Acht Minuten Sadomaso-Poesie.

Dieses Musikvideo will eigentlich ein Film sein. Das ist bei Musikvideos ja nichts Neues: Mittlerweile gehören ursprüngliche Musikvideoregisseure zu den besten Filmemacher der Welt – siehe Anton Corbijn.

Aber Drangsal will mit seinem Clip „Eine Geschichte/Und du? Vol. II“ keinen Zweifel aufkommen lassen – es gibt sogar einen „Prolog“, der dem Machwerk einen epischen Anstrich verschaffen soll. (Einmal ganz abgesehen von der filmischen Einblendung der Titel samt Zelluloid-Optik.)

Es treten auf: Drangsal, der namhafte Bildende Künstler Daniel Richter, die Schauspieler Lars Eidinger, Yasmin El Yassini und viele mehr. Regie führt Maximilian Wiedenhofer.

Man sieht: Drangsal liegt in einem katholischen Hospiz inklusive gutaussehender Nonne. Eidinger tritt in sein Zimmer, zieht ihm die Decke weg, entblößt Drangsals bestrapste Beine, streichelt ihm sanft über die Wange, nimm dann das Kissen und erstickt ihn.

Man sieht auch: Drangsal der eine gutaussehende Frau übers Knie legt und versohlt, Drangsal, der von der gutaussehenden Frau übers Knie gelegt und versohlt wird, Drangsal, der sich in den Schoß der gutaussehenden Nonne schmiegt, Drangsal, nackt, inmitten nackter Frauen, die sich über seinen Kopf hermachen („Gegen die Decke meines Schädels schlägt ein Spalier junger Mädels“), Drangsal inmitten nackter, gutaussehender, junger Männer mit Kerzen („Gegen die Wände meines Herzens halten hundert junge Jungs heiße Kerzen“).

Drangsal und die Frauen

Der Doppel-Song wirft natürlich mehr Fragen auf, als er beantwortet. Auf seiner Oberfläche liefert er eine Liebes- wenn nicht gar Lebensgeschichte, die mit atemraubender Rache endet. Vorbereitet wird dieser Racheakt mit dem „Lacrimosa“ aus Mozarts Requiem, dem letzten Satz des „Dies irae“ – des „Tags des Zorns“ oder Jüngsten Gerichts.

Im weißen Anzug

Am Ende des eigentlichen Musikvideos erklingt wieder Alte Musik: ein mehrstimmig gesungener Choral, a cappella, Experten werden ihn zu benennen wissen. Im Krankenhausbett liegt wieder Drangsal, an der Wand über ihm hängt das Porträt, das Daniel Richter von ihm gemalt hat: Er, im Rollstuhl, im weißen Anzug.

Das Schlussbild

PS: Auf dem Instagram-Account von Regisseur Maximilian Wiedenhofer gibt es schöne Behind-the-scenes-Pics!

Und Drangsal selbst hat auch ein paar schöne Bilder gepostet:

Quelle: Noizz.de