Kann das gut gehen?

Barbie steht vor allem dafür, seit 60 Jahren vollkommen unrealistische Schönheitsideale und überholte Frauenbilder in unzählige Kinderzimmer zu tragen. Weiße Haut, unendlich lange Beine, schmale Taille, große, feste Brüste, stets ein Lächeln, gut geschminkte Katzenaugen in perfekter Symmetrie zum kleinen Näschen, volles (oft blondes) Haar bis zum Hintern – ein Raster, durch das junge Frauen seit Jahrzehnten fallen. Aber auch eines, dass in Kinderzimmern so beliebt ist wie fast kein anderes Spielzeug. In Amerika ist es nach wie vor das beliebteste Spielzeug, und weltweit wird alle drei Sekunden eine Barbie verkauft.

Diversität im Barbie-Kosmos?!

Seit 2014 versucht der Hersteller Mattel tatsächlich auch, sich ein bisschen an Diversität zu üben. Das klappt so medium: Zum Frauentag 2018 erschien eine Sonderedition, die sich an tollen, berühmten Frauen orientierte. Das Ergebnis: Künstlerin Frida Kahlo, Box-Champion Nicola Adams oder Mode-Designerin Vicky Martin Berrocal, die alle irgendwie ziemlich gleichgeschaltet wirkten. Hautfarbe, Profession, eigener Körper: alles egal. Alles wird ins Barbie-Raster gepeinigt. Allerdings gab es danach auch die kurvige Barbie – auch die sieht immer noch unrealistisch aus, aber immerhin: Es ist ein Anfang.

Nächstes Kapitel für Barbie?

Barbie gibt es schon längst auch für den Bildschirm: Die pastellig-animierten Filme liefen bisher im Fernsehen oder sind auf DVD erhältlich. Das soll sich nun ändern: Die erste Realverfilmung fürs Kino ist in Planung. Nachdem Amy Schumer für die Rolle diskutiert wurde, ist es nun Margot Robbie die, die als Barbie bestätigt wurde.

Robbie selbst ist geehrt und gibt sich voll des Lobes: "Mit Barbies zu spielen, fördert das Selbstvertrauen, die Neugierde und Kommunikation durch kindliches Spielen zu einer Art Selbstverwirklichung. In den über 60 Jahren ihrer Erfolgsgeschichte hat Barbie es geschafft, dass sich Kinder in angestrebten Berufen von Prinzessinnen bis hin zu Präsidentinnen einfühlen können." Hinter dem Film als Produzenten treten vor allem Mattel und Warner auf.

Wir sind uns nicht so sicher, inwiefern Selbstverwirklichung jemals so wichtig für die Barbies dieser Welt waren. Denn egal ob als Ärztin, Politikerin oder sonst was – Barbies roter Faden war immer ihr Aussehen. Und wie oben kurz erwähnt, wurde dieses auch auf komplett andere Körper und Repräsentantinnen angewendet. Welche Art Selbstverwirklichung soll hier also gemeint sein? Die bis zur nächsten Bulimie?

Bleibt es blond und langbeinig?

Die heiße Frage ist nun: Welchen Ton wird dieser Film anschlagen? Werden wir Margot Robbie als dauerlächelnde Schönheitsqueen sehen, die sich durch eine wohl temperierte, achselrasierte Idee weiblichen Empowerments stackselt und straffe Karriereträume zu straffen Pomuskeln serviert? Oh – Moment, wir müssen kurz ans Telefon: Die 50er haben angerufen und wollen ihre toxische Weiblichkeit zurück.

Es gibt durchaus Indizien, die gegen eine solche Verfilmung sprechen: Im Orbit um den geplanten Barbie-Film ist etwa Drehbuchautorin Greta Gerwig. Neben ihr ist Noah Baumbach am Start, beide waren zuletzt für den Kinoerfolg "Ladybird" verantwortlich. Die Indie-Komödie porträtierte ein herrlich cooles Girl, das ehrlich gesagt sehr weit weg ist von jeglichen Barbie-Ideen.

Margot Robbie wiederum soll nicht nur vor der Kamera stehen, sondern hängt mit der eigenen Produktionsfirma LuckyChap auch mittendrin. Ihr letztes eigens produziertes Projekt war "I, Tonya". Im Mittelpunkt: eine White-Trash-Eiskunstläuferin, die eines Attentats an ihrer Konkurrentin bezichtigt wird, säuft, raucht und ihren Mann prügelt. Es ist also schwer zu glauben, dass Robbie sich hier einem Projekt hingibt, hinter dem sie nicht voll und ganz steht.

Auf der anderen Seite: Mattel hat seine Finger finanziell und dadurch sicherlich auch ideologisch im Spiel. Von Seiten des Spielzeugherstellers heißt es, dass der Film "positiv" werden soll. Die Frage ist nur: für wen? Im schlimmsten Fall nämlich treffen sich alle Beteiligten irgendwo in der Mitte und produzieren einen seichten Film ohne Aussage: also eine glattpolierte weiße und politisch irgendwie okaye Mattel-Werbefläche. Und sollte das das Ergebnis sein, ist die Antwort auf die Frage, ob wir einen solchen Film brauchen ziemlich schnell gefunden: Nein, Danke.

Bis wir irgendwas über Inhalte, Plot oder weitere Darsteller erfahren, warten wir gespannt und hören Barbies inoffizielle Hymne in Dauerschleife:

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Quelle: Noizz.de