Denn letztendlich sind wir Schuld an dem Erfolg von ihnen

Letztens wurde mir in meine Timeline bei Facebook ein Artikel gespült, in dem sich die Autorin über Influencer aufregte. In dem Artikel heißt es: „Sie alle haben hunderttausende, manchmal Millionen von Follower auf Instagram und sehen dennoch ziemlich gleich aus. Vor Individualität strotzen ihre Auftritte nicht gerade.

Im Gegenteil: Dunkelblonde, leicht gelockte Haare, kräftig nachgezogene Augenbrauen und ein extremer Schmollmund – so sieht der Einheitslook vieler Promi-Blogger aus. Aber nicht nur vom Aussehen her ähneln sich die Damen im Netz, auch der Modestil ist (langweiligerweise) ziemlich gleich.“

Dabei haben die Personen, die den Artikel so feiern, aber irgendwie außer Acht gelassen, dass sie 1. meistens ähnlich aussehen und 2. nicht die Influencer daran Schuld sind, dass ihr Stil gut ankommt, sondern wir als Follower bestimmen, wer fame wird.

Natürlich gibt es Millionen andersartige, außergewöhnliche Blogs und Instagram-Accounts - für die interessieren sich aber nur wenige Leute. Wir machen Influencer wie Caro Daur und Farina (bekannt als Novalanalove) groß, weil sie das aktuelle Schönheitsideal verkörpern.

Kaum einer der Leute, die den oben genannten Artikel so gefeiert haben, weichen von diesem Bild groß ab: Auch sie tragen lange Haare und weiße Sneaker mit Jeans. Was bringt uns also „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, wenn wir alle durch die selbe Brille gucken?

„Blogger verkaufen ihre ganze Privatsphäre“ ist nur einer von vielen Sätzen, der in Bezug auf Influencer oft fällt. Unabhängig davon, dass jeder Mensch eine eigene Vorstellung von Intimität besitzt, hat sich das allgemeine Verständnis von Toleranz und Grenzen in den letzten Jahrzehnten enorm weiterentwickelt und verschoben.

Ein in manchen Augen zu privater Post ist gar nicht unbedingt Resultat des Internets, sondern liegt am allgemeinen neoliberalen Zeitgeist. Sexuelle Orientierungen, Freizügigkeit usw. dürfen und sollen mittlerweile gezeigt werden. Hinzu kommt, dass diese vermeintliche Selbsttransparenz eine bewusste und gewollte Inszenierung ist.

Künstliche Transparenz, die die Influencer selbst steuern, indem sie genau das posten, was sie von sich zeigen wollen, wird niemals ihre wahre Intimität ersetzen.

Ich frage mich auch, wann Leute endlich aufhören, in Influencern (und vor allem YouTubern) das Böse zu sehen. Leere Phrasen wie „Blogger verkaufen ihre Seele“ oder „YouTuber ziehen den armen, kleinen Kindern das Geld aus der Tasche“ sind nicht nur zum Standardvokabular der meisten Internethelden mutiert, sondern leider auch gängige Aussagen meiner Eltern, meiner Kommilitonen und überhaupt gefühlt jedem.

Wenn BibisBeautyPalace einen Duschschaum für nicht einmal 4€ rausbringt macht das niemanden arm, schadet keinem und macht tausende Kinder bzw. Teenager glücklich. Wo liegt das Problem? An jedem anderen Produkt verdienen Menschen genauso - nur kennt da niemand das Gesicht dahinter.

Ich persönlich verstehe auch nicht, wieso sich Millionen Abonnenten an „Heute bade ich in Glitzerschaum“-Videos erfreuen – muss ich aber auch nicht! Lasst denen doch die Freude, niemand zwingt euch, die Videos/Blogs/Feeds anzugucken.

Das ständige Kritisieren ist ermüdend und bringt niemandem was. Fangt an zu akzeptieren, dass Influencer ein ernstzunehmender Beruf ist und in der Zukunft immer mehr sein wird – übermäßig bezahlte Berufe gab es auch schon vor dem Internet!

Quelle: Noizz.de