„Black Panther“ beendet Kinoverbot in Saudi-Arabien

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Saudi-Kronprinz Mohammed bin Salman Foto: dpa / dpa picture alliance

Zum ersten Mal seit 35 Jahren läuft ein Kinofilm im Königreich.

Für uns ist es nur schwer vorstellbar, aber die meisten jungen Menschen in Saudi-Arabien sind noch nie in ihrem Leben im Kino gewesen. Vor 35 Jahren wurden öffentliche Filmaufführungen dort verboten. Man konnte natürlich auf seinen Laptop ausweichen oder ein Nachbarland wie Bahrain besuchen, aber Kinos blieben im Königreich tabu.

Doch damit ist jetzt Schluss! Am Mittwochabend wird ein Kino in der Hauptstadt Riad eröffnen, Popcorn inklusive. Und der Streifen, der das Verbot beenden wird, ist kein geringerer als „Black Panther“.

Der amerikanische Actionfilm wird fünf Abende in Folge in einem neuen, 620 Plätze umfassenden Kinosaal im Finanzviertel von Riad gezeigt, der ursprünglich als Konzerthalle konzipiert war. Am 26. April kommt mit „Avengers: Infinity War“ gleich der nächste.

Um zu verstehen, warum dieser Schritt so etwas Besonderes für das Königreich ist, muss man zurückblicken: Im Jahr 1979 überfielen Extremisten die Große Moschee in Mekka. Sie forderten den Sturz der Saud-Dynastie, den Bruch mit dem Westen und die konsequente Umsetzung der Scharia in der islamischen Welt.

Den saudischen Streitkräften gelang es zwar unter viel Blutvergießen, die Lage unter Kontrolle zu bringen, doch die Folgen für die Gesellschaft waren hart. Der damalige König Chalid gab den religiösen Fundamentalisten nämlich mehr Macht im Land, um sie zu beschwichtigen. Fotos von Frauen in Zeitungen wurden verboten, schnell schlossen auch Musiktheater und Kinos. Aus einem gewöhnlichen islamischen Land wurde der ultrakonservative Gottesstaat, den wir heutzutage kennen.

Dass am Mittwochabend zum ersten Mal seit 35 Jahren wieder ein Film aufgeführt wird, liegt am neuen starken Mann in Saudi-Arabien: Kronprinz Mohammed bin Salman, auch bekannt als MBS. Offiziell zwar noch nicht Staatsoberhaupt, ist er de facto für den Wandel verantwortlich, den sein Land aktuell durchmacht.

Wandel im Königreich: junge Frauen vor einem Sportgeschäft in Riad Foto: dpa Oliver Weiken / dpa picture alliance

Frauen müssen zum Beispiel keine rein schwarzen Outfits mehr tragen, dürfen Fußballspiele besuchen und ab Juni 2018 wieder Auto fahren. Es soll erstmals Touristenvisa geben, um auch abgesehen von Mekka-Pilgern Menschen ins Land zu locken. Und nicht zuletzt erkannte MBS das Existenzrecht Israels an, woran bei seinen Vorgängern nicht zu denken war.

Es sind aber nicht nur die jungen Menschen Saudi-Arabiens, die von seinen Reformen begeistert sind. Auch bei der amerikanischen Kinokette AMC dürften die Korken knallen. Der Weltmarktführer steht hinter dem ersten neuen Kino in Riad, in dem „Black Panther“ gezeigt wird, und plant bereits 39 weitere. Dass sich ein so großer, reicher Markt quasi über Nacht öffnet, ist für die wackelnde Branche ein Jackpot.

Auch die landeseigene Filmindustrie dürfte jetzt angekurbelt werden: Kurioserweise sind in den letzten Jahren trotz Kinoverbot einige preisgekrönte Filme in Saudi-Arabien entstanden, zum Beispiel 2012 das Drama „Wadjda“ von der Regisseurin (!) Haifaa Al Mansour. Es wird sicher nicht der letzte bleiben.

Quelle: Noizz.de