Dass ich das jemals sagen würde, hätte ich selbst nie gedacht. Denn:

Eigentlich bin ich gar kein Dendemann-Fan. Ich finde, der Rapper hat es verpasst, sich neu zu erfinden. Und alle, die ihn heute noch mögen, sind in den 90ern hängengeblieben.

Dendemann rappt immer noch so wie damals, als er zusammen mit DJ Rabauke tatsächlich State-of-the-Deutschrap-Art war – ob mit dem Album „Gefährliches Halbwissen“ oder mit der Nachfolgerplatte „Zwei“.

Dendemann und Böhmermann: Zwei Jungs, die sich vor laufender Kamera weigerten, erwachsen zu werden. Den „Mann“ in ihren Nachnamen ignorierten. Rumpubertierten. Das Damals feierten. Die ZDF-Mediathek zu ihrem Jugendzimmer machten.

Dende war der perfekte Sidekick für Böhmi – gleichsam seine ausgelagerte Raphaftigkeit. Böhmermann trug zwar Anzug und Krawatte, Dendemanns Street-Style machte aber klar, dass der Vintage aus einer anderen Richtung wehte. Dendes Intro, Interludes und Ansager: Das alles war gute alte 90er Schule. Eine Schule, die Böhmi und sein Publikum liebt.

Vor allem, weil das „Neo Magazin Royale“ ja eine große Nostalgie-Show ist. Dauernd spielt sie auf Vergangenes an, verneigt sich davor, bedient sich daran. Das ist natürlich erst mal nur postmodern. Nur, dass die 90er halt Jans Lieblingsjahrzehnt sind – von „Prism is a Dancer“ bis hin zum „Game Royale“.

Mit den 90ern ist Jan Böhmermann richtig stark. Die 90er geben ihm seine Energie. Für die 90er stand aber vor allem Dendemann. Was geblieben ist: Jan ohne Swag. Dende fehlt.

Quelle: Noizz.de