Die Serie von Misserfolgen endete für Deutschland

Deutschland ist mit Michael Schulte beim Eurovision Song Contest überraschend auf dem vierten Platz gelandet. Den Sieg holte Israel mit der Sängerin Netta. Es ist der vierte Triumph Israels beim ESC - nach 1978, 1979 und 1998. Für Deutschland ist es die beste Platzierung seit Lenas Sieg vor acht Jahren.

„Platz vier, oh mein Gott“, sagte der norddeutsche Sänger Schulte zufrieden und strahlend nach der Show zu Moderatorin Barbara Schöneberger im ARD-Fernsehen. „Das ist so verrückt.“ Die Fans bei der deutschen ESC-Party in Hamburg, zu der er per Video zugeschaltet war, jubelten ihm zu.

Der 28-Jährige bekam für seinen Song „You let me walk alone“, in dem es um den Tod seines Vaters geht, in der Nacht zum Sonntag von Jurys und Publikum aller Teilnehmerländer insgesamt 340 Punkte.

Die Siegerin Netta aus Israel erhielt 529 Punkte. Ihr Lied „Toy“, das Korea-Pop, Hip-Hop und orientalische Elemente mit Stimmeffekten und Gacker-Klängen verbindet, ist durchaus politisch in Zeiten der #MeToo-Debatte. Die Botschaft an junge Frauen: Nehmt Euch an, so wie Ihr seid und seid stolz auf Euch selbst. Ihr seid nicht das Spielzeug (toy) von Männern.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gratulierte zu ihrem Sieg. „Netta, Du bist ein echter Schatz“, twitterte er. „Du hast dem Staat Israel viel Ehre eingebracht! Nächstes Jahr in Jerusalem!“ Damit machte Netanjahu klar, dass der Wettbewerb 2019 voraussichtlich in der Stadt stattfinden wird, die Israel als seine Hauptstadt beansprucht. Dies ist allerdings international umstritten.

Hinter Israel landete auf Platz zwei Zypern (Eleni Foureira mit „Fuego“), vor Österreich (Cesár Sampson mit „Nobody But You“), Deutschland und Italien (Ermal Meta & Fabrizio Moro mit „Non mi avete fatto niente“).

Beim Auftritt der britischen Kandidatin SuRie stürmte ein Störer die Bühne und entriss der Sängerin das Mikrofon, er wurde von Sicherheitsleuten weggebracht. Die souverän weitersingende SuRie lehnte eine Wiederholung ihres Auftritts ab. Sie kam am Schluss auf Rang 24.

Das wohl eindrucksvollste Kostüm trug Elina Nechayeva für Estland, die ihr Opernstück „La forza“ in einem 53-Quadratmeter-Hightech-Kleid vortrug, auf das Lichteffekte projiziert wurden - es reichte für Platz 8.

Die Finnin Saara Aalto ließ sich bei ihrem sogenannten Epic-Love-Pop-Song „Monsters“ auf einer Drehscheibe auch kopfüber umherwirbeln (Platz 25). Im französischen Beitrag vom Duo Madame Monsieur ging es um ein Flüchtlingsschicksal (Platz 13) und im italienischen Beitrag von Eral Meta & Fabrizio Moro um Terroropfer (Rang 5).

Quelle: Zusammen mit dpa