Natürlich mit einem Augenzwinkern: "Betonrausch" wird vorab schon als das deutsche Pendant zu "The Wolf of Wall Street" gehandelt – wir haben mal bei Hauptdarsteller Frederick Lau nachgefragt, was er dazu zu sagen hat. Und natürlich haben wir uns den Streifen schon auf Netflix angeschaut. Wie wir ihn fanden? Das verraten wir dir gleich.

Das alte Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär hat Hollywood schon etliche Male durchgekaut. Und auch das glamouröse Leben mit vielen Millionen auf dem Konto, inklusive Drogen, schnellen Autos, Schampus und schönen Frauen, die man(n) eben so braucht, haben wir schon so oft auf der Leinwand bestaunen dürfen, dass wir fast meinen, ganz genau zu wissen, wie sich so ein Leben anfühlen muss.

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Von diesem Wunschdenken und dem Streben nach Glück erzählt nun auch Netflix' neuster Filmstreich "Betonrausch", eine deutsche Eigenproduktion aus der Feder des deutsch-türkischen Regisseurs Cüneyt Kaya ("Blockbustaz", "Asphaltgorillas"). Die Story ist schnell erzählt und klingt ein bisschen nach einer deutschen Version von "The Wolf of Wallstreet" – nur mir Immobilien, statt Aktien. Viktor Stein, gespielt von David Kross, und Gerry Falkland, den darf Frederick Lau spielen, treffen sich eher zufällig, als Viktor bulgarischen Bauarbeitern ein Luxus-Apartment vermietet.

Einen kleinen Vorgeschmack gibt dir der Trailer von "Betonrausch":

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Gemeinsam mit der Bankkauffrau und Schulfreundin von Gerry, Nicole Kleber, gespielt von "GZSZ"-Star Janina Uhse, werden sie innerhalb kürzester Zeit unglaublich reich. Wie? Indem sie Immobilien weiterverkaufen, die sie wiederum mit Millionen schweren Krediten finanziert haben, die sie eigentlich niemals hätten bekommen dürfen. Doch durch ihre Machenschaften geraten sie immer tiefer in einen Strudel aus Lügen, Betrug und Täuschung – bis sie schließlich jeden Bezug zur Realität verlieren und entscheiden müssen, was ihnen wirklich wichtig ist.

Also der Aufstieg und Fall zweier Immobilienschwindler. Die Produktionsfirma hat den Film vorab als Hochstapler-Satire angekündigt, dafür ist "Betonrausch" mir an einigen Stellen etwas zu ernst. An anderen Stellen aber, wenn Viktor und Gerry in ihrem Stammpuff (genial: Sophia Thomalla als liebenswert-unaufgeregte Prostituierte) abhängen, koksen und Schampus schlürfen, wirkt das fast schon zu sorglos, um echt zu sein.

Ist das schon Satire?

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Insgesamt kommt es einem aber doch so vor, als sei der Film ziemlich nah dran an dem wahrscheinlich echten, wahren Irrsinn in diesem Milieu. Das ist die zugleich die Stärke und Schwäche des Films: Viktor und Gerry sind Sympathieträger, aber leider auch ganz schön daneben. Klar, Filmemacher Kaya vermittelt hier natürlich auch seine Sozialkritik: Viktor und Gerry, die aus ganz einfachen Verhältnissen kommen, haben genug davon, sich nur mit dem kleinen Stück vom Kuchen abzugeben.

Sie wollen mehr und melken dafür alles, was der kapitalistische Markt in seinen Grauzonen hergibt. Und am Ende fängt alles wieder von vorne an. Diese Erkenntnis ist frustrierend – und soll vielleicht auch genau das sein, was "Betonrausch" vermitteln will. Aber irgendwie ist es mir dann doch stellenweise zu ernst. Frederick Lau sieht das etwas anders, als ich ihn am Telefon erwische, um mit ihm über "Betonrausch" zu philosophieren.

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Was Frederick Lau uns über "Betonrausch" alles so verraten hat:

NOIZZ: Wie hast du dich für den Film und deine Rolle als Gerry Falkland vorbereitet, hast du Immobilienmakler getroffen?

Frederick Lau (mit ironischen Unterton): Ja, also schon ein bisschen, um ehrlich zu sein – also ich habe auch Freunde, die Hochstapler sind (lacht). Nein, sie sind auch einfach nur Immobilienmakler. Ich habe mich mit denen ein bisschen darüber ausgetauscht, wie ein normales Geschäft ablaufen würde, mit allem Drum und Dran – ja, so fing das an, um ein bisschen Gefühl dafür zu bekommen. Wir haben uns viel mit Cüneyt zusammengesetzt und sehr ausführlich bequatscht, wie wir das genau umsetzen wollen. Aber es war schon verrückt.

NOIZZ: Wieso?

Naja, einfach das Ganze: Wie viel Kohle, die da auf den Kopf hauen. Das ist einfach verrückt, welche Summen da bewegt werden im Film. Stell dir das mal vor! Es ist einfach crazy.

Szene aus "Betonrausch"

NOIZZ: Aber so absurd, wie es an sich klingt, wirkt irgendwie alles sehr plausibel oder nicht?

Haha, abgebrüht, meinst du? Naja, bis zu einem gewissen Grad funktioniert es ja wirklich, da gibt es auch genug echte Fälle.

NOIZZ: Was hat dich an dem Projekt als Schauspieler besonders gereizt?

Cüneyt ist ein guter Freund von mir, wir haben schon einmal einen Film zusammen gemacht "UMMAH – Unter Freunden". Als er mit mir über "Betonrausch" und Gerry gesprochen hat, fand ich vor allem die Rolle sehr cool. Der macht als Typ einfach Spaß, genau wie der Film.

NOIZZ: Konntest du dich in Gerry auch ein bisschen selbst wieder erkennen?

Naja, Gerry ist genauso wie ich ein Typ, für den die Familie an oberster Stelle steht, er würde alles für sie tun, das ist ihm sehr wichtig. Gerry tun die Menschen aber auch oft so ein bisschen leid – ich meine, das ist zutiefst menschlich, und macht ihn auch sympathisch. Aber er ist auch ein sehr interessanter Charakter, der offen auf Menschen zu geht und seinen Lifestyle durchzieht. In so etwas einzutauchen, ist auch mal was.

Frederick Lau als Gerry in "Betonrausch"

NOIZZ: Und was ist sein Lifestyle?

Na, der ist schon ein Lebemann. (lacht) Aber er ist trotzdem jemand, der für die Familie da ist. Er hat einfach keinen Bock mehr, sich die ganze Scheiße reinzuziehen, mit der er auch groß geworden ist. Deswegen macht er am Ende ja genau das, was er tut. Der will nicht mehr da unten rum schwimmen. Er sieht es nicht ein, wieso man klein bleiben sollte.

NOIZZ: Ein bisschen ist "Betonrausch" ja auch eine tragische Bromance, oder? Solche Geschichten wurden im deutschen Film bisher eher wenig aufgenommen.

Ich finde, es ist eher ungewöhnlich, unter welchen Umständen sich die beiden das erste Mal treffen, wie sie zusammenkommen und was sie dann machen. Auch in welchem Stil und welchem Ausmaß.

NOIZZ: Im Vorfeld wurde der Film schon ein bisschen mit "The Wolf of Wall Street" verglichen – findest du das passend für "Betonrausch"?

Ich finde, man darf niemals vergleichen. "The Wolf of Wall Street"?! Das ist riesig, ein bombastischer Film mit Leonardo DiCaprio. Das ist ja fast unantastbar. Damit würde ich mich nie vergleichen. Aber ja, es geht ums große Geld. Wenn man das besitzt oder haben will, wird es doch immer auch irgendwie absurd.

Szene aus "Betonrausch"

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NOIZZ: Wie waren die Dreharbeiten für dich?

Wir haben einfach viel getanzt, Party, Drogen (lacht)

NOIZZ: Ah, dafür ist das Budget also draufgegangen …

Ja, klar – ne, ne, aber es hat einfach total Spaß gemacht, sich in diese ausgelassene Welt rein zu begeben. Das ist alles mega strange und hat nichts mit dem normalen Leben zu tun! Es ist auch alles ein bisschen verrucht und megainteressant. Diese Szenen im Puff waren auch witzig. Als ob man so der alltägliche Puffgänger gewesen wäre. Das hat auch mit Sophia totalen Spaß gemacht, das zu drehen. Da sind echt manchmal so Situationen entstanden, wo man zurückblickend einfach nur den Kopf schütteln würde – aber auch das mag ich ganz gerne.

Szene aus "Betonruasch"

NOIZZ: Als 2016 die "Panama Papers" geleaket wurden, kamen jede Menge solcher Geschichten wie in "Betonrausch" mit Immobilienbetrug und Krediten in Millionenhöhen ans Tageslicht. Hat dich das auch fasziniert, so etwas, das wahr sein könnte, zu spielen?

Klar, voll – weil es absurder eigentlich nicht mehr sein kann. Aber trotzdem irgendwie auch nachvollziehbar. Es ist ja schön, Geschichten zu erzählen, die vollkommen irre, aber trotzdem nicht so weit weg von der Realität sind.

NOIZZ: Das Ende holt einen aber auch ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurück – auch wenn man merkt, dass die Geschichte wieder von vorne beginnt.

Sie wird sich auch immer wiederholen – wir leben im Kapitalismus. Ein Film will immer auch etwas über unsere Gesellschaft erzählen und auf etwas aufmerksam machen, auch wenn wir dabei unterhalten.

"Betonrausch" kannst du ab dem 17. April auf Netflix streamen.

Wenn du nicht nur Bock auf Filme, sondern auch Netflix-Serien hast, haben wir etwas Futter für dich – in unserer Facebookgruppe "Süchtig nach Serien".

  • Quelle:
  • Noizz.de