Uns ging's dabei jedenfalls ziemlich gut – bei der Europa-Premiere der neuen „Shades of Grey“-Verfilmung in Hamburg ...

Was soll man noch über „Fifty Shades of Grey” schreiben? Es wurde doch schon alles gesagt. Dass die Verfilmungen ein bescheidener Versuch sind, das grauenhafte Buch glatt zu bügeln. Dass SM pathologisiert und als Krankheit beschrieben wird, von der man(n) mit ganz viel Liebe geheilt werden kann. Dass die Geschichte ein Abgesang auf die emanzipierte Frau ist.

Das alles stimmt und müsste in einer ehrlichen Kritik von „Fifty Shades of Grey. Gefährliche Liebe“ – der Verfilmung des zweiten Buches – stehen.

Doch das hier ist keine klassische Filmkritik. Sondern der Versuch, sich dem Film mit Hilfe eines Trinkspiels zu nähern.

Die Utensilien

Unser Alkohol: Wodka-Maracuja. Wodka-Rhabarber, Caipi und Sex on the Beach Foto: Katja Belousova / Noizz.de
  • Verschiedener Alkohol, gerne Schnaps-Mischen und harten Schnaps
  • Schnapsgläser
  • Bullshit-Bingo

Die Regeln

Das professionelle NOIZZ-Bullshit-Bingo! Foto: Noizz.de

Man trinkt sich den zweiten Film aus der „Shades of Grey“-Reihe mit Hilfe des Bullshit-Bingos einfach schön. Denn betrunken ist der Film viel erträglicher. Getrunken wird immer dann, wenn eine der Bullshit-Kategorien erfüllt wird. Bei einem Bingo trinkt man das extra harte Zeug – oder einfach zwei normale Shots.

Die Erwartung

Anastasia (Dakota Johnson) beißt sich gerne in die Lippe Foto: Universal Pictures / Universal Pictures

Das Bullshit-Bingo entstand auf Grundlage des ersten Films. Und der entfaltet seine cineastischen Glanzmomente immer dann, wenn die völlig verschüchterte Anastasia abwechselnd auf Stiften oder ihrer Lippe kaut, Bonze Christian Grey sie stalkt und beschenkt und die beiden den unrealistischsten Sex ever haben.

Liebe Jungfrauen aufgepasst: Es ist NICHT normal, beim ersten Mal gleich drei Mal zu kommen – und das nur, weil er deinen Namen sagt. Von der unrealistische Sadomaso-Darstellung ganz zu schweigen.

Also erwartet man im Kino: viel Kauen, viele Orgasmen, viel Alkohol.

Der Film

In der ersten Szene wird noch nicht getrunken. Denn am Anfang gibt’s einen Rückblick auf Christians verkorkste Kindheit mit seiner Crack-Huren-Mum.

Sie ist auch der Grund für seine kranke SM-Seele. Die Küchen-Psychologie von „Shades of Grey“ ist genauso hohl wie das Buch selbst. Denn es tut so, als ob Menschen die eine Vorliebe für SM haben, krank sein müssten.

Aber zum Glück gibt es Retterin Ana, die den SM-Tiger zum Blümchensex-Kätzchen umerzieht.

Larissa und ich haben das Trinkspiel bei der Europa-Premiere von „Fifty Shades of Grey. Gefährliche Liebe” ausprobiert Foto: Larissa Königs / Instagram

Direkt danach geht es aber los: Lippe kauen, unterwürfig Gucken – Anastasia alias Dakota Johnson ist ganz in ihrem Element. Und weil der eigentliche Konflikt des Films – die Trennung von Ana und Christian – nach fünf Minuten schon gelöst ist, kann drauf losgetrunken werden.

Denn eine richtige Geschichte gibt es zwischen dem ganzen Sex nicht, und die Bettszenen decken gleich mehrere Kategorien des Bingos ab – unrealistischer Sex, theatralisches Stöhnen, Christian oben ohne, Po versohlen – die Leber freut's.

Unzählige Shots später ...

... ist das kurzweilige Gefummel auch schon vorbei. Der Film endet mit der meeeega romantischen Verlobung von Ana und ihrem gezähmten Christian im Kreis seiner Familie. Inklusive Feuerwerk und Anastasias lüsternem Ex-Boss, der hasserfüllt auf die glückliche Gesellschaft blickt. Das nennt man wohl einen gelungenen Cliffhanger für Teil drei.

Die Highlights

Larissa macht einen auf Anastasia – man schaue auf die Lippe Foto: Larissa Königs / Instagram

Im alkoholischen Sinne: natürlich die Sexszenen. Inhaltich: Anastasias sehr glaubwürdiger Aufstieg von der Assistentin mit null Erfahrung zur Cheflektorin eines Verlags – und das in gefühlt drei Wochen. Da sage mal einer, dass die arbeitende Frau in „Fifty Shades of Grey“ nicht repräsentiert wird!

Untenrum: Christian steckt Ana Liebesperlen in die Vagina. Sie hatte zuerst schon Angst, dass die Dinger in ihren Hintern sollen. Allgemeine Erleichterung. Anastasia stöhnt schon beim Ausziehen des Schlüpfers dramatisch auf. Der Alkohol fließt.

Die Enttäuschung

Christian Grey (Jamie Dornan) ist plötzlich ganz handzahm Foto: Univesal Pictures

Streng genommen alles. Aber der Alkohol macht gnädig. Dass Anastasia im zweiten Film nicht mehr an Stiften rumkaut, ist aber schon ein Wermutstropfen – vor allem für das Trinkspiel.

Ein bisschen enttäuschend ist auch Christians 180-Grad-Wendung vom bösen Buben zum über beide Ohren verliebten weißen Ritter. Zum Glück behält er seine krankhafte Eifersucht bei – beim Punkt Stalking gibt es also wie im ersten Film einiges zu trinken.

Fazit

Dieses „Fifty Shades of Grey“-Trinkspiel ist nichts für schwache Lebern. Der Alkohol fließt und am Ende torkelt man selig aus dem Kino. Weil man die ganze Zeit trinkt, ist es völlig egal, dass der Film weder eine Geschichte noch irgendeinen cineastischen geschweige denn intellektuellen Mehrwert hat.

Den Eintrittspreis ist der Film aber auf keinen Fall wert. Deswegen einfach warten bis „Fifty Shades of Grey. Gefährlich Liebe“ bei eurem Streamingdienst des Vertrauens läuft – und dann lustig drauf lostrinken. Prost!

Quelle: Noizz.de