Die NOIZZ-Redaktion hat den YouTube-Star bei einem Promo-Termin getroffen – und dabei doch mehr mit ihrem Management diskutiert.

Liebe Bibi,

dir gebührt Respekt. Du bist das Idol von Millionen junger Mädchen. Du hast eine Erfolgsgeschichte geschrieben: Von der YouTuberin zur Geschäftsfrau mit sechsstelligem Monatsgehalt. Was du anfasst, ist erfolgreich – und sei es ein „Musikvideo“.

Dafür hast du zwar ähnlich viel Hass abbekommen wie die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“. Aber gleichzeitig hat der Clip schon rund doppelt so viele Klicks wie dein zweiterfolgreichstes Video. Und mit jedem Klick verdienst du Geld.

Du vermittelst durchaus glaubwürdig, dass dich die Kritik an deinem Ausflug ins Musik-Geschäft nicht juckt. Stattdessen engagierst du dich nun lobenswerterweise öffentlich für eine Initiative gegen Cybermobbing.

Und gleichzeitig stellst du ein Hologramm im Madame Tussauds vor. Für andere Prominente reicht es dort nur zu einer Wachsfigur. Das Hologramm sieht nach Zukunft aus. Du hast also mal wieder alles richtig gemacht – fast zumindest.

Denn eine Sache ist uns aufgefallen. Und die finden wir doof: Auf deinem Weg hast du anscheinend deine Authentizität verloren.

Bei eben jenem Promo-Termin im Madame Tussauds in Berlin haben wir dich getroffen. Mit den Organisatoren hatten wir abgesprochen, dass wir mit dir ein zehnminütiges Live-Interview auf Facebook führen können. Ein Gespräch über dein neues Hologram – und auch über die Kritik an deinem Song.

Aber schon während wir auf unsere Audienz warten, bekommen wir zu Ohren: „Lieber keine kritischen Fragen stellen, sonst könnte das Interview schnell vorbei sein.“ Letztendlich wird uns eine Viertelstunde vor unserem Termin mitgeteilt: Bibis Management will keine Live-Aufzeichnung.

Wir haken bei deinem Manager Timo nach. Seine Erklärung: „Machen wir eben nicht, ihr bekommt das auch so hin.“

Wir wissen, was ihr damit bezwecken wollt: Bloß keine Kontrolle abgeben. Bei einer Aufzeichnung kann man nach jeder Frage unterbrechen. Bei einem Live-Auftritt hingegen kann kein Wort zurückgenommen werden. Als wir dann schließlich mit dir sprechen, bist gut vorbereitet und hast auf alles eine kluge Antwort.

Soweit, so unspektakulär. Weshalb das bei einem Live-Video hätte anders laufen sollen, wird uns nicht ganz klar.

Und wir stellen uns gleichzeitig die Frage: Wo ist die authentische Bibi hin? Die junge Frau, die so viele private Momente aus ihrem Leben (und dem ihres Freunds Julian) in den sozialen Medien teilt?

Die junge Frau, die sich völlig frei von Hintergedanken ihren neuen Schmuck in die Kamera hält und noch dazu zufälligerweise den passenden Link unter das Video setzt? Und dabei mit jeder Kritik so super umgehen kann, wie sie immer wieder betont?

Statt einer lockeren Mittzwanzigerin empfängt uns eine Entourage von einem Dutzend Leuten. Du wirkst sichtlich gestresst von dem Rummel. Dein Freund Julian springt hastig auf, um dir etwas zu trinken zu holen. Du spulst dein Promo-Programm ab und scheinst selber nicht genau zu wissen, was dich dabei erwartet.

Warum begibst du dich in einen solchen Käfig? Offensichtlich entscheidet deine Agentur „Check One Two Perfect“ über einen Großteil deiner Schritte. Übrigens eine Agentur, die von Jan Böhmermann ordentlich Kritik einstecken musste. Dir scheint das egal zu sein, solange dein Karriereweg stimmt.

2012 hast du ein erstes Tutorial auf YouTube hochgeladen. Das Thema damals: Haare flechten. Der Grund: Spaß an der Freude. Aber diese „Bibi“ ist mittlerweile gut versteckt. Hinter einer Marke, die vor allem Geld abwerfen soll. Unter größtmöglicher Aufsicht. And that’s just how it is.

Deine NOIZZ-Redaktion

Quelle: Noizz.de