Ein Plädoyer für eine Serie, die in Deutschland viel zu wenig Aufmerksamkeit kriegt.

2020 wird es passieren. Wirklich jetzt. Es wird einen "Bobs Burgers"-Film geben. Bobs – was? Wer sich das fragt, dem sei gesagt, dass er bis jetzt die großartigste und liebenswürdigste Comic-Comedyserie aller Zeiten verpasst hat.

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Der Plot ist schnell erzählt: Familie Belcher, bestehend aus Vater Bob (der immer ein bisschen unsicher ist), Mutter Linda (viel zu laut und mit leichtem Alkoholproblem) und den Kindern Tina (die sexuell verwirrt vor sich hin pubertiert), Sohn Gene (der ein Faible für Keyboards hat) und der creepy Louise (die immer eine Hasenohrenmütze trägt), hat ein Hamburgerrestaurant.

Mit dem kann sie sich allerdings mal mehr, mal schlechter über Wasser halten. Liegt vielleicht auch an der Lage, direkt neben einem Bestattungshaus und gegenüber eines Italieners, der von Jimmy Pesto, Bobs Erzfeind, betrieben wird.

Die Serie läuft in den USA ausgerechnet auf Trumps Lieblingssender Fox. Und das mittlerweile in neun Staffeln, seit 2011. Obwohl sie alles, wofür die Republikaner so stehen, durch den Kakao zieht. Naja, geht den "Simpsons" nicht anders. Drei Jahre später lief sie zum ersten Mal im deutschen Fernsehen. Die Abenteuer der Familie Belcher sind das Werk von Loren Bouchard.

Der Humor in der Serie: sehr archaisch, derb, manchmal ziemlich böse und unter der Gürtellinie. Sagen wir es mal so: Die Simpsons sind gegen die Belchers wirklich harmlos. Sie ist ungewöhnlich düster, trotz der grellen Zeichentrickbilder und versammelt so viele ungewöhnliche, schräge Charaktere, dass alleine das schon witzig genug wäre.

Trotzdem lieben diese Serie in Deutschland viel zu wenige. Dabei gibt es mindestens sechs großartige Gründe, wieso sich jeder auf den kommenden Kinofilm freuen kann. 

Die Belchers sind die beste amerikanische Durchschnittsfamilie, die das Fernsehen jemals gesehen hat

Von links nach rechts: Louise, Teddy, Gene, Bob und Linda. Tina fehlt leider auf dem BIld. Foto: Comedy Central

Die Belchers mühen sich ab. Sie sind zwar kein White-Trash, aber viel mehr haben sie auch nicht. Die drei Kinder sorgen, egal wo sie aufkreuzen immer für Aufsehen und als Freizeitaktivität reicht der Familie manchmal auch eine Häuserbesichtigungstour im Reichenviertel. Man kann ja träumen.

Das Beste daran: Eigentlich machen die Belchers kein Geheimnis daraus, dass sie nichts haben. Aber aufhören zu hoffen, tun sie auch nicht. Und genau das macht die Tragikkomik der Figuren aus. Seien es die Belchers selber, oder ihr schrulliger Freund und Stammkunde Teddy.

"Bob’s Burgers" serviert die besten Tagesburgers

Okay, das ist was für richtige Nerds. Jede Folge gibt es einen neuen "Burger of the Day" beziehungsweise manchmal einen "Burger of the Week" in Bobs Laden. Mit so ulkigem Namen wie der "Say Cheese Burger", "Tunami", "Rest in Peas" oder "Chevre which Way but Loose".

Die Burger sind so legendär, dass es schon ein ganzes Kochbuch damit gibt und Cameo-Auftritte in anderen Comicserien. In einer Folge der "Simpsons" wird etwa darüber geredet, dass Bobs Burgerladen boykottiert wird, weil sein Burger oft he Day einen anrüchigen Namen hatte.

Es ist so debil und irre, dass es einfach großartig ist

Das kann man so stehen lassen und auch nur schwer erklären. Vielleicht kann man da am besten einen Clip sprechen lassen. Vielleicht den, wo Gene eine sprechende Smart-Toilette findet und sich in sie verknallt.

Jepp, die Belcher-Kids haben echt Probleme. Aber einen Psychodoc können die sich echt nicht leisten.

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Louise ist der beste Charakter aller Zeiten

Louise ist die Verkörperung des Bösen. Sie spielt Menschen aus, sie flechtet Intrigen zusammen und legt jeden rein. Und eigentlich ist sie doch nur ein Mädchen. Das sich zum Beispiel in den Sänger einer Boyband verliebt. Den will sie aber lieber schlagen, statt küssen, als Zeichen ihrer Liebe.

Jedem das Seine. Und wieso trägt sie eigentlich andauernd eine pinke Hasenohrenmütze? Wir werden es nie erfahren. Aber eigentlich ist sie der wahre Grund, wieso diese Serie so genial ist.

So viel Musik. Es gibt so viel Musik.

Fakt ist: Wenn in der Serie richtig krasse Dinge passieren, die Figuren sich eingeengt oder vor einer wichtigen Entscheidung stehen, dann wird in der Serie gesungen. Fast schon Musicalartig: witzig, akribisch-perfektionistisch, selbst die die keine Musicals mögen (so wie ich) werden es als Stilmittel dieser Serie zu schätzen wissen.

Man muss es vielleicht auch einfach selber sehen, so wie im Song "Bad Stuff Happens in the Bathroom" – da klebt Bobs Hintern nämlich am Klo fest, weil seine Kinder eigentlich jemand ganz anderem einen Streich spielen wollten. Und so verpasst Bob wohl die einmalige Chance, bei einem angesehenen Restaurantkritiker zu punkten.

Und wen die Musical-Episoden auch noch nicht überzeugen, der sei das großartige Album zur Serie ans Herz gelegt. Auf "The Bob’s Burgers Music Album" – das ulkigerweise beim Indie-Kultlabel Sub Pop erschienen ist, das niemand geringeres als Nirvana groß gemacht hat – finden sich nicht nur all die Gesangseinlagen von Linda, Gene und Co., wie "Pirates of Panache“ oder “Lifting Up The Skirt Of The Night“, sondern auch echte musikalische Größen.

The National, die sich dort Bob’s Buskers nennen, aber auch St. Vincent und Cyndi Lauper (ja, DIE Cyndi Lauper mit "Girls just wanna have fun") haben sich auf der Platte, als auch in der Serie verewigt. Eine ähnliche Ehre kam bisher nur den "Simpsons" oder "Rick & Morty" zu Teil.

Es gibt die wildesten Fantheorien

Wie ihr nun wahrscheinlich mitgekriegt hat: Im Bobs-Burgers-Universum passieren obstruse Dinge, die manchmal fernab allem Vorstellbaren sind. Ja, auch ich frage mich manchmal, welche Drogen die Macher genommen haben, um sich das auszudenken. Oder ob ihre Leben wirklich so kläglich-desaströs sind.

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 Aufgrund der absurd-zynischen Grundeinstellung der Serie gibt es super weirde Fantheorien über die Belchers. Denn: Staffel eins fängt einfach mit einem gewöhnlichen Tag im Burger Resaturant der Familie an.

Wir erfahren über neun Staffeln hinweg NICHTS über Bobs oder Lindas Vergangenheit. Wir sind einfach im abgefahrenen Jetzt. Das ist manchmal pubertär witzig, manchmal ziemlich gesellschaftskritisch und manchmal auch grenzwertig depressiv.

Und das führt uns zu meiner liebsten Fantheorie von allen. Aufgepasst:

Eigentlich ist Bobs Familie tot. Er ist der einzige, der überlebt hat. Jede einzelne Folge von "Bob’s Burgers" handelt eigentlich davon, wie Bob von seiner toten Familie halluziniert während er trauert und versucht den Schock zu verarbeiten.

Bitte was? Ja, es gibt ernsthafte Indizien dafür. Und irgendwie macht es das nur noch interessanter. So als ganzes Konzept. Da wäre zum einen, das Intro der Serie. Wir sehen immer und immer wieder, wie das Restaurant wieder eröffnet, nach einer Reihe von mysteriösen Unfällen.  Es sind vier Unfälle. Jeder repräsentiert den Tod einer der Familienmitglieder.

Außerdem besucht ihn andauernd Mort der Bestatter und fragt, ob er okay sei. In der Fantheorie eben aus dem Grund, dass er die Bestattung von Bobs Familie organisiert hat. Die Serienmacher sagen, es sei nichts daran.

Hmm, wirklich?

Funfact: Die Pilotfolge handelt davon, dass der Burgerladen von Hugo, dem Lebensmittelkontrolleur, geschlossen wird, weil die Familie Menschenfleisch serviert. Okay, ja eigentlich hat das Louise nur in der Schule rum erzählt, um sich interessanter zu machen. Ja, das ist abgefahren. But I love it! Was sagt das jetzt bitte über mich aus?

Die erste Staffel von "Bob’s Burgers" kannst du sogar auf Amazon Prime schauen. Außerdem läuft die Serie hierzulande auf dem TV-Sender "Comedy Central". Und eben nächstes Jahr im Kino. Falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte.

Quelle: Noizz.de