Mit kitschiger Singer-Songwriter-Musik, ekliger Pampe und mit ein paar Beeren wird alles wieder gut.

„Eatkarus” ist der Titel des Werbe-Meisterwerkes. Gemacht von niemand anderen als der renommierten PR-Agentur Jung von Matt – die haben auch schon Edekas andere Viral-Werbespots abgedreht.

Zuletzt jenen Weihnachtsspot mit dem Opa, der seine Beerdigung vortäuscht. Der wurde 45 Millionen mal angeschaut.

„Eatkarus”, in Anlehnung an die griechische Legende „Ikarus”, der sich Flügel baute, die am Sonnenlicht verbrennen, wird bestimmt auch ein viraler Erfolg. Ändert nichts daran, dass die Message dieses Spots einfach scheiße ist.

Wieso?

Nun ja, zuerst einmal tut der Clip so, als ob alle die dort in Dickhausen leben, immerzu nur eklige, grüne Schleimpampe essen. Und dass der fette Junge, der wohl Eatkarus sein soll, sein Ziel, nämlich fliegen wie ein Vogel, nicht erreichen kann, so lange er fett ist.

Bis er irgendwann im Wald Blaubeeren entdeckt und sich nur noch gesund ernährt. Er wird von allen in Dickhausen komisch angeguckt, weil er immer dünner wird. Bei Minute 1.45 ist er ein schmaler, dünner Junge, dem Papierflügel passen und endlich fliegen kann.

Jetzt kommt's aber erst richtig „dicke”: Edeka blendet den Slogan „Iss wie der, der du sein willst” ein. Klar, der Lebensmittelhändler möchte dazu aufrufen, dass wir uns gesund und ausgewogen ernähren. Andererseits impliziert der Spruch aber auch, dass alle dort in Dickhausen dick sein wollen.

Fettsucht, Dicksein, Überwicht, egal wie man es nennt oder was es ist, kann viele Ursachen haben. Ja, oft kann man das durch einfache Diät und etwas Sport in den Griff kriegen. Manchmal steckt aber mehr dahinter.

Edeka diffamiert damit quasi all jene Dicken, die trotz zahlreicher Abnehm-Versuche es einfach nicht schaffen, Gewicht zu verlieren.

Noch dazu zeichnet der Spot ein ziemlich dystopisches Bild von unserer Gesellschaft. Ja, die Zahl an übergewichtigen Menschen in unserer Gesellschaft nimmt zu. Etwa jeder fünfte Deutsche war im Jahr 2015 adipös, also übergewichtig. Trotzdem sind wir von einer Welt – wie im Pixars Animationsfilm Wall-E –, wo wirklich JEDER fett ist, meilenweit entfernt.

Viel besser ist der Hashtag, den Edeka für diese Kampagne auserkoren hat: #issso. Haha, sehr lustig. Jugendwort des Jahres 2016 verbunden mit dem imperativ von Essen „Iss“ – kreativer geht's nimmer.

Hinter #issso verbirgt sich eine Aktion, die von der Intention zwar gut ist, aber am Ende von so einem Spot einen faden Beigeschmack hat: Auf der Edeka-Seite können bei Facebook, Twitter, Instagram und Co. alle Healthy-Food-Begeisterten ihre Ernährungstipps teilen.

Blöd nur, dass sich hier die üblichen Verdächtigen sammeln werden. Nämlich all diejenigen, die sowieso wert auf einen gesunden Lifestyle und gute Ernährung legen.

Mit so einem Fat-Shaming-Werbespot erreicht Edeka jene, die ihre Ernährung umstellen sollten, sicherlich nicht.

Quelle: Noizz.de