Verschwörungstheorie oder Freiheitsbewegung? Seit 2009 hat Britney Spears ihren Vater als legalen Vormund. Jamie Spears entscheidet alles für sie – Fans versuchen sie nun mit dem Hashtag #FreeBritney aus dieser Vormundschaft zu kämpfen.

Britney Spears hat eine beeindruckende Karriere hinter sich: "Toxic", "Oops...I Did It Again", "...Baby One More Time", "Womanizer", "Gimme More" – die Liste ihrer Hits ist ungefähr so lang wie die Liste ihrer Skandale. Nachdem ihre psychischen Probleme 2008 eskalierten, steht sie seit 2009 unter der Vormundschaft ihres Vaters. Mit der #FreeBritney-Bewegung wollen Fans sie nun aus dieser Vormundschaft herausholen – jetzt meldet sich erstmals Britneys Vater in der Angelegenheit zu Wort.

Was beinhaltet Britney Spears Vormundschaft?

Britneys Vormundschaft ist ein Betreuungssystem für Erwachsene, die unter Behinderungen oder psychischen Krankheiten leiden und deshalb zum eigenen Schutz keine Befugnis über sich und bestimmte Bereiche ihres Lebens erhalten. Seit 2009 hat Britneys Vater also Macht über ihr auf 59 Millionen Dollar geschätztes Vermögen. Britney selbst sieht davon jeden Monat nur einen winzigen Bruchteil. Seit 2019 verfügt ihr Vater "nur noch" über ihr Vermögen, Entscheidungen über Britneys Leben werden von Jodi Montgomery gefällt, einer Mitarbeiterin der Spears.

Auch darf sie kaum etwas selbst entscheiden. Laut eines Posts des Instagram-Accounts "Diet Prada" darf sie ohne die Erlaubnis ihres Vormunds nicht wählen gehen, heiraten, Kinder bekommen, ihr eigenes Geld ausgeben oder überhaupt darüber Auskunft erhalten, was mit ihrem Geld passiert. Sie darf auch nicht selber über ihre Karriere entscheiden, ihren eigenen Anwalt aussuchen, Interviews geben, die nicht gescriptet und von ihrem Vormund abgesegnet worden sind oder ohne Aufsicht telefonieren. Sie darf noch nicht mal einen Spaziergang ohne die Erlaubnis ihres Vormunds machen.

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Bei stark beeinträchtigten Menschen macht diese extreme Kontrolle über das Leben der Betroffenen möglicherweise Sinn. Für Menschen so jung wie Britney ist sie allerdings eher unüblich. Fans und Bekannte des Superstars bezweifeln mittlerweile, dass diese Vormundschaft für Britney überhaupt gerechtfertigt ist – und ob es nicht vielmehr eine willkommene Kontrollinstanz für Britneys Vater ist, der über den Ruhm seiner Tochter verfügen möchte.

Es gibt viele Beweise, die für #FreeBritney sprechen

Diese Vermutungen sind nicht aus der Luft gegriffen, sie basieren auf Berichten von Menschen, die Britney nahe stehen. Alli Sims, eine ehemalige Assistentin von Britney Spears, erzählte auf Instagram, dass sie von Britneys Vater bedroht worden war, nicht auf Anrufe von Britney zu antworten. Auch Britneys ehemaliger Fotograf Andrew Gallery las im Juli auf TikTok einen Brief vor, den sie ihm angeblich geschickt habe. Darin steht, wie sie manipuliert worden ist, nach außen hin psychisch labil zu erscheinen. Die britische Boulevard-Zeitschrift "Daily Mail" postete 2019 sogar ein Bild des handgeschriebenen Briefs. Schauspieler Zachary Gordon teilte auf Twitter, dass er zufällig einen ehemaligen Betreuer Britneys getroffen hätte, der erzählte, wie ein bekannter Celebrity Britney auf einer Neujahrsparty etwas in ihr Drink gemischt hätte. So sah es später aus, als hätte Britney zu viel getrunken und wäre ohnmächtig geworden.

Auch zahlreiche Ex-Freunde Britneys bestätigen laut der US-Zeitung "Page Six", dass sie Britney nicht als "psychisch instabil" beschreiben würden, darunter Charlie Ebersol und David Lucado.

Britney Spears mit ihrem aktuellen Freund Sam Asghari

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Nicht alle #FreeBritney-Argumente sind ernst zu nehmen

Allerdings gibt es auch weniger überzeugende Argumente dafür, dass Britney unter ihrer Vormundschaft leidet. Auf Twitter heben manche User hervor, dass Fans Britney in Kommentaren dazu auffordern würden, ein bestimmtes Kleidungsstück zu tragen, wenn es ihr nicht gut geht. Tatsächlich scheint Britney das gewollte Kleidungsstück im nächsten Posting zu tragen. Wie viel davon allerdings ernst zu nehmen ist, ist fraglich – denn ab diesem Zeitpunkt der Spekulation verschwimmt die Linie zwischen Fakten und Verschwörungstheorie.

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Genau diese Grauzone triggert Britneys Vater, #FreeBritney nicht ernst zu nehmen. In einem neuen Interview mit der US-Zeitung "The Post" erzählt Jamie Spears, dass die Bewegung ihn fälschlicherweise als "Bösewicht" aussehen lassen würde. Der 68-Jährige beschwert sich darüber, dass #FreeBritney ihn als opportunistischen Vater darstellt.

Für Jamie Spears ist #FreeBritney "ein Witz"

"Diese Verschwörungstheoretiker haben keine Ahnung", so Jamie. Er bestreitet auch jegliche Vorwürfe, er würde Geld aus der Vormundschaft machen: "Ich muss jeden Cent, den ich ausgebe, dem Gericht melden. Wie zur Hölle soll ich da etwas klauen?"

"Ich liebe meine Tochter", erzählt der Vater, und beharrt darauf, in dem Fall Britney die Privatsphäre der Familie aufrecht zu erhalten.

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Es gibt auch andere Quellen, die sagen, die Vormundschaft sei gut für Britney. Zwei Quellen erzählten dem US-Sender "CNN", dass Britney mehr Macht über ihr Leben habe, als wie es nach draußen kommuniziert werden würde. "Sie hat ein tolles Leben", erzählte eine der Informant*innen. Britneys Wunsch, die Vormundschaft enden zu lassen, begründen sie mit ihrer psychischen Krankheit, die sie nicht klar sehen lassen würde, was das Beste für sie wäre.

Was ist #FreeBritney nun – Verschwörungstheorie oder Freiheitsbewegung?

Tatsächlich ist der Fall Britney etwas schwierig zu bewerten. Auf beiden Seiten – Vormundschaftsbefürworter und Vormundschaftsgegner – gibt es unterstützende Quellen, die Britney selber sehr nahe stehen wollen. Und da sich Britney aufgrund der Vormundschaft nicht selber dazu in der Öffentlichkeit äußern darf, wird jedes noch so kleine potenzielle Zeichen als Beweis dafür interpretiert, dass ihr die Vormundschaft nicht guttun würde. Dadurch wird schwammig, was Fakten sind, und was Gerüchte sind. Die Proteste, die auch von Prominenten wie Miley Cyrus, Ariel Winter oder Paris Hilton unterstützt werden, kommen dem Genre "Verschwörungstheorie" dadurch verdächtig nahe.

Eine Unterstützerin der #FreeBritney-Bewegung

Britneys Vormundschaft wurde im Mai dieses Jahres bis zum 22. August 2020 verlängert. Die Verlängerung wurde vom Gericht ohne einen Prozess entschieden, da der Richter diesen aufgrund der Corona-Pandemie für nicht möglich hielt. Unter dem Hashtag #FreeBritney werden Fans trotzdem weiter für ihre Entlassung aus der Vormundschaft kämpfen. Wer recht hat, kann am Ende womöglich niemand wissen – noch nicht mal Britney selber.

  • Quelle:
  • Noizz.de