Netflix, Feminismus, Anti-AfD: Darum dürft ihr die Berlinale 2019 nicht verpassen

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Geht wieder bärig zu in Berlin: Die Berlinale 2019 startet. Foto: Velvet.Creative.Office / Instagra.com/Berlinale

Das zehntägige Filmfestival startet am Donnerstag, den 7. Februar in die 69. Runde.

Mit über 400 Filmen und einem Fokus auf die Themen Familie, Kindheit, Gleichberechtigung und Ernährung ist die Berlinale auch dieses Jahr wieder Plattform für Kunst, Kultur und Glamour. Ganz nebenbei zeigt sie sich gewohnt kämpferisch gegenüber  sexistischen Strukturen, der veralteten Filmbranche und rechtsradikalen Strömungen.

Als Vorreiter-Festival innerhalb der männerdominierten Filmbranche setzt die Berlinale bezüglich der Gleichberechtigung von Filmschaffenden auch dieses Jahr neue Maßstäbe. Unter dem an die feministische Second-Wave-Bewegung der 60er angelehnten Motto „The personal is political“ sind bei knapp der Hälfte der gezeigten Filme Frauen die Regisseurinnen. Und auch im offiziellen Wettbewerb um den goldenen Bären wird stark auf ein faires Verhältnis hingearbeitet: Schauspielerin Juliette Binoche ist Jury-Präsidentin und sieben von 17 nominierten Filmen wurden von Frauen realisiert. Zum Vergleich: Die Academy Awards kommen dieses Jahr auf die spektakuläre Zahl von null nominierten Frauen in der Kategorie „Best Director“.

Und auch sonst bringt die Berlinale wie gewohnt frischen Wind in die veralteten Systeme der Filmindustrie: Während Cannes im vergangenen Sommer ein Verbot für von Streamingdiensten produzierten Filme verhängt hat, nimmt mit Isabel Coixets „Elisa y Marcela“ sogar ein Netflix-Film am Wettbewerb teil. 

Verantwortlich für diesen eleganten Spagat zwischen alten Traditionen und vor allem den Innovationen und gesellschaftskritischen Auseinandersetzungen ist seit 18 Jahren Berlinale-Direktor Dieser Kosslick. Mit der diesjährigen Berlinale geht seine Schaffenszeit für das berühmt-berüchtigte Festival zu Ende. Natürlich nicht ohne Wumms: Um direkte Positionierungen in politischen Fragen war er noch nie verlegen. Dieses Jahr gibt es eine Extra-Aufführung des Films „Who Will Write Our History?“ an, zu der er besonders Mitglieder der AFD einlud. In dieser Dokumentation geht es um Augenzeugen-Berichte über Leben und Leid in den Warschauer Ghettos zur Zeit des zweiten Weltkrieges.

Wie jedes Jahr wird natürlich auch 2019 mit einem „Filmbranches finest“-Aufgebot an Stars auf dem roten Teppich gerechnet. Allerdings wurde bereits im Vorfeld gemeckert, dass gerade die internationale Sparte dieses Jahr nur spärlich vertreten sei. Christian Bale („Vice“), Bill Nighy („The Kindness of strangers“) und Jonah Hill ("Mid 90ies") kommen wohl aber doch. Und mit ihnen die Toten Hosen (wait, what?), die eine Dokumentation über das Schaffen ihrer Band präsentieren. 

Insgesamt freuen wir uns also auf ein Festival, wie es besser nicht passen könnte: Kontrovers und abgerockt, kosmopolitisch, künstlerisch und mit ein bisschen Glamour – ganz Berlin eben.

Damit ihr unter 400+ Filmen nicht den Überblick verliert, hier unsere NOIZZ-Hotlist für die Berlinale 2019:

Der goldene Handschuh

Worum gehts? Kult-Regisseur Fatih Akin verfilmt nach einer Buchvorlage von Heinz Strunk Leben und Töten von Hamburger Serienmörder Fritz Honker, der in den 1970ern in und um die Bar „Der goldene Handschuh“ sein Unwesen trieb.

Warum ansehen? Würstchen, Blut, Ekel! Und das alles im feinsten Hamburger Dialekt – call us in!

Mid 90ies

Worum gehts? In seinem Regiedebüt verfilmt Schauspieler Jonah Hill seine Liebe zur Musik, zum Skaten und den 90er Jahren. Der Film begleitet den 13-jährigen Stevie aus L.A. bei einem Sommer voller „erster Male“.

Warum ansehen? Hauptsächlich wohl wegen der Nostalgie. Aber auch um zu sehen, was der sich bisher stetig hinter dem Looser-Image versteckende Jonah Hill eigentlich auf der Pfanne hat.

A Dog Called Money

Worum gehts? Weltpremiere auf der Berlinale feiert diese neue Dokumentation über die britische Rock-Ikone PJ Harvey. Die Musikerin ließ sich bei der Produktion ihres 2016er Albums „The Hope Six Demolition Project“ von einem Kamerateam begleiten.

Warum ansehen? PJ Harvey! Darum.

Heute oder Morgen

Worum gehts? Dieses einfühlsame Drama erzählt von 3 Twens aus Berlin, die sich mutig ihrem Verlangen einer Dreier-Beziehung hingeben. Eine ungewollte Schwangerschaft droht die mühsam aufgebaute Balance der drei Individuen zu zerstören.

Warum ansehen? Erinnert irgendwie an die ständigen Tinder-Angebote, wo Pärchen „a lovely girl for threesome-fun“ suchen. Sehr Berlin-like.

A Dog Barking at the Moon

Worum gehts? Eine weitere Weltpremiere gibt es auch mit diesem chinesischen Drama. Erzählt wird die Geschichte einer wohlhabenden asiatischen Familie, die so lange schweigt, bis sich Themen wie die Homosexualität des Vaters und der Sektenfanatismus der Mutter selbst an die Oberfläche drängen.

Warum ansehen? Weil sich eine Enthüllungsstory über einen schwulen Vater und eine sektenangehörige Mutter so nicht einmal besser Schreiber einer spanischen Telenovela hätten ausdenken können.

Quelle: Noizz.de