Gute Unterhaltung zwischen Poesie und Pimmelwitzen.

Anarchie. Wenn ich Schulz und Böhmermanns Talkshow mit einem Wort beschreiben müsste, dann ist es Anarchie.

Also das genaue Gegenteil davon, was sonst im deutschen Fernsehen unter dem Label Talkshow läuft. Was Schulz und Böhmermann einmal im Monat auf ZDF Neo machen, ist Freiheit, Kontrollverlust, Eskalation.

Die Zutaten für die beste Talkshow in Deutschland: gedimmtes Licht, teurer Whiskey, unverschämte Fragen. Olli Schulz, der gerne Pimmelwitze erzählt. Jan Böhmermann, der gerne Staatskrisen auslöst. Das Paradoxe: Schulz und Böhmermann funktioniert, weil die Show jedes Mal aufs Neue scheitert.

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Das ist schön, weil jeder von uns scheitert. Und das ist anders, weil die üblichen Talkshow-Größen wie Anne Will und Sandra Maischberger genau das verhindern wollen: auf die Fresse fliegen.

Olli Schulz und Jan Böhmermann machen es zu ihrem Konzept. Auch gestern, als sie ausschließlich Moderatoren in ihre Nischen-Show eingeladen haben. Mit Johannes B. Kerner und Sandra Maischberger waren auch zwei Talk-Legenden am Start. Dass die Sendung trotzdem eskaliert, ist der beste Beweis: Olli und Janni machen einen verdammt guten Job.

Der eine, Jan Böhmermann, ist vierfacher Grimme-Preis-Gewinner. Sein Buddy, Olli Schulz, Musiker mit Pippi-Kacka-Humor. Dass sie wie Arsch auf Eimer zusammenpassen, hört man auch ihrem Spotify-Podcast „Fest und Flauschig” an.

Die Fernsehsendung rocken die beiden nicht alleine. Die Vorstellung der Gäste übernimmt Sybille Berg. In klugen, witzigen und teilweise vernichtenden Texten, die sie selbst vorliest. Zur gleichen Zeit schaut der jeweilige Gast direkt in die Kamera. Das fühlt sich ein bisschen an wie bei der Zeugnisvergabe in der Schule. Der Effekt: Die Gäste reagieren unmittelbar auf Bergs Urteil, lächeln nach einem Lob, verziehen das Gesicht, wenn sie Prügel kassieren.

Schulz und Böhmermann sind authentisch. Vielleicht auch, weil die Moderatoren es nicht zulassen, dass Gäste ungestört ihre hundertste Schlager-CD oder das neue T-Shirt-Label bewerben. Viel öfter kommt es dafür zu Dialogen wie diesem hier, der im Online-Teaser zu hören war.

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„Ich bin so gut vorbereitet, dass ich die Mappe nicht einmal aufklappen werde”, sagt Olli Schulz, der links von Sandra Maischberger sitzt. Die gibt gleich Kontra: „Ich hab' sie aufgeklappt und schon festgestellt: Da ist ein Fehler.” „Sie waren gar nicht Chrystal Meth abhängig”, hakt Schulz nach. Maischberger: „Ich bin es immer noch.“ Großes Kino.

Vor einem Monat scheiterten Jan Böhmermann und Olli Schulz allerdings gnadenlos. Das Thema: Rollenbilder. Das Problem: fünf Männer, die über Frauen sprachen. Und eine Frau, Laura Himmelreich, die den beiden Moderatoren schon nach wenigen Minuten sagte: „So wird das nichts, Jungs.“ Als dann noch Uschi-Glas-Sohn Ben Tewaag den Übermacho gab, hatte sich das Thema erledigt. Verkackt.

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Olli Schulz und Jan Böhmermann scheitern, stehen aber nach der Sendung auch dazu. Im Abspann, wenn alle Gäste das Studio verlassen haben, reflektieren sie ihr Programm vor laufender Kamera. Plötzlich ist man mitten in der Selbsthilfegruppe. Zwei blasse Jungen, die offen über ihre Probleme reden.

  • Quelle:
  • Noizz.de