Wie Fernsehmacher mit unseren Lieblingsserien umgehen ist ein Skandal!

Liebe Fernsehmacher, warum hasst ihr mich eigentlich so sehr? Mir ist schon klar, dass keine Serie für die Ewigkeit ist und ihr einen gewissen Erfolgsdruck habt. Was ihr aber immer wieder mit meinen Lieblingsserien macht, ist einfach ein Skandal. Wie kann man Serien absetzen, deren letzte ausgestrahlte Folge ein Riesen-Cliffhanger ist? Warum tut ihr so etwas Grausames? Ich gucke doch nicht aus Langeweile stundenweise Netflix und Co. am Tag, sondern weil ich wissen will, wie es weitergeht.

Manche Serien sind wie Drogen, sie machen süchtig. Um von ihnen runterzukommen, braucht es eine Weile. Bei „Lost“ habt ihr einen guten Weg gewählt, indem die letzten Staffeln einfach so merkwürdig wurden, dass ich die Lust verlor. So wie ihr jetzt „Lucifer“ gecancelt habt, wird es bei mir ein harter, kalter Entzug.

Für alle, die die Fox-Serie nicht kennen: Protagonist ist Lucifer Morningstar, der der wahrhafte Teufel ist. Auf das Bestrafen von Menschen in der Hölle hat der Gute aber keine Lust mehr. Also gönnt er sich ein Leben als Multi-Millionär in Los Angeles. So ein ganz normaler Mensch ist er dann aber doch nicht. Er hat eine gewisse Fähigkeit, mit der er Leute dazu bringt, ihre dunkelsten Begierden preiszugeben.

Nur bei der Polizistin Chloe funktioniert der Trick nicht. Im Gegensatz zu allen anderen Frauen verfällt sie seinem Charme auch nicht. Damit lenkt sie Lucifers Interesse auf sich. Um mehr über sie zu erfahren, hilft er ihr anschließend bei ihren Mordfällen. Die beiden werden zu einem Dream-Team, das Mulder und Scully in der Pfeife raucht.

Gut, da stimmt mir vielleicht nicht jeder zu. Doch ich bin dem Humor der Serie einfach verfallen. Die Grundstimmung ist düster und dennoch stechen die Witze zwischendurch. Irgendwie finde ich mich auch etwas in Lucifer wieder. Versteht mich nicht falsch. Vom Leben eines Multimillionärs bin ich so weit weg wie Kollegah und Farid Bang vom Integrationspreis. Trotzdem hat er im (Serien-)Leben ähnliche Probleme wie ich. Wenn Lucifer seine Psychologin Linda Martin aufsuchte, fühlte ich mich ein Stück weit mittherapiert.

Diese Behandlung wird mit dem Ende der dritten Staffel wohl ein abruptes Ende haben. Fox hat die Serie eingestellt. Dabei hatten sich die Serienmacher extra einen großen Cliffhanger ausgedacht, damit Fox gar keine Wahl hätte, als die Serie zu verlängern. Doch der Sender war skrupelloser als die Lucifer-Crew dachte. Ob Fox sich damit einen Gefallen getan hat? Die Serie mag nur mittelmäßige Quoten geholt haben, doch die Fans, die es gab, reagierten ähnlich verstört wie ich.

„Lucifer“ war das beherrschende Twitter-Thema am Wochenende. Unter den Hashtags #SaveLucifer und #PickLuciferUp wurde millionenfach gegen das vorzeitige Ende protestiert. Außerdem wurden andere Fernsehsender und Streaming-Dienste aufgefordert, die Produktion der vierten Staffel zu übernehmen. Im Falle der Fox-Sitcom Brooklyn Nine-Nine ging dieser Plan gerade auf. Sie kam nach der Absetzung bei NBC unter.

Ich kann nur hoffen, dass sich auch für „Lucifer“ jemand findet. Es müssen ja nicht gleich 70 neue Folgen wie bei „Rick und Morty“ werden. Erzählt die Geschichte verdammt nochmal einfach vernünftig zu Ende. Wie groß meine Verzweiflung ist? Ich habe heute zum ersten Mal in meinem Leben eine Online-Petition unterschrieben. Was will man machen, in der Not frisst der Teufel fliegen.

Quelle: Noizz.de