Golden Globes: Erste Asiatin seit 44 Jahren nominiert

Sabine Winkler

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Constance Wu spielte die weibliche Hauptrolle in „Crazy Rich Asians“. Foto: Jordan Strauss / dpa dpa Picture-Alliance

Constance Wu spielt im US-Erfolg „Crazy Rich Asians“ mit.

In den USA war die Verfilmung von Kevin Kwans „Crazy Rich Asians“ ein ziemlicher Erfolg. Bis jetzt hat der Film umgerechnet mehr als 152,7 Millionen Euro dort und in Kanada eingespielt. Er zählt damit nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 2018, sondern auch die erfolgreichste Romcom im laufenden Kinojahr.

Das obwohl – oder vielleicht gerade deswegen – der Cast fast ausschließlich aus Darstellern mit asiatischem Hintergrund besteht. Bei den 76. Golden Globes, der Oscargeneralprobe am 6. Januar, ist der Film zwei Mal nominiert. Einmal in der Kategorie „Beste Komödie oder Musical“ und Hauptdarstellerin Constance Wu ist als „Beste Schauspielerin in einer Komödie oder Musical“ nominiert – und das ist eine kleine Sensation.

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Hierzulande war „Crazy Rich“, wie er in den deutschen Kinos lief, nicht gerade ein Renner. Während US-Medien die neugewonnene Diversität im Mainstream-Kino feierten, ging der Filmstart in Deutschland geradezu unter. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Repräsentation asiatischer Bevölkerungsgruppen kein Topthema auf der gesellschaftspolitischen Agenda ist. Ganz anders als in den USA.

So kann man vielleicht besser verstehen, wieso die News „Constance Wu ist bei den Golden Globes nominiert“ mehr ist als nur die Bekanntgabe einer Nominierung. Wu ist die erste asiatisch-stämmige Frau seit mehr als 40 Jahren, die in dieser Kategorie bei dem prestigeträchtigen Filmwettbewerb gelistet ist. Zuletzt gelang das 1974 Yvonne Elliman in ihrer Rolle im Musical „Jesus Christ Superstar“.

Überhaupt waren vor Wu und Elliman nur zwei andere asiatische Schauspielerinnen bei den Globes als Preisträgerin in Betracht gezogen wurden. Miyoshi Umeki hätte 1961 für ihre Darbeitung in „Mandelaugen und Lotusblüten“ (btw: Was für ein sexistischer und latent rassistischer Filmtitel) als strahlende Siegerin hervorgehen können, genauso wie fünf Jahre zuvor Machiko Kyo für ihre Rolle in „Das kleine Teehaus“.

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Alleine dieser kurze Ausflug in die Nominierungsgeschichte der Golden Globes zeigt, dass Hollywood scheinbar ein Problem damit hat, schauspielerische Leistungen von Künstlern mit asiatischer Abstammung zu würdigen. Nicht, dass es an Filmen oder Schauspielern in der Vergangenheit gemangelt hätte.

In den USA leben (Stand 2017) knapp unter 19 Millionen Menschen mit einem asiatischen Migrationshintergrund. Das entspricht etwa 5,83 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zum Vergleich: In Deutschland sind es laut Statistischem Bundesamt gerade einmal 350.000 Menschen mit chinesischer und vietnamesischer Herkunft. Im Jahr 2017 haben, nach einer Studie der University of Southern California, gerade einmal 37 Prozent der 100 erfolgreichsten Hollywoodfilme überhaupt asiatische Figuren.

Dabei prägte der asiatische Film in all seinem Spielarten Hollywood bereits in seinen Anfangszeiten. Auch wenn die damaligen Darstellungen oft geprägt waren von einem stereotypen und rassistischen Bild. Bereits 1918 aber gründete der japanische Stummschauspieler Sessue Hayakawa in Hollywood das erste asiatische Filmstudio – und prägte die Ästhetik des frühen US-Films maßgeblich mit. 1957 erhielt er sogar eine Oscarnominierung für seien Rolle in „Die Brücke am Kwai“.

Grundlegend asiatische Stoffe fielen außerdem oft dem „Whitewashing“, also der Rollenbesetzung eines eigentlich asiatischen oder andersethnischen Charakters mit einem weißen Darsteller, zum Opfer. Prominentestes Beispiel: Scarlett Johansson im Marvelfilm „Ghost in the Shell“. Martial-Arts-Filmlegenden wie Bruce Lee, Jackie Chan und Jet Li hängt allerdings noch immer der Ruf nach, ihre Filme seien keine höhere Kunst.

Als sich Disney 1998 dazu entschied, den Stoff einer chinesischen Legende für den Zeichentrickfilm „Mulan“ zu verwenden, galt das als Experiment und gewagt. Kaum vorzustellen heute. Und der Film wurde ein riesiger Erfolg. Aktuell arbeitet Disney an einer Realverfilmung mit der Chinesin Liu Yifei als Mulan.

Constance Wu könnte jetzt zu einer Ikone der US-asiatischen Filmbranche im 21. Jahrhundert werden. Scheinbar hat ihre Nominierung etwas in der Szene ausgelöst. Auf Twitter schrieb Wu selber, ihr Handy käme nicht mehr zur Ruhe:

Wu hatte im Vorfeld noch nicht einmal damit gerechnet, nominiert zu werden, Dafür sei der Film zu sehr eine Ausnahmeerscheinung in Hollywood, wie sie der Unterhaltungsseite ET im Interview sagte.

Vielleicht hat ihre Nominierung bei den Golden Globes eine Tür für andere geöffnet, selbst wenn sie den Preis am Ende nicht gewinnen würde.

Quelle: Noizz.de

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