Elyas M'Barek hat uns das Geheimnis einer guten Komödie verraten

Alina Nöth

Politik, Lifestyle, Reisen
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Elyas M'Barek spielt den draufgängerischen Lenny Foto: Jürgen Olczyk / © 2017 Constantin Film Verleih GmbH

Am 21. Dezember kommt nämlich sein neuer Film „Dieses bescheuerte Herz“ in die Kinos ...

Darin wird die Geschichte um den herzkranken Teenager David (Philip Noah Schwarz) erzählt, der durch die ungewöhnliche Freundschaft mit Lenny (Elyas M'Barek) wieder Lebensfreude gewinnt und ins Leben zurückfindet. Und auch Lenny wächst über sich hinaus und lernt, worauf es im Leben ankommt.

Das Drehbuch basiert auf dem Buch „Dieses bescheuerte Herz: Über den Mut zu träumen“, das von der Freundschaft zwischen dem kranken Daniel Meyer und Buchautor Lars Amend handelt.

Elyas M'Barek spricht im NOIZZ-Interview über den Umgang mit kranken Kindern, die Dreharbeiten und die Kraft von Träumen.

NOIZZ: Wie stellst du es dir vor, mit so einem schwerkranken Kind umzugehen?

Elyas M'Barek: Ich glaube, Lenny macht das, zumindest was die Emotionalität angeht, ganz gut. Nämlich, dass er das Kind nicht behindert oder krank behandelt. Das sieht man im Film. Kinder werden oft von der Umwelt immer so behandelt und mit Samthandschuhen angefasst. Und ich glaube – zumindest im Film funktioniert das –, dass der Junge das eigentlich ganz cool findet, dass da mal jemand kommt und ihn wie einen ganz normalen Jugendlichen behandelt. Und dadurch, glaube ich, kann auch erst diese Freundschaft entstehen.

Kanntest du die Geschichte im Vorfeld?

Elyas: Nein, gar nicht. Ich habe das Buch bewusst nicht gelesen, weil es für mich unerheblich war. Zum einen wollte ich total unvoreingenommen in die Geschichte gehen. Und zum anderen basiert das Drehbuch ja auf der Geschichte, aber es ist ja nicht die wirkliche Verfilmung. Einiges wird anders erzählt als in dem Buch.

Hast du Lars und Daniel persönlich getroffen?

Elyas: Nein. Das werde ich wahrscheinlich jetzt bei der Premiere tun. Aber der Junge ... mit dem ist es auch nicht so einfach. Der kann auch, glaube ich, gar nicht so einfach verreisen. Für mich war es auch nicht wichtig, weil meine Figur ja im Grunde von nichts 'ne Ahnung hat. Ich hätte mir keine Tipps holen können. Oder fragen können, wie das damals war. Weil es für mich genau das ausgemacht hat, als Figur, die ja auch zum Beispiel im Drehbuch ganz anders heißt als in dem Roman und eine erdachte Figur ist. Ich fand es eigentlich auch besonders wichtig, auch so eine komplette Naivität wie Lenny zu besitzen und mir zu erhalten.

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?

Elyas: Oft gibt's gar keine Vorbereitung. Die Vorbereitung besteht meistens – in dem Fall zumindest – aus ganz vielen Gesprächen mit dem Regisseur. Ich hab mich auch oft mit Maggie Peren, der Drehbuchautorin, und Marc Rothemund, dem Regisseur, getroffen und wir haben über das Drehbuch gesprochen. Wir hatten verschiedene Lesungen und haben auch über Änderungen gesprochen. Oder über Ideen, die man vielleicht umsetzen könnte. Das ist die Hauptvorbereitung.

Hast du einen persönlichen Bezug zu dem Thema? Gab es da ähnliche Fälle in deiner Familie oder deinem Bekanntenkreis?

Elyas: Gott sei Dank nicht.

Lenny bekommt mit, dass ein Mädchen in dem Kinderhospiz stirbt. Wie reagiert er auf die Umgebung mit den schwerkranken Kindern?

Elyas: Er sieht da zum ersten Mal, dass es ernst ist und dass es kein so ein Spiel ist, wie er sich das vorgestellt hat. Oder dass er sich dachte, dass er da einfach so ein bisschen reinrauscht und ein bisschen Zivi spielt. Und dann geht er halt wieder, wenn Papa nicht mehr sauer auf ihn ist. Er merkt: Das hier ist wirklich endlich. Die Kinder sterben wirklich hier in diesem Hospiz. Und vermutlich wird es dem Jungen, um den er sich kümmern soll, auch irgendwann so gehen. Ich glaube, das ist auf jeden Fall so ein Knackpunkt für ihn, wo er merkt, dass er sich jetzt entscheiden muss.

Ist dir eine persönliche Entwicklung des Charakters, den du spielst, bei der Rollenauswahl wichtig?

Elyas: Das ist das Wichtigste. Das Geheimnis ... Der Inhalt jeder guten Komödie, jedes guten Drehbuchs ... ist, dass der Held eine Reise durchmacht. Das ist ja das, was man sehen möchte.

Hast du deshalb diese Rolle angenommen?

Elyas: Unter anderem ja. Ich fand die Geschichte sehr spannend. Ich fand das toll zu erzählen, dass sich zwei so gegensätzliche Menschen annähern und sich die zwei so völlig unterschiedlichen Leben auf einmal so vereinbaren lassen. Ich fand es einen sehr berührenden Plot und eine berührende Geschichte und hatte eben total Lust auf dieses Buch.

Was ist der Moment bei Lenny, in dem es „klick“ macht?

Elyas: Das ist eine Summe aus vielen Momenten. Der Tod des Mädchens in dem Hospiz, die Narben, die er bei dem Jungen sieht, wie der Nachbar mit dem Jungen umgeht, dass die Mutter des Jungens auch echt anstrengend ist. Das sind ja alles Dinge, die in ihm immer wieder ein neues Aha-Erlebnis hervorrufen. Und ihn merken lassen, dass das alles echt viel krasser ist, als er es sich vorgestellt hat und ganz andere Dimensionen hat.

Wie würdest du die Beziehung zwischen Lenny und Davids Mutter beschreiben?

Elyas: Sie wird zu einer Art Freundin. Sie ist eigentlich der Gegenpol zu ihm. Das braucht es aber wahrscheinlich auch. Sie ist diese beschützende, ganz gluckenhafte Mutter, während er halt der coole Onkel ist. Ich glaub, die Mischung aus beidem macht's dann aus. Es ist wichtig, dass die Mutter so aufpasst, weil sonst würde Lenny wahrscheinlich auch über die Stränge schlagen.

Welche Szene war die härteste Szene für dich?

Elyas: Es gab gar keine härteste Szene. Da mach ich mir keine Gedanken drüber. Es gibt keine härteste Szene und keine größte Herausforderung. Ein Film ist immer 'ne Herausforderung. Ich seh das immer als Ganzes. Es gibt nicht die spannendste, die lustigste, die witzigste, die krasseste oder die härteste Szene. Es gibt 'nen guten Film oder 'nen schlechten Film.

Lenny arbeitet gemeinsam mit David eine Liste Wünsche ab. Hast du auch eine Bucket-List?

Elyas: Nein, hatte ich nie.

Glaubst du an die Kraft von Wünschen bei schwerkranken Kindern? Dass Wünsche bei der Genesung helfen können?

Elyas: Ja, schon. Ich glaube generell, dass Wünsche oder Träume wichtig sind. Dass man sich Dinge visualisiert, vorstellt und vornimmt. Und oft arbeitet man dann ja auch unbewusst darauf hin. Wenn man sich das wirklich vornimmt, dann erreicht man diese Dinge auch oft.

Wo geht es jetzt für dich weiter?

Elyas: Ich hab noch gar keine Pläne für nächstes Jahr. Muss ich mir alles in Ruhe mal überlegen. Das ist immer 'ne Bauchsache bei mir. Für mich ist es unerheblich, ob ich in einer Komödie oder einem Drama spiele. Für mich ist der Film wichtig und ob ich die Geschichte des Films interessant finde. Ich weiß, Leute wollen oft an diesen Stempel gehen. Das liegt natürlich unter anderem an „Fack ju Göhte“ und den Filmen, die am bekanntesten sind. Aber ich für meinen Teil habe eigentlich schon alles gemacht und fühle mich da nirgends wirklich zu Hause. Ich glaube, dass ich mir auch alles zutraue weiterhin und auch weiterhin die Art Filme machen werde, auf die ich Lust habe.

Hättest du auch Ambitionen etwas hinter der Kamera zu machen?

Elyas: Warum ... Es gibt so viele gute Regisseure und Drehbuchautoren. Ich finde, man muss dann schon bei dem bleiben, was man kann oder was man macht. Man muss nicht immer auf allen Hochzeiten tanzen.

Quelle: Noizz.de

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