Es fällt auf, wenn eine Frau ganz oben mitspielt.

Auf jeden Fall im männerdominierten Kosmos der Techno und House-DJs. Sexismus ist (auch) in der Szene keine Seltenheit, denn Frauen werden gerne mal für den „Frauen-Faktor“ gebucht. Möglichst hübsch und heiß sollten sie schon sein. Ob sie dann gut auflegen oder sogar produzieren können, ist eine ganz andere Frage.

Viele Frauen hassen den Begriff „DJane”, weil er unprofessionell und irgendwie billig klingt. Sie wollen eben nicht gegendert, sondern ernst genommen werden. Deswegen vermeiden wir das hier auch.

Unfassbar, aber wahr: Bei der User-Abstimmung von „Resident-Advisor“, eines der bekanntesten Onlinemagazine für elektronische Musik, sind dieses Jahr nur SIEBEN Frauen unter den Top 100.

NOIZZ hat ein Ranking erstellt und sich bei „Resident Advisor“ (User-Abstimmung 2017) und „thedjlist.com“ orientiert, sowie nach der Relevanz in Deutschland geschaut und selbst subjektive Cluberfahrung hinzugezogen.

Dabei gibt es 10 Namen, die du als Clubgänger mal gehört und gesehen haben musst, denn diese Frauen verstehen was von ihrem Handwerk:

Magda

Sie war der erste DJ, den ich bewunderte und in einem Berliner Club auflegen sah. Ich war fasziniert von ihrem straighten, minimalen, aber treibenden Sound. Es war die erste Party des Labels Items & Things im damals noch unbekannten „Prince Charles“. Dass sie mal mit Richie Hawtin zusammen war, in Detroit lebte und seit 20 Jahren auflegt, wusste ich 2010 noch nicht. Auch als „Queen of Minimal“ hat sie sich einen Namen gemacht. Sie lebt in Berlin und betreibt seit 2017 das neue Label „Perm“ mit dazugehöriger Underground-Party-Reihe.

Tini

Dass Tini mal die großen Bühnen weltweit bespielt, hätte sie selbst nie gedacht. Die Münchenerin hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Mit Loco Dice hatte sie über viele Jahren einen der besten DJs der Welt als Förderer. Für housigen Sound ist sie bekannt, groovig aber nicht verschnörkelt. Etwas härter kann sie aber auch spielen, wenn sie als Headliner auftritt. Die Morgenstunde gehören ihr.

Paula Temple

Die gebürtige Londonerin gehört schon lange nicht mehr zu den Geheimtipps. Auftritte bei Awakenings, im Berghain oder im Tresor sprechen für sich – sie ist seit Jahren eine feste Technogröße. Sie hat sogar einen der ersten Midi-Controler für DJs mitentwickelt. Paula Temple steht für technoiden, harten Sound mit treibenden Elekronikaflächen. Sie releast ihre Tracks auf dem renommierten Label R&S.

Ellen Allien

Sie ist Berlinerin und aus der Techno-Landschaft nicht wegzudenken, da sie seit Jahrzehnten dabei ist. Auch wenn sie nur mittelmäßig auflegt, was man auf zahlreichen YouTube-Videos hört und sieht. Bei einem ihrer Gigs in Leipzig, war ich dabei und entsetzt von ihren Übergängen. Vielleicht hatte sie auch nur einen schlechten Tag. Aber sie hat ein Händchen für fette Tracks und große Künstler. Als Labelchefin von BPitch Control hat sie einst Paul Kalkbrenner groß rausgebacht.

Nicole Moudaber

Die Libanesin, die mittlerweile in London lebt, ist für treibenden, härteren Tech-House bekannt - absolute Party-Peak Musik. Sie spielt weltweit, hat auf dem Coachella Festival aufgelegt und ist vor allem auch für gute Tech-House Produktionen bekannt, zum Beispiel releaste sie auf Carl Cox’s Label Intec und auf Drumcode.

Miss Kitten

Die gebürtige Französin legt seit 1996 auf, allerdings ist sie mittlerweile mehr für ihre Produktionen bekannt. Als DJ spielt sie vor allem Industrial Techno oder Electronica. Seit 2001 hat sie fast jedes Jahr ein Album veröffentlicht, viel ihrer Songs wurden zu grandiosen Features und Remixen, da ihre Vocals einzigartig sind. Sie ist eine Legende auf ihrem Gebiet.

Rebekah

Ja, sie hat mal als Model gearbeitet. Aber, das Bild wird schnell über den Haufen geworfen, wenn man ihre technoiden DJ-Sets hört. Sie spielt gern in düsteren Clubs zu sehr später Stunde. Rebekah legt in allen großen Techno-Clubs weltweit auf. Mit 17 begann sie mit dem Auflegen und ist jetzt festes Crew-Mitglied des Labels CLR.

Charlotte de Witte

Peak-Time-Sound ohne Schnörkel. Dafür steht Charlotte de Witte. Sie spielt weniger technoid, dennoch schafft sie den gradlinigen Club-Mix aus Techno und House ohne ins Mainstreamige abzurutschen. Ob Ibiza, Berlin, New York oder Paris. Mit 24 Jahren ist die Belgierin mit Abstand die Jüngste in diesem Ranking. Ihre Karriere geht steil bergauf.

Meggy

Die 26-Jährige Berlinerin produziert ihre eigenen Songs und legt international auf. Mit ihren einprägsamen, souligen Vocals gibt sie vielen House-Tracks eine Stimme. Auf Cocoon, Defected und Suol hat sie bereits released. Mit Letzterem hat sie ein Label, was musikalisch eine Fusion aus Deep House, R'n'B und Pop bildet. Sie ist allerdings auch der einzige weibliche DJ bei ihrem Label.

The Black Madonna

Sie ist der Newcomer in meinem Ranking. Mit 37 Jahren ist sie zwar kein Küken mehr, dennoch ist ihre Karriere erst in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt. Musikalisch weniger technoid, sehr housig sogar, dennoch nicht cheesy. Die Amerikanerin hat jetzt auch Europa erobert und spielte sogar im Boiler Room. Ihr Engagement in der queeren Szene macht ihr außerdem auch so schnell niemand nach.

Warum Nina Kraviz nicht dabei ist, die mit Abstand die meisten Likes hat (1,1 Mio.):

Klar, Nina Kraviz ist schön und – ja – auch ich hatte Vorurteile, dass es sich bei ihr nur um ein Püppchen handelt. Sie legt Techno auf, sogar ziemlich harten, berghainlastigen Sound. ABER: Sie beherrscht definitiv ihr Handwerk. Ihre kurzen Röcke sind aber irgendwie bemitleidenswert, da sie sich auch darüber definiert und eben nicht nur über ihren Sound. Zu dem ist sie keine Produzentin, was alle anderen DJs in diesem Ranking definitiv sind.

Quelle: Noizz.de