Nach drei Staffeln werden wir nun endlich erfahren, was es mit dem Zeitreisen in Winden auf sich hat. Wir haben die letzten Folgen der Netflix-Erfolgsserie "Dark" geschaut und verraten dir, ob es sich lohnt reinzuschauen – und konnten außerdem Insiderinfos von Gina Alice Stiebitz bekommen.

"Dark" ist keine Serie, die man einfach so nebenbei schauen kann – und für mich ist sie "un-bingebar" – wer sie richtig entschlüsseln und dekonstruieren will, kann sich eigentlich nicht mehr als drei Folgen hintereinander anschauen. Überall lauert ein neuer Querverweis, überall ein neues Puzzleteil, das sich in diesen Zeitknoten einreiht oder mehr Ansatzpunkte zum Spekulieren gibt.

>> So geht es in der letzten Staffel "Dark" auf Netflix mit Jonas, Martha und Co. weiter

Die Story von “Dark“ klingt erst einmal wie eine sehr deutsch-nihilistische Horrorversion von "Stranger Things": In der öden und tristen deutschen Kleinstadt Winden verschwinden plötzlich zwei Kinder. Nach und nach wird klar, dass sich hinter der idyllischen, kleinbürgerlichen Fassade des Ortes ungeahnte Abgründe verbergen – und Jonas Kahnwald steckt mitten drin: Er entdeckt, dass der Ursprung allen in der Zeit liegt und versucht mittels Zeitreisen, alles wieder irgendwie in Ordnung zu bringen. Natürlich macht das alles eher komplizierter als einfacher.

Über diese Serie zu schreiben, ohne auch nur ein Detail zu spoilern ist so schwierig, wie Einsteins Relativitätstheorie in all ihrer Komplexität zu verstehen. Womit wir auch schon mittendrin in der Thematik wären. Ganze zwei Staffeln schon konnte sich Netflix‘ erster deutscher Serienexportschlager exzessiv den Themen Zeitreisen, Existenzialismus, Provinztum und Nihilismus widmen – inklusiver aller Kontexte, die Science-Fiction, Literatur, Religion, Philosophie, Quanten- und Atomphysik dazu hergeben.

Falls du etwas aus der Story vergessen haben solltest, hier gibt es Staffel 1 und 2 in jeweils 60 Sekunden:

Lange hatte ich mich "Dark" verwehrt, es klang wirklich nicht nach einer Serie, die mir Spaß machen würde. Die ersten beiden Staffeln saß ich so vor dem Bildschirm, parallel dazu studierte ich den Stammbaum der Nielsens, Kahnwalds, Dopplers, Tiedemanns und wie sie alle heißen, um zu verstehen, wer mit wem, über welche Zeit und welche Dimension, verbunden ist. Ein echtes Wirrwarr, das an sich schon eine Herausforderung darstellt an Zuschauer*innen in schnelllebigen Zeiten mit einer rasanten, kurzen Aufmerksamkeitsspanne.

Gleichzeitig ist man doch irgendwie getriggert von dieser Herausforderung, dieses riesige XXL-Rätsel ähnlich wie Martha und Jonas zu lösen. So saß ich dann also auch nach Folge drei von Staffel eins da, wo ich alles als megahinrissigen Mindfuck abtat, der meinen Kopf fast zum Explodieren brachte – und schaute einfach weiter. Dabei googelte ich ständig Bibelanspielungen (hey, es kann echt kein Zufall sein, dass es so viele biblische Namen in einer Serie gibt), Musils "Mann ohne Eigenschaften" las ich noch mal quer und eine Schnelleinführung in Antimaterie und Relativitätstheorie ging ich auch durch und führte mir erneut mein literaturwissenschaftliches Seminar durch das Werk von H.G. Wells zu Gute.

Der "Dark"-Stammbaum

"Dark" machte mich im besten Sinne des Wortes verrückt und war gleichzeitig so düster-deutsch, dass es jedes Klischee einer ZDF-Famileinsaga erfüllen konnte. Andererseits kam die Serie durch das Storytelling und den atemberaubend einnehmenden Soundtrack so international rüber, dass es eigentlich kaum verwundert, dass vor allem der englischsprachige Raum die Serie feierte.

Hier gibt es den Trailer zur letzten Staffel von "Dark":

Nun ist also nach drei Staffeln Schluss. Wie und ob sich der Zeitknoten rund um Winden lösen lässt, darf ich natürlich nicht verraten. Der Spoiler-Katalog für die dritte Staffel von"Dark" den Netflix mit liefert, ist so dick, dass er alleine ein Bericht wert wäre. Nur so viel: Zur Komponente Zeit fügt das Ende der Trilogie die Dimension des Raums hinzu. Jonas wird in eine Parallelwelt gebracht, in der er versucht, den Zusammenhang zwischen dieser Welt und seinem eigenen Schicksal zu verstehen. Da Drehbuch kommt auch hier wieder von Jantje Friese, Regie führte ebenso Baran bo Odar .

Hier kommt alles zusammen, getreu dem Credo: "Das Ende ist der Anfang und der Anfang das Ende"

Schließlich ist es relativ selten geworden, dass erfolgreiche Serien ein klares Ende setzen und einfach aufhören. "Fleabag" tat es und die Kraft einer Finalität, schlägt jede Illusion von Unendlichkeit. Gleichzeitig ist das auch richtig scheiße für die Zuschauer*innen. Dann nämlich, wenn Netflix-Serien ein Arschloch sind, und vorführen, dass alles einfach unausweichlich ist. So wie eben bei "Dark".

Ob ich das Ende wirklich durchschaut habe, kann ich noch immer nicht mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit sagen. Gebt mir noch zwei Durchgänge. Wenn mich als Kritikerin eine Serie schon derart ratlos hinterlässt. Irgendwo zwischen grenzdebil genial und "Ich kann das jetzt wirklich unmöglich weiter schauen“ – wie geht es dann jemanden, der Teil der Serie ist? Gina Alice Stiebitz war von Anfang an bei "Dark" dabei. Sie spielt Franziska Doppler, die eine Beziehung mit Marthas Bruder Magnus Nielsen hat und irgendwann auch Teil des Zeitknotens von Winden wird. Wir haben mit ihr über das Staffelfinale von "Dark" geredet und wie es sich anfühlt, wenn drei Zyklen zu Ende gehen.

>> Die erste deutsche Netflix-Serie „Dark“ ist da!

Gina Alice Stibitz im NOIZZ-Talk: „haben uns alle acht Folgen der dritten Staffel hintereinander angeschaut. Danach hatte ich aber schon Kopfschmerzen!“

NOIZZ: Also, wenn ich ehrlich bin, war die Serie für mich ein totaler Mindfuck – wie ging es dir dabei, schließlich hast du eine Rolle in dem Puzzle gespielt?

Gina Alice Stiebitz: Für mich waren die erste und zweite Staffel – aus irgendwelchen Gründen – weniger verwirrend. Aber ich habe die Drehbücher jedes Mal mehrmals gelesen, damit ich alles im Blick hatte. Die dritte Staffel war für mich allerdings etwas verwirrender – vielleicht, weil sich während des Drehs noch mal einiges geändert hat. Aber ja, alles im allem, ist auch für mich “Dark” sehr verwirrend gewesen. Allerdings ist ja auch irgendwie Teil meines Jobs, alles zu durchschauen und zu wissen, was da vor sich geht. Am Ende fokussiert man sich schon auch ein bisschen mehr auf das Schicksal seiner eigenen Rolle.

Hattet ihr am Set dann auch so ein riesiges Figurennetz, damit jeder immer wusste, wer wie miteinander zusammenhängt?

Gina Alice Stiebitz: Ich habe mir in mein Drehbuch zur ersten Staffel so einen Stammbaum gemalt! Damit ich irgendwie klarkomme. Wenn wir Fragen hatten, konnten wir am Set aber auch immer Bo (Baran bo Odar, Regisseur von “Dark”, Anm. d. Red.) fragen oder Jantje, die Drehbuchautorin, anrufen. So wussten wir eigentlich immer Bescheid, auch wenn wir etwas Mal so gar nicht verstanden haben oder Probleme hatten.

Bist du mit dem Ende der Serie zufrieden?

Gina Alice Stiebitz: Ich finde das Ende ziemlich geil! Ich war supergespannt: Ich wusste, dass es eine Trilogie wird, aber wie man das alles sinnvoll zusammenfügen und erklären will, sodass alles am Ende einen Sinn ergibt, habe ich mich schon gefragt – weil es eben eine sehr komplexe Serie ist. Ich glaube, das Ende wird für viele sehr befriedigend sein. Die letzte Szene, finde ich besonders toll und schön.

Hattest du eine Lieblingszeit oder Dimension, in die du als Franziska gereist bist?

Gina Alice Stiebitz: Ich fand 1800 sehr cool. Vor allem am Anfang hatte ich mich sehr darauf gefreut. Ich dachte, es wird cool, weil es etwas Historisches war, mit entsprechenden Kostümen, Korsett, hier und da. Die Vorfreude habe ich aber ganz schnell bereut – weil, wenn du das Korsett trägst, es dir Luft zum Atmen nimmt, wenn du zum Beispiel isst – du musst dich entscheiden: Entweder esse ich jetzt, oder ich atme. Trotzdem war 1800 eine ganz besondere Erfahrung, weil es etwas ganz anderes war.

Hast du selber auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, wie es wirklich wäre, wenn wir Zeitreisen könnten?

Gina Alice Stiebitz: Total! Durch “Dark” habe ich mich auch selber voll in das Thema eingelesen. Ich bin eh ein supergroßer Doku-Fan. Lisa (Vicari, spielt in der Serie Martha, Anm. d. Red.) hat uns auch in die WhatsApp-Gruppe einen echt interessanten Link geschickt, wo man herausgefunden hat, dass es sehr wahrscheinlich eine Parallelwelt geben könnte – weil sie Partikel gefunden haben, die sich ganz anders verhalten, als die auf der Erde. Das finde ich total spannend und faszinierend!

Ihr habt eine “Dark”-WhatsApp-Gruppe in der ihr euch über das Zeitreisen austauscht?

Gina Alice Stiebitz: Wir haben sogar zwei! Wir schicken uns ständig irgendwas hin und her. Videos, interessante Artikel, verrückte Fantheorien, was wir gerade so machen. Wir lieben das.

Gibt es eine besonders obskure Fantheoroe?

Gina Alice Stiebitz: Es gab eine Theorie auf Instagram, die wir auch in der Gruppe geteilt haben, die echt sehr detailversessen war. Gretchen, der fluffige Hund von Claudia Tiedemann, sei Adam. Total random. Argumentiert wurde das mit dem Halsband, die Adams Narbe am Hals verdecke, oder so ähnlich. Aber eigentlich sind die Fans immer echt gut mit den Theorien und sind sehr nah dran und liegen oft richtig.

Es ist ja auch ein bisschen wie eine riesengroße Schnitzeljagd – für mich ist “Dark” keine Serie, die man bingen kann …

Gina Alice Stiebitz: Also wir Schauspieler haben uns alle acht Folgen der dritten Staffel hintereinander angeschaut. Danach hatte ich aber schon Kopfschmerzen! Wir hatten keine Teampremiere und das war unser Ersatz in Zeiten von Corona.

Drehen wir mal die Zeit drei Jahre zurück: Was hat dich damals am meisten an “Dark” fasziniert – und hat sich daran irgendwas geändert?

Gina Alice Stiebitz: Ich hatte am Anfang ein Casting, da wusste ich noch gar nicht so richtig wofür. Ich hatte nur eine Szene zum Vorspielen bekommen, alles sehr geheimnisvoll. Erst, als ich die Rolle hatte, habe ich das Drehbuch bekommen. Das habe ich verschlungen, wie einen Roman! Davor hatte ich noch nie ein wirklich gutes Drehbuch gelesen, das war so spannend, es war so schön, zu lesen, dass ich es gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Es gab auch so viele überraschende Momente, die für einen echten Mindfuck gesorgt haben. Mit Franziska, meiner eigenen Rolle, hatte ich immer eine direkte Sympathie und einen Draht zu ihr – im Laufe der Zeit entwickelt man da natürlich noch mehr Feingefühl.

Wie fühlt es sich an, wenn so eine spezielle Serie nach drei Staffeln ein für alle Mal zu Ende geht?

Gina Alice Stiebitz: Herzzerreißend! Am letzten Drehtag habe ich geheult wie ein Schlosshund. Wir haben alle geweint und lagen uns in den Armen, es war superhart. Klar, wir sehen uns noch, aber das war schon eine spezielle Zeit, eine kleine Ära, die nun einfach zu Ende gegangen ist.

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Quelle: Noizz.de