Bevor der Richter die 23-jährige Haftstrafe gegen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein verlas, hatten die zwei Opfer Mimi Haleyi und Jessica Mann noch einmal die Gelegenheit eine Rede zu halten. Dies sind ihre starken berührenden Statements.

Am 11. März war es so weit: Dem New Yorker Weinstein-Prozess wurde ein Ende gesetzt – und was für eins. Zu ganzen 23 Jahren Haft wurde der Hollywood-Produzent wegen seiner sexuellen Übergriffe verurteilt. Die Vorwürfe waren der Anstoß für die große Me-Too-Bewegung, die noch immer ihre Wellen durch die Medien zieht und zahlreiche Prozesse gegen die machtvollen Männer der Filmbranche nach sich zog. Unter den Betroffenen und Schauspiel-Kolleginnen entbrannte gestern nach der Verkündung des hohen Strafmaßes ein Jubel, der auch den beiden Klägerinnen Mimi Haleyi und Jessica Mann dankte.

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Unter Tränen verlasen die zwei Frauen gestern im Gericht ihre finalen Plädoyers und Schlussreden. Wir möchten diese mit euch teilen und den starken Klägerinnen applaudieren.

Mimi Haleyi

Mimi Haleyi und Anwältin Gloria Allred

In ihrer Rede erklärte Mimi Haleyi die Umstände, die sie überhaupt zu dem Produzenten brachten und erzählt, dass sie schon in einer sehr verletzlichen Lebenslage auf Weinstein traf, der bereit war, ihr einen Job zu geben. Im Grunde erklärt sie sehr lange, wieso er soweit kam und weshalb sie sich nicht werte, was deutlich zeigt, wie oft sie als Opfer selbst beschuldigt wurde und unter welchem Druck die Klägerin stand. Mimi beschreibt das Arbeitsklima bereits als belastend, da Weinstein "klar machte, dass ich keinen professionellen Wert für ihn habe".

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"Ich wollte mich nicht wie ein Opfer fühlen"

Als sie schließlich zu dem Abend der Tat kommt erklärt sie: "Ich hatte keinen Grund, ihn nicht zu besuchen. Harvey Weinstein war ja kein Fremder. Er kannte viele Leute, die auch ich kannte. Auch wenn er mir schon einmal Avancen gemacht hatte, die ich ablehnte, gab es keinen Grund zu denken, dass er meine Ablehnung nicht respektieren würde. Ich hatte keinen Grund, in Erwägung zu ziehen, dass er mich mit Gewalt zu sexuellen Handlungen zwingen würde. Doch genau das tat er." Sie erklärt, wieso sie so lange schwieg und wie sie zum Schweigen gebracht wurde.

"Ich wollte mich nicht wie ein Opfer fühlen und erst recht nicht so gesehen werden. Ich habe es vorgezogen, dass die Leute denken, dass dieser erfolgreiche, große Produzent mich respektierte und mochte." Ihre Argumentation zeigt ziemlich deutlich, womit sie sich als Opfer eines sexuellen Verbrechens mit großer Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren herumschlagen musste, denn sie versucht mit jedem Satz sich zu rechtfertigen. Sie hat den Mut, sehr explizit und deutlich über Weinsteins Taten zu reden und ihre Wehrlosigkeit und den Machtverlust ein hoffentlich letztes Mal zu legitimieren.

Jessica Mann

Jessica Mann

Auch Jessica führt erst mal lange aus, warum sie sich verhält, wie sich verhält und erklärt, aus psychologischer Warte, wie ihr Trauma nicht nur ihr Verhalten begründet, sondern wie die psychologischen Folgen in dem Prozess missachtet und angezweifelt wurden. "Ich habe geschworen, hierher zu kommen und die ganze Wahrheit zu sagen, nur um durch Ja- und Nein-Fragen und von vorgesetzten, grob falsch dargestellten Prämissen der Verteidigung, eingeschränkt zu werden." Mehrfach wiederholt sie "Sich zu wehren war nicht möglich." Damit zeigt auch Jessica, wie tief sie das Victim Shaming der letzten Jahre getroffen und vereinnahmt hat.

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Unsichtbare Auswirkungen

"Die Auswirkungen meiner Gesundheit sind unsichtbar, aber das bedeutet nicht, dass sie weniger real sind. Ich könnte Ihnen alle Folgen für meine Gesundheit aufzählen, aber das würde viel zu lange dauern, und ich bin nicht hier, um dem Mann, der meinen Körper bereits gestohlen hat, noch mehr Macht zu geben." Beide litten während der letzten Jahre an den psychischen Folgen der Tat an sich, ebenso an dem harschen Prozess, der sich in die Länge zog und der Ton der Öffentlichkeit, der nicht nur solidarische, empowernde Stimmen beinhaltete, sondern ebenso viel Hass, Erklärungsversuche und Ignoranz beinhaltete. Einer der schwersten Momente in Jessicas Rede, ist der Teil, in dem sie sich an diejenigen richtet, die von den Machenschaften Weinsteins wussten, Fälle nicht ernst nahmen und Frauen sogar dafür verspotteten: "Meine Vergewaltigung war vermeidbar. Es handelte sich um einen bekannten Täter, dessen Verbrechen vertuscht und in einer Akte dokumentiert wurden."

Ein Funken Respekt

Nachdem die zwei Klägerinnen ihre Reden verlasen, wurde Harvey Weinsteins Strafmaß verkündet und: 23 Jahren Haft. Die hohe Strafe gilt nicht nur als großer Meilenstein der Me-Too-Bewegung, sondern auch als ein deutliches Zeichen gegen sexuelle Gewalt. Das harte Urteil gibt Mimi Haleyi und Jennifer Mann endlich den Respekt und das Recht zurück, das ihnen nicht nur von Weinstein, sondern auch innerhalb des Prozesses und in der öffentlichen Debatte immer wieder abgesprochen wurde.

"Unabhängig vom Geschlecht einer Person, die sexuell missbraucht oder vergewaltigt wird – es ist an der Zeit, dass Menschen, die andere Menschen vergewaltigen, mit ihrem Leben für das Leben bezahlen, das sie genommen haben", schloss Jessica ihr Plädoyer und wir applaudieren ihren und Mimis Worten, mit denen die beiden nun hoffentlich einen Punkt hinter dieses Kapitel setzen können.

  • Quelle:
  • Noizz.de