Verbreite mal keine Fake News über den Babycaust, Du Bio-Deutscher!

Das „Jamaika-Aus“, das Scheitern einer schwarz-gelb-grünen Politiker-Familie, sicherte sich 2017 den Titel „Wort des Jahres“. Am Dienstag, 16. Januar, wird das Unwort des Jahres gekürt. Zur Wahl stehen Begriffe wie Babycaust, Bio-Deutsche oder Fake News. Dafür musste die Jury fast 700 Einsendungen bewerten. NOIZZ stellt euch die schlimmsten Sprach-Unfälle vor.

Zum Unwort des Jahres werden seit 1991 Begriffe gekürt, die gegen Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, weil sie Gruppen diskriminieren oder verschleiernd oder gar irreführend sind. Nun wird der Nachfolge für „Volksverräter“ (2016) und „Gutmensch“ (2015) gesucht.

Geht es nach den Vorschlägen, hat der „Babycaust“ ausgezeichnete Chancen. Er wurde insgesamt 122-mal nominiert. Kristina Hänel, Ärztin aus Gießen, hat den Begriff selbst vorgeschlagen. Sie wurde im November wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche zu einer Geldstrafe verurteilt. Auf der Website babycaust.de wird Hänel seitdem verleumdet und angeprangert. „Damals KZ’s, heute OP’s“ heißt es auf dieser Seite. Wegen seiner Ähnlichkeit zum Begriff „Holocaust“, steht das Wort bei der Wahl hoch im Kurs.

Mit 65 Wünschen ist „Alternative Fakten“ der zweithäufigste Vorschlag. Er geht auf eine Beraterin von Donald Trump zurück. Kellyanne Conway bezog sich damit auf eine Behauptung des damaligen Trump-Sprechers Sean Spicer. Der hatte erklärt, die Besucherzahlen bei Trumps Vereidigung seien die größten der Geschichte gewesen. Conway verteidigte die Aussage – obwohl die Bilder eine andere Sprache sprachen. Klassische „alternative Fakten“, eben.

„Bio-deutsch – ohne Spuren von Multikulti“, so könnte das Qualitätssiegel für einen Bio-Deutschen lauten. Dahinter steckt ein fieser Mix aus Satire und Rechtspopulismus. Dahinter steckt einerseits die Vorstellung, dass der Deutscher sein könne, der von Deutschen abstimmt. Andere machen sich genau mit diesem Begriff über die Super-Deutschen lustig. Glaubt man der Heinrich-Böll-Stiftung, dann stammt der Ausdruck vom Kabarettisten Muhsin Omurca.

Namen sind bei der Wahl des Unwortes nicht zugelassen. Trotzdem ist Donald Trump bei der Wahl fast omnipräsent. So etwa auch für seine Liebe für „Fake News“ – vorgetäuschte oder falsche Nachrichten. Legendäres Beispiel: Der US-Präsident weigert sich wehement, sich von einer CNN-Reporterin befragen zu lassen. Die Begründung: Ihr Sender verbreite „Fake News“.

Bei euch in der Straße kommen die Gully-Deckel hoch? Das hat nichts mit dem Unwort zu tun. Der „Atmende Deckel“ stammt aus der Diskussion über die Begrenzung der Flüchtlingszahlen. Damit CDU und CSU sich im Oktober 2017 in dieser Frage einigen konnten, tauften sie die Obergrenze kurzerhand in eine flexible Höchstzahl pro Jahr um – den „atmenden Deckel.“ Das riecht ja schon fast nach „Fake News“...

Quelle: Noizz.de