heldin Elsa nun lesbisch oder nicht?

Quelle: Noizz.de