Sollte es bald eine „GNTM Kids-Edition“ geben, würde uns das nicht wundern.

Rund 7500 Menschen passen in den ISS Dome in Düsseldorf. Und beim Finale der diesjährigen Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ war die Halle bis unter die Decke voll besetzt. NOIZZ war live dabei - und während unseres Besuchs beim GNTM-Finale haben wir einige Dinge gelernt! Über die Show. Das Leben. Und Ticketpreise.

Das Finale wurde aus dem Düsseldorfer ISS Dome übertragen Foto: dpa picture alliance

1. Es geht nicht ohne Fotos

Für alle Zuschauer im ISS-Dom gilt ein striktes Handyverbot: Es gab ja vor ein paar Jahren die Bombendrohung, heißt es von den Veranstaltern. Wer jetzt allerdings denkt, die Fans lehnen sich seufzend zurück und genießen das Finale eben ohne Selfies, aber dafür mit allen Sinnen: Fehlanzeige! Heutzutage scheint schließlich zu gelten: Hab ich es nicht fotografiert, dann habe ich es auch nicht erlebt! Ein Foto muss ran. Um jeden Preis. Das merken besonders die Journalisten vor Ort. Die dürfen aus Arbeitszwecken ihre Smartphones dabei haben. Aber sobald jemand von der Presse sein Handy zückt, kommt ein Schwarm GNTM-Fans angestürmt (ja, gestürmt!), und bittet mit großen Augen um ein Foto. Was man doch per Mail schicken könnte! Oder über WhatsApp! Oder auf Instagram! Hauptsache ein Foto! Also fotografieren viele Journalisten erstmal weniger die Location, als GNTM-Fans. Trotzdem fragt man sich – wie wichtig kann ein Foto denn sein? Letztendlich sieht man auf den Bildern auch nicht viel mehr als die Veranstaltungshalle und ein riesiges, leuchtendes GNTM-Logo. Ob die Leute sich das in die Küche hängen wollen? Für Begeisterung sorgen die Bilder trotzdem. Anscheinend geht es einfach nur darum, irgendein Beweisbild zu haben. Nicht, was letztendlich drauf ist.

2. Die größten Fans der Show sind nicht Teenies – sondern Kinder

„Mensch, wenn die Mama deinen Walk gesehen hätte, da wäre die ja hin und weg!“, sagt ein begeisterter Vater zu seiner kleinen Tochter. Das Mädchen ist gefühlt neun Jahre alt und trägt ein Glitzerkleid. Sie strahlt über das ganze Gesicht. GNTM ist ein Teenie-Ding? Denkt man vielleicht, aber irgendwie wirkt das im ISS Dome in Düsseldorf anders. Überall sind Eltern mit ihren Kindern unterwegs, die eindeutig im Grundschulalter sind. Was sie – oder die Eltern nicht davon abhält, sich zu schminken, Pumps zu tragen und sich Locken einzudrehen. In einer der Werbepausen ruft der Moderator alle Mädchen auf die Bühne, die noch jünger sind als 16 Jahre und darum nicht an der Show teilnehmen können. Sie dürfen „jetzt mal für Heidi laufen“. Das Gedränge ist groß, auf die Bühne schaffen es nur wenige Kinder. „Das ist doch nicht gesund“, murmelt eine junge Frau im Publikum in sich hinein. Und das nicht nur auf die Fußgesundheit der Kinder bezogen, die hohe Schuhe tragen.

Heidi Klum im Glitzeranzug Foto: dpa picture alliance

Eines der Mädchen ist acht Jahre alt. Sie piepst ins Mikrofon, dass sie einmal gern Topmodel werden möchte. Als die Kinder von der Bühne kommen, nehmen die Eltern sie begeistert in Empfang. Was ist mit dem bedenklichen Frauenbild, das GNTM vermittelt? Wie die Inszenierung von jungen Frauen als ewige Konkurrentinnen? Minderjährige, die ständig natürliche Emotionen wie Angst und Ekel unterdrücken müssen, weil es ihnen von einer Jury angeordnet wird? Oder die Darstellung von überschlanken Modelkörpern als Normalität statt Ausnahme? Die stereotype Darstellung von Frauen? Scheint irgendwie keinen zu jucken. Das Mindset ist eher: „Ach was, lasst die Kinder doch Spaß haben und Topmodel spielen“. Nur: Hört der Spaß nicht auch irgendwann mal auf? Als die Kinder über die GNTM-Bühne laufen, wirkt es für einen kurzen Moment, als würde so etwas wie eine „GNTM Kids Edition“ geben. Ein Gedanke, der einem einen kalten Schauer über den Rücken jagt.

3. Der GNTM-Hype bleibt ungebrochen

„Wir haben 800 Euro für die Karten bezahlt“, erzählen eine Frau und ihre Tochter. Moment – was?! Für zwei Personen? Das ist doch ein Scherz. „Nein, wirklich 800 Euro. Nicht offiziell, wir haben die Tickets jemand abgekauft“, versucht sie den Preis zu erklären. Bei einem Blick auf ihre gut zehnjährige Tochter würde man am Liebsten fragen, ob der Typ, von dem sie die Tickets haben, keine Kinderpreise hatte. Oder wenigstens Schüler-Rabatt. Nachprüfen kann man die Behauptung nicht. Viel zu schnell sind die beiden wieder verschwunden. Eine andere Frau berichtet von Ticketpreisen von 225 Euro, andere sagen, sie hätten von Schnäppchen für 30 Euro gehört. Aber diese Begegnungen zeigen: Irgendwie ist der Hype um GNTM ungebrochen. Wenn Menschen selbst nach 13 Staffeln tatsächlich noch bereit sind, für eine GNTM-Finale-Karte soviel auszugeben wie für die monatliche Miete einer Ein-Zimmer-Wohnung, muss ProSieben sich in den nächsten Jahren anscheinend keine Sorge um seine Sendung machen. Oder zumindest nicht um die Ticketverkäufe für das Finale.

4. Autogramme sind immer noch in!

„Psst! Wer ist das eigentlich?“, fragt ein Mädchen ein anderes. Sie stehen in einer Schlange von aufgeregten Mädchen und Teenagern, die sich von einem blonden Typ Autogramme geben lassen. „Weiß ich auch nicht. Irgendein YouTuber glaube ich. Aber ein Autogramm will ich trotzdem“, antwortet das andere Mädchen. Autogramme scheinen ihre magische Anziehungskraft nicht verloren zu haben, auch nicht in der Generation Selfie. (Ok, zugegeben, niemand durfte auch ein Handy dabei haben.) Aber der Autogramm-Zauber scheint trotzdem die Generationen zu überdauern.

NOIZZ hat übrigens in knallharter, investigativer Recherche herausgefunden, um wen es sich bei dem jungen Mann handelte („Hey, wer bist du eigentlich?"): Luca aka Concrafter, tatsächlich ein YouTube-Star.

5. Fremdschämen scheint langsam out zu sein! Zumindest… irgendwie.

Wow. Was gab es bei den vergangenen Final-Shows an Fremdschäm-Potential. Eine singende und tanzende Heidi Klum im Glitzer-Body. Eine „GNTM Award“-Verleihung in x Kategorien, unter anderem für „Beste Shooting-Performance“ und für „Personality“. Und lauter solche Ideen, die die Kommentarspalten voller Spott glühen ließen. Irgendwie schien das in diesem Jahr besser zu laufen. Na klar, es ging ordentlich kitschig zu: Am Anfang trat ein Zauberkünstler auf. Später regnete es Konfetti, Lametta, Glitzer und Co. in Strömen.

Rita Ora trat beim Finale mit ihrem neuen Song "Girls" auf Foto: Marcel Kusch / dpa picture alliance

Aber es gab auch Momente, die wirklich stark waren: Wie zum Beispiel der gemeinsame Auftritt der Kandidatinnen mit Dragqueens, samt Regenbogenflagge und Tänzen und leuchtend-bunten Kostümen. Es wird viele geben, die die Nase rümpfen und sich beschweren, GNTM wolle damit vorspielen, eine tolerante Sendung zu sein. Aber schaut man auf die vergangenen Jahre zurück, wird klar: Das war vielleicht einer der besten Fernsehmomente der GNTM-Finalshows in den letzten Jahren. Ist natürlich Geschmacksfrage. Und um den „Personality“-Award kamen wir auch dieses Jahr leider nicht drum herum. Aber über den tröstete dann wiederum Rita Oras Performance ihres neuen Songs „Girls“ hinweg, indem sie offen über Bisexualität singt. Also im Vergleich mit den letzten Jahren: Ein Finale mit weniger Fremdschäm-Potential und stattdessen einigen wirklich schönen Momenten. Möge es so bleiben!

„Germany's Next Topmodel“ 2018 ist übrigens..... Toni geworden!

Toni ziert das neue Cover der deutschen Harper‘s Bazaar Foto: Marcel Kusch / dpa picture alliance

Quelle: Noizz.de