YouTube startet 3 deutsche Serien – mit LeFloid und Co.

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Von Bullshit TV über Phil Laude und David Hasselhoff bis hin zu LeFloid ist alles bei den deutschen YouTube Originals evrsammelt. Foto: (Collage: NOIZZ.de), @bullshittv, @lefloid, @phillaude / Instagram

Phil Laude und Bullshit TV sind auch dabei!

Könnt ihr Euch eigentlich noch an ein Leben ohne YouTube erinnern? Seit 2005 bereichert die Plattform unser Surfverhalten – stundenlanges Video gucken nach Schneeballsystem inklusive. „Broadcast Yourself“ lautete das Motto damals und man konnte wirklich alles und jeden Clip dort finden.

Mittlerweile macht die Videoplattform Milliarden-Umsätze und verzeichnet 1,5 Milliarden aktive Nutzer im Monat. Zum Vergleich: Instagram hat etwa 700 Millionen aktive Nutzer monatlich, Facebook zähle im Juni 2017 zwei Milliarden.

In Zeiten von Netflix und Amazon Prime hat YouTube aber auch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Wie soll man sich die Zuschauer sichern und dabei am besten noch Geld verdienen, wenn es immer mehr Videoinhalte im Netz gibt?

Die Konkurrenz steckt hunderte Millionen Euro in Eigenproduktionen. Da will YouTube in nichts nachstehen: Im Juni startete das US-Unternehmen, das zum Google-Konzern gehört, deswegen in Deutschland und Österreich die kostenpflichtigen Dienste YouTube Music, eine Konkurrenz für Spotify, sowie YouTube Premium, das anstelle von YouTube Red tritt. In anderen Ländern gibt es YouTube Premium bereits länger.

Was ist YouTube Premium überhaupt?

Der Hauptvorteil: YouTube Premium bietet Videos ohne Werbung an. Seitdem das Bezahlangebot gestartet ist, bekam man das als regelmäßiger Nutzer deutlich zu spüren. Wesentlich mehr Werbung in kürzeren Abständen wurden in längere Clips eingebaut. Ein weiteres Plus: Mit Premium könnt ihr Videos im Hintergrund abspielen, während andere Apps verwendet werden und Clips downloaden, um Datenvolumen zu sparen.

Der ganze Spaß kostet 11,99 Euro im Monat, für Familien 17,99 Euro.  Ganz schön viel.

Und was ist jetzt genau neu?

Um das neue System zu etablieren, setzt YouTube auf das, was es am besten kann: YouTuber. Die werden für die sogenannten „YouTube Originals" in ein professionelles Umfeld gepackt, haben große Produktionsfirmen an ihrer Seite und höchst wahrscheinlich ein bisschen mehr Budget für ihre neuen Formate.

Wie viel  genau, darüber spricht man in Google-Kreisen nicht so gerne. Angesichts der ersten internationalen Formate, die es bereits zu sehen gibt, sind wir uns allerdings sicher, dass genug Kohle da ist. Glaubt man YouTube-Originals-Chef Luke Hyams geht es den Machern vor allem darum, ein vielseitiges Bild abzulichten: „Wir wollen, dass unsere Formate divers und real sind für das Publikum, niemand soll ausgeschlossen werden.“ Einige Formate sind bereits für die Emmys nominiert gewesen.

Die bisherigen YouTube-Orignals-Serien und Filme kommen ganz gut an: Die erfolgreichste Show in Deutschland ist aktuell „Kobra Kai“, das die Fortsetzung des „Karate Kid“-Films von 1984 ist.

Daneben finden sich aber auch andere kuriose YouTube-Original-Versuche, die Musik-Dokuserie „BIGBANG“, in der die gleichnamige südkoreanische K-Pop-Band begleitet wird.

Ein Riesenerfolg in Südkorea. YouTube produziert deutlich weniger exklusive Inhalte als die Streaming-Dienste Netflix und Amazon Video - und das wird nach Worten von YouTube-Manager Robert Kyncl auch so bleiben: „Wir werden nie soviel Geld wie sie für eigene Inhalte ausgeben.“ YouTube, wo jeder seine Videos hochladen könne, habe ein anderes Geschäftsmodell - das Geld für Inhalte-Produzenten werde vor allem über Beteiligungen an den Werbeerlösen ausgeschüttet. Die Exklusiv-Produktionen seien eher ein Zusatzangebot. Dabei gehe es darum, die Bekanntheit der Marke zu steigern und Premium-Kunden anzulocken.

Für die regionalen Formate in Deutschland setzt man deswegen auf die YouTube-Elite. Für Dagi Bee oder Bibis Beauty Palace hat es nicht ganz gereicht. Dafür konnte man namenhafte Macher wie LeFloid (3 Millionen Abonnenten), Phil Laude (500.000) von Y-Titty (3,1 Millionen) und die Jungs von Bullshit TV (1,7 Millionen) für drei neue Serien gewinnen.

Die neuen YouTube-Clips sollen auch dem internationalen Publikum verfügbar sein – mit englischen Untertiteln. Laut Robert Kyncl zielen die ersten deutschen Exklusiv-Produktion vor allem auf das Kernpublikum der Plattform ab – also Generation Y bis Z. Wir haben uns bei der exklusiven Premiere die ersten Folgen der neuen Formate angeschaut.

LEFLOID VS. THE WORLD

Die Doku-Reihe „LeFloid Vs. The World“ ist die Überraschung der deutschen YouTube Originals. In zunächst acht Folgen befasst sich der YouTuber in Interviews in verschiedenen Ländern mit aktuellen Problemen. Die erste Folge mit dem Titel „Self“ dreht sich um unsere Selbstwahrnehmung in Zeiten von Instagram und Co. Als Gesprächspartner sind zum Beispiel Hollywood-Regisseur Roland Emmerich, Daimler-Chef Dieter Zetsche und Model Toni Garrn angekündigt.

LeFloid probiert Dinge aus, die nur wenige jemals in ihrem Leben machen können und reist einmal um den Globus – und hat dabei sogar seine anderen YouTube-Channels weiter bespielt. Dabei habe er auch viele unvergessliche Augenblicke erlebt, etwa als er ein Interview über den Klimawandel am Polarkreis geführt hat: „Wir reden da über den Klimawandel – und auf einmal rutscht im Hintergrund ein ganzer Gletscher weg. Das war schon krass.“

Ein Reportage-Format, das ohne Probleme auch im Fernsehen laufen könnte. Zwar kennen wir LeFloid auch schon von diversen News-Formaten auf seinem Channel, aber so ein journalistisches Format, das im Ansatz an die britisch Doku-Legende Louis Theroux erinnert, hätten ihm wohl die wenigsten zugetraut. LeFloid führt in Englisch durch das Format, so routiniert  das man fast glaube, er habe nie etwas anderes gemacht.

„LeFloid vs. The World“, jede Woche eine neue von insgesamt acht Folgen.

BULLSPRIT: Die drei von der Tanke reloaded

„Bullsprit“, dreht sich um drei Kumpels (die Crew von „Bullshit TV“), die eine Tankstelle erben - und über eine Sicherheitskamera versehentlich ihren Alltag livestreamen. Klingt unspektakulär, ist aber ganz witzig.

Denn die drei haben eigentlich keine Ahnung vom Geschäft. Unterstützt werden sie deswegen von der charmanten Vanessa (Lore Richter). Erzählt wird die Serie rückblickend von Schauspieler Oliver Korittke, der den Notar der Bullsprit-Boys mimt, erzählt. YouTuber treffen hier also auf richtige Schauspieler.

Eine spannende Erfahrung für alle, wie auch Korittke erzählt: „Man lernt gegenseitig viel voneinander. Als Schauspieler bekommt man eine gewisse Spontanität wieder zurück.“ Für die drei Jungs von Bullshit TV war es hingegen etwas ungewohnt, wie Chris Manazidis zugibt: „Sonst drehen wir halt immer zu dritt und mit einer kleinen Kamera. Da stehen dann auf einmal 20 Leute um dich herum.“

Das Beste ist aber: Der Titelsong der Serie stammte von niemand geringerem als Haftbefehl. Und es ist ein Cloud-Rap. OMG.

Ein bisschen was davon kann man im obigen Trailer hören, für das ganze Stück müsst ihr dann doch zumindest Premium testen. Haftbefehl hat sogar einen Gastauftritt in der Serie.

Staffel 1 von „Bullsprit“ gibt es in 7 Folgen ab sofort bei YouTube.

NEULAND mit Phil Laude (ja, der von Y-Titty eben) – und: David Hasselhoff

In der Comedy-Serie „Neuland“ kämpft Phil Laude, der bei YouTube als Mitglied des Trios Y-Titty bekannt wurde, mit David Hasselhoff darum, eine Talkshow zu moderieren.

Das ist manchmal etwas meta-mässig und erinnert zuweilen an eine Neon-Magazine-Royale-meets-TV-Total-Mische, ist aber erstaunlich facettenreich. Und natürlich gibt es auch neue Gesangs-Parodien und Vong-Witze. Jede Woche gibt es einenGast, in der Premiere Rapper Eko Fresh. „Neuland“ wird vor allem dem jüngeren Publikum Anfang 20 gefallen. Mal extrem albern, mal richtig pointiert.

Der Dreh mit David Hasselhoff war übrigens für alle im Team eine witzige Angelegenheit. „Wir wussten ja so gar nicht, worauf wir uns da einstellen mussten“, erzählt Autor Pesh Ramin, „aber er war voll auf den Punkt und hat unsere Art von Humor direkt verstanden. Am Ende haben wir alle den Hoff sogar vermisst!“.

Die erste Folge „Neuland“ gibt es heute ab 17.00 Uhr, danach  jede Woche eine neue von insgesamt 12 Folgen.

Muss ich jetzt Netflix, Amazon Prime, Sky. Maxdome und YouTube Premium haben?

Müssen muss keiner etwas. Aber wenn ihr auf sowieso sehr auf YouTuber steht, eher Dokus schaut und Euch Werbung nervt ist YouTube Premium sicher eine Überlegung wert.

Wer wirklich alles sehen will, kommt eben zur Zeit nicht drum herum sich mindestens drei Stremingdienste zuzulegen. Was haben wir eigentlich früher in unserer Freizeit gemacht?

Unser Fazit:

Die neuen YouTube-Formate sind innovativ und cool gemacht – allerdings ist der Preis von knapp 12 Euro pro Monat nur für YouTube ziemlich hoch. Netflix und Amazon Prime haben da deutlich günstigere Angebote und aktuell auch mehr Inhalte zu liefern.

Allerdings gibt es einen Probemonat kostenlos zum Testen der neuen Plattform. Rechnet man die internationalen YouTube Original-Projekte mit dazu, findet man hier auf jeden Fall eine Vielzahl spannender und neuer Formate, die in ihrer Ästhetik und Ansprache definitiv anders sind, als das, was man auf Netflix und Co. findet. Näher an der Jugend als die deutsche TV-Landschaft ist YouTube alle male. Ob sich YouTube Premium gegen die Konkurrenzdienste durchsetzen kann, wird die Zeit zeigen.

„Broadcast Yourself“  ist irgendwie noch immer Teil der Identität der Videoplattform – deswegen setzt die Google-Tochter auch auf bekannte YouTuber, die die Community kennt. In Zeiten von Streamingdiensten muss die Plattform sich natürlich erweitern, um nicht abgehängt zu werden.

Ein bisschen mehr Geschlechter-Diversität könnte allerdings nicht Schaden. Denn auch wenn das angeblich zum Markenkern der „YouTube Originals“ gehören soll, findet sich bisher lediglich bei „Bullsprit“ mit Schauspielerin Lore Richte eine Hauptdarstellerin. Für die Zukunft wäre zudem eine Erweiterung des Preismodells wünschenswert, etwa mit Studententarif. Denn es wäre schade, wenn die  guten Ideen ungesehen blieben.

Quelle: Noizz.de

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