Buschbrände, sterbende Koalas und dazwischen Lagerfeuer und Promis, die Kakerlaken essen?! Beim Trash-C-Promi-Format scheiden sich die Geister.

Es ist wieder so weit: Das RTL-Dschungelcamp startet am heutigen Freitag. Zwölf C-Promis, die entweder ganz dringend Geld, Aufmerksamkeit oder beides brauchen oder auch einfach nur nicht vergessen werden wollen, folgen dem abstrusen Konzept eines Fernsehsenders und lassen sich gut zehn Tage im australischen Dschungel einsperren. Dabei müssen sie allerhand Aufgaben erledigen: sich im Schlamm wühlen, über Flüsse krakseln oder aber irgendwelche Tiere wie Spinnen und Co. essen – manchmal eben auch Känguru-Hoden.

Das wäre an sich eigentlich schon Grund genug, das Ganze an sich zu hinterfragen, gleichzeitig ist dieses TV-Experiment aber auch herrlich faszinierend. Die Gruppendynamiken! Der Klatsch und Tratsch! Der Voyeurismus! In diesem Jahr muss das Dschungelcamp aber noch eine ganz andere Challenge meistern.

Darf man über Känguru-Hoden debattieren, während Australien brennt?

Im australischen Bundesstaat New South Wales, einige hunderte Kilometer entfernt vom RTL-Dschungelcamp, wüten seit Oktober die Flammen. Es sind die schwersten Buschbrände aller Zeiten. Sie zerstören hektarweise einzigartige Natur, töten Tausende Kängurus, Koalas, Millionen andererTierarten – und kosten auch Menschen ihre Existenz, 26 von ihnen sogar das Leben.

Klar, dass ein Unterhaltungsformat wie "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" für Kontroversen sorgt. Sogar die Politik hat sich eingeschaltet. Der SPD-Bundestagspolitiker Karl Lauterbach appellierte etwa via BILD an RTL, das Camp in diesem Jahr abzublasen und sagte: "Das Ganze erinnert an den Tanz auf dem Vulkan.“ Auch einige ehemalige und sogar aktuelle Dschungelcamper brachten sich in die Diskussion mit ein.

Die Schauspielerin Ingrid van Bergen, immerhin Dschungelkönigin von 2009, sagte derZeitung ebenfalls: "In die absolute Katastrophe passt jetzt keine solche Spaßsendung." Ex-GZSZ-Schauspieler Raul Richter meldete sich kurz vor seinem Einzug ins Camp aus Brisbane auf Instagram: "Mir zerreißt es das Herz.“

Aber es gibt auch eine andere Seite

RTL selbst versucht die Situation zu relativieren und schickt jemanden, der es bestens wissen muss, in die mediale Debatte: "Dr. Bob". Wie viele Australier, die selbst von den Bränden betroffen sind, verdiene er mit der Show Geld – so wie viele andere Australier. Sie hätten gesagt: "Egal, ob das Dschungelcamp stattfindet oder nicht – es löscht die Brände nicht." Dr. Bob selbst habe bereits sein Haus räumen müssen und hoffe, dass es nicht abbrenne.

Aus seiner Sicht könne das Camp vielleicht sogar Gutes bewirken und Aufmerksamkeit auf die Katastrophe vor Ort lenken. Raul Richter etwa hat vor, im Camp über den Klimawandel zu sprechen. Ein RTL-Sprecher betont: "Wir nehmen die Situation in Australien sehr ernst. Wir haben uns auch mit teils direkt betroffenen australischen Crewmitgliedern ein persönliches Bild von der Situation gemacht. Die Buschbrände werden in der Sendung thematisiert."

Zudem hat der Sender einige Sicherheitsvorkehrungen ergriffen und die Sendung auf die aktuellen Brände hin angepasst. Raucher dürfen nur rund um die Kochstelle zur Zigarette greifen und müssen die Stummel in einer abschließbaren Box entsorgen. Es gibt ein Spezialfeuerzeug – und kein Lagerfeuer. Zum ersten Mal in der Geschichte der Show wird auf einem Campingkocher gebrutzelt und nicht über offenem Feuer.

Das Gebiet, auf dem das Dschungelcamp stattfindet, ist mehrere Hundert Kilometer von den aktuellen Brandherden entfernt. Auch deshalb sehe RTL keine Gefahr für die von Daniel Hartwich und Sonja Zietlow moderierte Sendung. Auch die Moderatorin verteidigte, dass die Sendung stattfindet.

"Unsere australischen Kollegen sind mehr als dankbar, ihren Job bei IBES nicht (auch noch) zu verlieren!", schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite. "Diese Arbeit sichert ihnen nicht nur im Januar gutes Einkommen."

>> Australien brennt: An diese 11 Organisationen könnt ihr spenden

Klar, das Dschungelcamp ist per se eine Sendung, die man hinterfragen muss. Abzuwarten bleibt, wie RTL mit dem Thema schlussendlich in der Sendung selbst umgehen wird.

Auch interessant:

>> Buschbrände in Australien: Mehr als eine Milliarden Tiere getötet

>> Sex-Podcasterin Leila Lowfire geht ins Dschungelcamp

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de