Ihr Kampf gilt der (künstlichen) Intelligenz!

Jetzt mal Tacheles: Wer in einen "Fast & Furious"-Film geht, der weiß ganz genau, was ihn erwartet. Ballern, Karren, Muskeln und irgendeine Story, für die man Ballern, Karren und Muskeln braucht, weil sonst die Welt untergeht – mindestens. Vermutlich aber eher das gesamte Universum. Für alle, die noch gar keine Ahnung haben – einmal den Trailer ansehen und man weiß eigentlich schon mehr, als man wollte:

Ist aber eigentlich auch gar nicht so wichtig, was genau passiert. Hauptsache, jemand hat seinen Bleifuß auf dem Gaspedal irgendeiner Benzinschleuder, während er die Bösen abknallt und zwischendrin genug Zeit hat – ganz egal, wie brenzlich das ist –, um Anwesenden einen brachial-humorigen Spruch zu drücken.

Und genau das ist insgesamt ziemlich großartig!

Hobbs & Shaw machen ihr eigenes Ding

Die "Fast & Furious"-Reihe bringt es mittlerweile auf mehr Fortsetzungen als die "Saw"-Filme – wobei wir uns da nicht so sicher sind, wir haben bei dem Splatter-Schinken irgendwann aufgehört zu zählen. Teile neun und zehn von "Fast & Furious" sind für die nächsten zwei Jahre jedenfalls schon in Planung, und alle freuen sich. Mit "Hobbs & Shaw" wird hier allerdings keine weitere Fortsetzung an den Start gebracht, sondern ein neu startender Erzählstrang. Gegen Ende des Films werden deshalb auch ordentlich Cliffhanger verteilt. Die Jobs aller Beteiligten sind jedenfalls gesichert.

Die beiden Brudis im Mittelpunkt – Shaw und Hobbs (Jason Statham und Dwayne 'The Rock' Johnson) – kennen sich schon aus vergangenen Filmen des Franchises. Und mochten sich da schon nicht. Aber natürlich müssen sie dennoch zusammenarbeiten. Dafür gibt es eigentlich keinen triftigen Grund (jetzt mal ganz ehrlich: Für die Lösung eines Falls wäre es sicherlich ökonomischer, zwei Leute zusammenzupacken, die sich auch irgendwie okay finden – ist jetzt nur unsere bescheidene Meinung). Aber gut, wenn wir hier ein superharmonisches Dulli-Duo hätten, wären die ganzen Sticheleien der beiden ja gar nicht möglich und somit der Spaß des Films um einiges geschmälert. Und das will keiner.

So kommen sie zusammen: Deckhart Shaw, elegant, britisch, schlagfertig und Luke Hobbs, brachial, herzlich, unmenschlich stark. Shaw ist eher für den spitzfindigen Plan zuständig, Hobbs dafür, sich als wandelnder Muskelberg durch die Szenen zu schieben. Gemeinsam wollen sie zwar nicht die Weltherrschaft an sich reißen, sondern selbige retten. Dennoch kommen sie einem ein bisschen vor wie Pinky und der Brain (zumindest wenn Pinky regelmäßig pumpen gehen würde).

Von Bösewichten und Viren

Beste Voraussetzungen für einen guten Film also. Die beiden sind gefordert, weil Shaws Schwester Hattie (Vanessa Kirby) einen Virus in ihrem Besitz hat, auf den es ein Bösewicht abgesehen hat, um – NATÜRLICH – die halbe Menschheit auszurotten und (wie nobel) diese zu einer fitteren Rasse zu machen. Brixton Lore (Idris Elba), seines Zeichens Cyber-Terrorist, gehört einer geheimen Organisation an, die dank dieses bösen Internets im großen Stil Medien manipuliert, nach einigen Schönheits-OPs zu einer Art Terminator umfunktioniert wurde und ein bisschen sektenmäßig seine Vision einer besseren Welt umsetzen will (via Genozid ... logisch).

Bösewicht Brixton im Alltag.

Doofe Situation also, in der sich die Geschwister Shaw und Hobbs hier befinden. Da hilft nur eins: Motoren an, Fäuste hoch, Testosteron hochdrehen und Abfahrt! Oder – um Hobbs aus einer der dramatischeren Minuten des Films zu zitieren: "Mach mal den Superbooster rein!" Das Trio führt es überall hin, bevor es sich in Samoa, Hobbs' Heimat, dem vorläufigen Finale stellt. Dort werden dann erst mal alle Klischees bedient, die man von irgendeiner Art Ureinwohner so haben kann – die prügeln sich da doch alle mit Keulen, reißen Antilopen im Vorbeilaufen und haben keinen Strom, oder?!

Materialschlacht, Offensichtliches und Sexismus

"Fast & Furious: Hobbs & Shaw" bietet in etwa so viele Überraschungen wie eine Folge Lindenstraße. Aber wer Überraschungen will, kann sich ja auch eine Wundertüte kaufen, statt ins Kino zu gehen. Hier geht man jedenfalls keine Kompromisse ein: Man weiß, was man bestellt und ist glücklich, wenn man bekommt, was auf dem Menü stand. Es gibt Feuer-, Faust- und Karosserie-Spektakel und es macht irre Spaß, sich das Ganze anzuschauen. Ist auch einfach eine Leistung, einen Film der lockere 140 Minuten lang ist, so kurzweilig hinzubekommen und eine Story zu liefern, die zu großen Teilen schlüssig ist.

Sogar eine coole Frauenfigur ist mit Hattie Shaw auf der Leinwand – beinahe erstaunlich, bei einer Produktion, die derartig durchtränkt ist von frischem Männerschweiß. Und klar: Dass das Ziel derartiger Blockbuster jetzt nicht Alice Schwarzers Lob ist, weiß jeder. Aber warum eine taffe, straighte Frau von ihren Begleitern (und ihrem eigenen Bruder) "Kleine" genannt werden muss, ist nicht so richtig nachvollziehbar. Auch die russische Untergrund-Kämpferin läuft natürlich in Dessous und Absatzschuhen durch die Taiga. Hallo, Männerfantasien: Wir sind gelangweilt von euren Stereotypen.

Die "Kleine" darf auch mit Pistolen spielen.

Wo sind die Leute mit den Aluhüten?

Das propagierte Weltbild des Films hinterlässt einen am Ende dann aber doch kurz skeptisch zurück. Das Internet und dahinter eine böse Organisation und dahinter wiederum die unbezwingbare künstliche Intelligenz: Sie alle agieren im Hintergrund und verwirren den armen Amerikaner. Wir können uns nicht helfen – haben wir das nicht irgendwo schon mal gehört?! Bei Trump etwa! Also dem Typen, der jedem Medium, das nicht seiner Meinung ist, "Lügenpresse" entgegen plärrt und Verschwörungstheoretikern eine Plattform bietet.

Hobbs und Shaw jedenfalls kämpfen an dieser Front und stehen ein für mehr Menschlichkeit, mehr Herz, mehr – ähhh – Ursprüngliches. So jedenfalls kommen die beiden zu einer Lehre, die die Sesamstraße nicht treffender hätte formulieren können: Wenn wir zusammenarbeiten, sind wir stärker! Pinky und der Brain hatten also schon immer den richtigen Riecher.

Mit Urschrei zum Kampf: Hobbs.
Gaspedal: Auf Anschlag!

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Quelle: Noizz.de