Wenn so Berlin ist, möchte ich hier bitte wegziehen.

Berlin ist alles und jeder: Exzess, Dreck, Schönheit, Fernsehturm, Berghain, BVG, Start-ups, Currywurst, KaDeWe, Junkies, geklautes Portemonnaie, Fahrradunfall am Hermannplatz, Kotze am Kotti, unfertiger Flughafen, Hipster, Punks, Pelzmäntel, Hundescheiße.

Die Anziehungskraft und der Mythos Berlins haben schon so einige zu kreativen Ergüssen ermutigt – was cool ist. Berlin kann man auf alle möglichen Weisen verarbeiten: schriftlich wie Helene Hegemann in "Axolotl Roadkill" (2010), in Serie wie bei "4 Blocks" oder in die Vergangenheit reisend wie in "Babylon Berlin", um nur wenige Beispiele zu nennen.

Was man nicht machen kann – oder besser nicht sollte: aus Berlin eine überzuckerte Wohlfühl-Kulisse machen und sie für ein massentaugliches und nichtssagendes Lovie-Dovie-Filmchen mit dem Esprit einer Tchibo-Werbung missbrauchen. Aber genau das passiert demnächst im Kino eures Vertrauens:

Einfach harmloses Popcorn-Kino?! Nicht ganz: Dieser Film bewegt! Schon der Trailer zu "Berlin I love you" würgt einen im Halse. Und das liegt nicht daran, dass Mickey Rourkes Frisur das hässlichste Tier ist, das man seit Trump zu sehen bekommen hat. Nein, es liegt daran, dass diesem Film jegliche Authentizität abgeht.

Denn selbst wenn man mal von der Tatsache absieht, dass offenbar kein einziger großer deutscher Schauspieler in diesem Episoden-Film mitspielt, verkommt Berlin zu einer austauschbaren Instagram-Kulisse. Und vor dieser wird jedes verdammte Klischee über die deutsche Hauptstadt zuerst in Pastell erwürgt und dann zur Schau gestellt.

Dass Til Schweiger hier auch als Regisseur tätig war, wundert wirklich keinen – immerhin hat Schweiger nicht am Drehbuch mitgeschrieben und zeigt weder sich selbst noch eine seiner Gören. Glück gehabt!

>> Warum ich Til Schweiger hasse

Ansonsten wird Berlin derartig als Sehnsuchtsziel inszeniert, dass sich direkt jeder Immobilien-Hai darauf einen abwichsen kann. Sehnsucht hat natürlich jeder, der nach Berlin kommt – laut Trailer hauptsächlich, um zu träumen, zu tanzen und um sich zu verlieben. Ach so – na ja, und um Einhörner zu finden, natürlich. Haben die Macher des Films wahrscheinlich vergessen.

"Berlin, I love you" wurde nach demselben Prinzip gemacht wie "Paris, je t'aime" (2007) oder "New York, I love you" (2009) – wir fragen uns, warum die Berliner Ausgabe nicht "Berlin, ich liebe dich" heißt (nicht, dass das irgendwas besser gemacht hätte ...). Wir fragen uns, ob Menschen in eben jenen Städten sich beim Anblick des Trailers dasselbe gedacht haben wie wir: "Wenn DAS meine Stadt ist, möchte ich bitte sofort ausziehen."

Übrigens: Menschen, die "Das ist so Berlin" sagen, glauben auch, dass es cool sei, bei Vapiano essen zu gehen.

Quelle: Noizz.de